Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Perspektiven für die Behandlung von Knochen- und Weichteiltumoren

23.11.2011
Wissenschaftler der Kinderklinik des Klinikums rechts der Isar der TU München sind bei der Behandlung von bösartigen Knochen- und Weichteilsarkomen einen wichtigen Schritt vorangekommen.

Ihnen ist es gelungen, T-Zellen aus gesunden Spendern zu entnehmen und zu vermehren. Diese Zellen sind in der Lage, eine spezifische Immunreaktion auszulösen, die sich gegen Tumorzellen des Ewing-Sarkoms richtet.

Die Forschergruppe, die zur Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome gehört, konnte in einem präklinischen Modell zeigen, dass die Tumore dadurch abgetötet werden. Ziel ist es nun, die T-Zellen therapeutisch als „Körperpolizei“ gegen die Tumorzellen einzusetzen.

Knochen- und Weichteilsarkome repräsentieren etwa elf Prozent der bösartigen Tumore im Kindes- und Jugendalter. Moderne Therapiestrategien kombinieren Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie und konnten die Heilungschancen dieser Tumore in den letzten Jahrzehnten deutlich steigern, so dass die tumorfreie Überlebensrate nach fünf Jahren bei etwa 60 bis 70 Prozent liegt. Dennoch ist die Prognose für einzelne Untergruppen von Patienten weiterhin ungünstig und die Langzeitüberlebensrate liegt bei weniger als 20 Prozent.

Bei Kindern und Jugendlichen stoßen die Ärzte bislang an therapeutische Grenzen: Aufgrund der starken Nebenwirkungen, die akut und langfristig auftreten, können Dosis und Länge der Chemotherapie nicht weiter gesteigert werden. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert daher vier Forschungsprojekte an der „Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome“ mit dem Ziel, risikospezifische und individualisierte Therapien für die Patienten zu entwickeln, die mit herkömmlichen Behandlungsstrategien nicht geheilt werden können.

Eines der Projekte leiten Dr. Günther Richter und Prof. Stefan Burdach. Ihnen ist ein Durchbruch gelungen: Sie sind in der Lage T-Zellen gegen Ewing-Sarkome herzustellen und zu vermehren. Damit können Sie das körpereigene Immunsystem von Tumorpatienten erheblich unterstützen, das selbst oft nicht in der Lage ist, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Im nächsten Schritt prüfen die Forscher vom Forschungszentrum für krebskranke Kinder in der Kinderklinik die Qualität dieser T-Zellen bei der Bekämpfung des Tumorwachstums. In klinischen Studien soll anschließend untersucht werden, ob sich der Einsatz von T-Zellen positiv auf den Therapieerfolg auswirkt und wie dadurch die bisher notwendige hochdosierte Chemotherapie mit nachfolgender Stammzelltransplantation abgemildert werden kann.

In einem zweiten Forschungsansatz innerhalb des Projekts konnten die Wissenschaftler einen spezifischen Rezeptor identifizieren, der die Diagnostik bei Ewing-Sarkomen verbessern kann. Dieser Marker kommt bei Sarkomen nur auf Ewing-Tumoren vor und ist nach bisherigem Kenntnisstand wesentlich für die Invasivität und das Metastasierungsverhalten dieser Tumoren. Bei gesunden Menschen ist der Rezeptor nur in wenigen Geweben schwach zu beobachten. Da er auf der Zelloberfläche von Tumorzellen sehr stark auftritt, betrachten die Wissenschaftler ihn als geeigneten Kandidaten für die Entwicklung neuer individualisierter Therapieansätze, bei denen z.B. Antikörper an den Rezeptor „andocken“ und das Wachstum des Tumors hemmen. Dabei erhoffen sich die Forscher, dass sich der Mechanismus auch auf andere Tumoren übertragen lässt.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 170.000 Euro über drei Jahre. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Zu den Ergebnissen sind folgende Fachpublikationen erschienen:

Specific Recognition and Inhibition of Ewing Tumour Growth by Antigen-specific Allo-restricted Cytotoxic
Thiel, U., Pirson, P., Müller-Spahn, C., Heinke Conrad, H., Dirk H. Busch, DH, Bernhard, H., Burdach, S., Richter, GHS.

(2011). T Cells. Brit J Cancer 104(6): 948-56.

STEAP1 is associated with the invasive and oxidative stress phenotype of Ewing tumors.
Grünewald TG, Diebold I, Esposito I, Plehm S, Hauer K, Thiel U, da Silva-Buttkus P, Neff F, Unland R, Muller Tidow C, Zobywalski C, Lohrig K, Lewandrowski U, Sickmann A, Prazeres da Costa O, Gorlach A, Cossarizza A, Butt E, Richter GHS, Burdach S.

(2011). Mol Cancer Res. Nov 11. [Epub ahead of print]

Kontakt (Projektleitung):
Dr. Günther Richter
Labor f. Funktionelle Genomik & Transplantationsbiologie im Forschungszentrum für krebskranke Kinder
Kinderklinik des Klinikums rechts der Isar
der Technischen Universität München
Tel: ++49 (0) 89/3068 3235
e-mail: guenther.richter@lrz.tum.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik