Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapie steht in den Genen

25.09.2008
Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Heidelberg untersucht molekulare Eigenschaften von Tumoren der Mundhöhle / Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt Projekt mit 80.000 Euro

Tumoren der Mund- und Rachenschleimhaut, sogenannte Plattenepithelkarzinome, zeigen charakteristische Veränderungen im Erbgut: Bestimmte Abschnitte sind zu häufig vorhanden. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums untersuchen, wie sich diese Veränderungen auf die Aggressivität der Tumoren auswirken und wo individuell angepasste Therapien ansetzen können. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt das Projekt nun mit 80.000 Euro.

Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region treten als Tumoren der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes aus. Damit ist diese Krebsart weltweit die sechsthäufigste Tumorerkrankung: Allein für das Mundhöhlenkarzinom werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Neuerkrankungen beobachtet.

Kooperation sorgt für kurze Wege zwischen Forschung und klinischer Anwendung

Seit dem Jahr 2000 existiert die Arbeitsgruppe um Dr. Dr. Kolja Freier, Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztl. Direktor: Prof. Dr. Dr. J. Mühling) , in Kooperation mit der Abteilung Molekulare Genetik unter der Leitung von Professor Dr. Peter Lichter am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. "Diese Kooperation ermöglicht die fruchtbare Verbindung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Tätigkeit. Wir prüfen bei allen Ergebnissen, wie brauchbar sie für Diagnostik und Therapie sind", sagt Dr. Kolja Freier. Die Zusammenarbeit verläuft erfolgreich: Viele Abschnitte im Erbgut (Gene) der Tumorzellen, die von den kritischen Vervielfältigungen (Amplifikationen) betroffen sind, hat die Gruppe in den letzten Jahren selbst identifiziert und beschrieben.

Im Rahmen des geförderten Projektes untersuchen die Heidelberger Wissenschaftler nun, welche Funktionen diese Gene im Zellstoffwechsel erfüllen und was passiert, wenn zu viele Kopien dieser Gene gleichzeitig aktiv sind. "Werden mehrere Kopien dieser Gene abgelesen und in Eiweiße übersetzt, kann das die Kontrollmechanismen der Zelle außer Kraft setzten: Es entsteht Krebs", erklärt Dr. Freier. "Allerdings ist das nicht bei allen betroffenen Genen der Fall. Welche Gene hier eine wichtige Rolle in der Tumorentstehung spielen, ist Gegenstand unserer aktuellen Untersuchungen." Dabei helfen Kulturen mit humanen Tumorzellen. Die Wissenschaftler prüfen hier u.a., wie sich die Zellen entwickeln, wenn verschiedene Proteine im Überschuss produziert werden und wie man hier regulierend eingreifen kann.

Die Ergebnisse könnten die Diagnostik des Plattenepithelkarzinoms im Kopf-Hals-Bereich deutlich verbessern und dazu beitragen, Therapien individuell anzupassen: "Bisher geben weder Gewebeproben noch die bildgebenden Verfahren Hinweise darauf, wie aggressiv die Tumoren sind und ob sich Metastasen bilden, nachdem der Tumor operativ entfernt wurde", erklärt Dr. Freier. "Finden wir allerdings einen Zusammenhang zwischen bestimmten Erbgutveränderungen und der Bildung von Metastasen, können wir aus den Genen Schlüsse auf die benötigte Therapieintensität ziehen." So könnte für Patienten, deren Tumoren die kritischen Veränderungen zeigen, nach einer Operation eine zusätzliche Bestrahlung sinnvoll sein, während man anderen Patienten, deren Tumoren diese Veränderungen nicht aufweisen, diese Belastung ersparen könnte. "Denkbar wäre auch eine Chemotherapie, die gezielt diese Veränderungen der Tumorzellen als Angriffspunkt nutzt", so Dr. Freier.

Ansprechpartner:
Dr. med. Dr. med. dent. Kolja Freier
Klinik für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 7315
E-Mail: Kolja.Freier@med.uni-heidelberg.de
Literatur:
Freier K, Pungs S, Sticht C, Flechtenmacher C, Lichter P, Joos S, Hofele C: High survivin expression is associated with favorable outcome in advanced primary oral squamous cell carcinoma (OSCC) after radiation therapy. Int J Cancer 120:942-6, 2007

Sticht C, Freier K, Knoepfle K, Flechtenmacher C, Pungs S, Hofele C, Hahn M, Joos S, Lichter P: Activation of map kinase signalling via ERK5 but not ERK1 expression is associated with lymph node metastases in oral squamous cell carcinoma (OSCC). Neoplasia 10:462-70, 2008

(Die Originalartikel können bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften