Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Prognosetest für Darmkrebs

29.03.2012
Catherine Seva und Audrey Ferrand, zwei Forscherinnen eines fakultätsübergreifenden Teams (Inserm/ Toulouse Universität III – Paul Sabatier) des Krebsforschungszentrums in Toulouse (Midi-Pyrénées), haben einen prädiktiven Test entwickelt, um das Darmkrebs-Risiko bei Patienten einzuschätzen, bei denen bereits ein Polyp entfernt wurde. Die Ergebnisse wurden am 24. Februar 2012 in der Fachzeitschrift Cancer Prevention Research [1] veröffentlicht.

In Frankreich sind Kolonkarzinome die zweithäufigste Krebsart und die vierthäufigste Todesursache bei Krebserkrankungen. Hyperplastische Polypen sind die häufigsten kolorektalen Verletzungen, von denen fast ein Viertel der europäischen Bevölkerung zwischen 20 und 54 Jahre betroffen sind.

Sie wurden lange als gutartig eingestuft und bis heute wurde den Patienten nach der chirurgischen Entfernung keine medizinische Weiterbetreuung empfohlen. Einige dieser Polypen könnten jedoch Vorläufer von Kolonkarzinomen sein. Die beiden französischen Forscherinnen haben eine Methode entwickelt, mit der sich feststellen lässt, welche Untergruppen von Polypen möglicherweise bösartig sind.

Catherine Seva und ihre Mitarbeiter haben über 10 Jahre eine retrospektive klinische Studie durchgeführt, bei der sie das Vorhandensein des Proteins Progastrin in den hyperplastischen Polypen von 74 Patienten untersuchten. Bekannt war bereits, dass Progastrin an der Darmkrebs-Entstehung beteiligt ist. Es wird von kolorektalen Tumorzellen produziert, kommt jedoch in gesunden Kolonzellen nicht vor.
Die Forscherinnen konnten einen wichtigen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Progastrinspiegel und der späteren Ausbildung von präkanzerösen Veränderungen aufzeigen. Während diese Polypen als gutartig und ungefährlich eingestuft wurden, entwickelten 100% der Patienten mit einem hohen Progastrinspiegel innerhalb von 2 bis 10 Jahren nach der Polypenentfernung Adenome – bekannt als Vorstufe von Kolonkarzinomen. Im Gegensatz zu Patienten, die dieses Protein nicht oder nur in geringen Mengen produzierten, bildeten sich innerhalb der 10 Jahre nach Entfernung des Polypen keine Krebszellen.

Ausgehend von diesen Ergebnissen entwickelten die Wissenschaftlerinnen einen prädiktiven Test, der auf dem Patientenalter und der immunhistochemischen Markierung basiert. Dieser Test ermöglicht eine sehr genaue und spezifische Voraussage für die Ausbildung von Tumoren bei Patienten mit hyperplastischen Polypen. Patienten mit einem hohen Progastrinspiegel könnten nach der Operation länger betreut werden.

Es muss nun eine Studie mit einer größeren Patientenanzahl durchgeführt werden, um diesen Test als Routineverfahren anerkennen zu können.

Bereits zum 5. Mal starteten die französischen Gesundheitsbehörden im März eine großangelegte Aufklärungskampagne zur Früherkennung von Kolonkarzinomen. Die Kampagne wurde als “Blauer März” bezeichnet und ist Teil des nationalen Aktionsplans “Plan Cancer 2009-2013″ der französischen Regierung.

[1] Originalpublikation: “A new biomarker that predicts colonic neoplasia outcome in patients with hyperplastic colonic polyps”, Cancer Prevention Research – 24.02.2012 – http://cancerpreventionresearch.aacrjournals.org/content/early/2012/03/09/1940-6207.CAPR-11-0408

Weitere Informationen: Video der Forscherin Catherine Seva, die den neuen Test erklärt: http://www.inserm.fr/espace-journalistes/un-test-predictif-de-risque-de-cancer-du-colon

Quellen:
- Pressemitteilung des Inserm – 15.03.2012 – http://www.inserm.fr/espace-journalistes/un-test-predictif-de-risque-de-cancer-du-colon

- Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums – 01.03.2012 – http://www.sante.gouv.fr/mars-bleu-mois-national-de-mobilisation-contre-le-cancer-colorectal.html

Redakteurin: Claire Cécillon, claire.cecillon@diplomatie.gouv.fr

Claire Cécillon | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics