Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ersatzstoffe und Implantate für Knochen, die nicht heilen wollen

16.06.2010
Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt 7,4 Millionen Euro für neuen Sonderforschungsbereich/Transregio

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat einen neuen Sonderforschungsbereich/Transregio (SFB/TRR) mit dem Thema „Werkstoffe für die Hartgeweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“ an den Universitäten Heidelberg, Gießen und Dresden bewilligt. Die erste Förderperiode beginnt im Juli 2010 und läuft über 4 Jahre. Das Fördervolumen von 7,4 Millionen Euro (ohne Programmpauschale) verteilt sich auf die einzelnen Universitäten in etwa gleichmäßig.

Ziel des SFB/TRR 79 ist es, neue Knochenersatzstoffe und Implantatwerkstoffe zu entwickeln, die speziell an die Verhältnisse im kranken Knochen angepasst sind. Denn bei zugrundeliegenden Krankheiten, wie z.B. dem Multiplen Myelom (einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems), Knochenmetastasen oder der Osteoporose, heilt der Knochen im Falle eines Bruchs nur sehr langsam oder gar nicht. Das stellt bei älteren Menschen und Tumorpatienten ein großes klinisches Problem dar. Die Bildung von mechanisch langfristig stabilem Knochengewebe führt zu einer Verbesserung der Lebensqualität und des Überlebens. Gleichzeitig ist eine etwaige Funktionalisierung der in den Knochen eingebrachten Biomaterialien (zum Beispiel zur lokalen Kontrolle der Tumorzellpopulation beim Multiplen Myelom) ein vielversprechender therapeutischer Ansatz.

Sprecher des SFB/TRR 79 am Standort Heidelberg ist Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Sektion Multiples Myelom an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Neben der Biophysikalischen Chemie der Universität Heidelberg ist in Heidelberg außerdem das Deutsche Krebsforschungszentrum an dem neuen Sonderforschungsbereich beteiligt. „In unseren Teilprojekten wird es darum gehen herauszufinden, welche molekularen Mechanismen bei der Zerstörung und mangelhaften Heilung des Knochens ablaufen, wie wir diese Vorgänge mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen können und wie die neu entwickelten Knochenersatzstoffe und beschichteten Implantate auf das umliegende Gewebe und die Knochenheilung einwirken. Alles das soll dazu beitragen, Diagnostik und Therapie der betroffenen Patienten zu verbessern. Insbesondere werden Myelompatienten in Zukunft hiervon profitieren“, erläutert Dr. Dirk Hose, stellvertretender Sprecher am Standort Heidelberg und Leiter des Labors für Myelomforschung an der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg.

Die Koordination für den gesamten Sonderforschungsbereich liegt bei der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sprecher ist Professor Dr. Dr. Reinhard Schnettler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie. Weitere Teilnehmer am SFB/TRR 79 sind die Technische Universität Dresden sowie das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung, das Leibniz-Institut für Polymerforschung und das Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, alle ebenfalls in Dresden. Während in Dresden die neuen Werkstoffe und Biomaterialien entwickelt werden sollen, werden in Gießen schwerpunktmäßig geeignete Tiermodelle ausgearbeitet, um die Materialien testen zu können.

Multiples Myelom als Modellerkrankung

Im Mittelpunkt der Forschung stehen das Multiple Myelom und die systemische Knochenerkrankung Osteoporose, eine vor allem im Alter auftretende Verminderung der Knochensubstanz, die beide mit einem deutlich erhöhten Knochenbruchrisiko und einer verzögerten Heilung einhergehen. Das Multiple Myelom ist eine in der Regel unheilbare Krebserkrankung, die auf einer Vermehrung von Myelomzellen (einer bestimmten Art bösartig veränderter weißer Blutkörperchen) im Knochenmark beruht. Myelomzellen wie auch deren normales Gegenstück stehen in enger Interaktion mit anderen Zellpopulationen der Knochenmarkumgebung.

Eine Anhäufung von Myelomzellen verursacht Symptome und klinische Zeichen, die unter anderem zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung und zu Knochensubstanzdefekten führen. Folgen sind Knochenschmerzen und -brüche, Blutarmut und Infektanfälligkeit. „Die neuen Knochenersatzstoffe sollen den Knochen stabilisieren, den Knochenstoffwechsel zur Heilung anregen und die Tumorzellen direkt im Knochen unter Kontrolle halten“, erklärt Professor Goldschmidt. „Schließlich sollen die Forschungsergebnisse zum Multiplen Myelom auf andere gut- und bösartige Knochenerkrankungen übertragen werden.“

Weitere Teilprojekte in Heidelberg beschäftigen sich mit folgenden Fragestellungen: Wie wirken beschichtete Implantatoberflächen auf das umliegende Gewebe im Bereich des Knochenbruchs? Wie beeinflussen Knochenersatzstoffe die Gefäßneubildung an der Bruchstelle und damit den Beginn einer Heilung? Wie sehen strukturelle Veränderungen des Knochens und Heilungsprozesse in modernen bildgebenden Verfahren aus? Welche Möglichkeiten gibt es, den Krankheitsverlauf besser zu kontrollieren und die Therapie zu individualisieren?

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 80 03
Fax: 06221 / 56 56 24
E-Mail: hartmut.goldschmidt@med.uni-heidelberg.de
Dr. med. Dirk Hose
Medizinische Klinik V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 39 047
Fax: 06221 / 56 62 38
E-Mail: dirk.hose@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Multiples-Myelom.109010.0.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Frühwarnsystem RAWIS in Katastrophenübung mit THW final getestet

23.05.2018 | Informationstechnologie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index dreht wieder leicht ins Plus

23.05.2018 | Wirtschaft Finanzen

Wenn Korallen Plastik fressen

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics