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Molekularer Mechanismus des allergischen Kreislaufschocks entschlüsselt

28.01.2009
Angriffspunkt sind Proteine in der Zellwand kleiner Blutgefäße / Wissenschaftler der Universität Heidelberg veröffentlichen in "The Journal of Experimental Medicine"

Wissenschaftler der Universität Heidelberg haben einen molekularen Mechanismus für den allergischen Kreislaufschock gefunden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Aktivierung spezifischer Proteine in den Zellwänden von kleinen Blutgefäßen.

Die Ausschaltung der entsprechenden Gene bewahrt Mäuse vor den bisweilen tödlich verlaufenden Reaktionen des Immunsystems und Kreislaufes (anaphylaktischer Schock), ohne dass ihre Kreislaufregulation dadurch gestört wird. Damit ist der Weg bereitet für die Entwicklung von neuen Medikamenten zur Behandlung und Vorbeugung des allergischen Schocks.

Die Arbeit von Professor Dr. Stefan Offermanns, Ärztlicher Direktor des Instituts für Pharmakologie an der Universität Heidelberg, und seiner Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Kollegen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg sowie der Universität Frankfurt und am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim ist online in der Zeitschrift "The Journal of Experimental Medicine" erschienen.

Akute lebensbedrohliche allergische Reaktion

Beim anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine akut lebensbedrohliche allergische Reaktion, die meist durch Arzneimittel, Insektengifte oder andere Allergene ausgelöst wird; ihre Häufigkeit hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Die Zufuhr des Allergens löst bei sensibilisierten Personen die Freisetzung verschiedener Stoffen (Mediatoren) aus Immunzellen im Blut aus. Diese Mediatoren, z.B. Histamin oder Leukotriene, bewirken, dass der Blutdruck dramatisch abfällt, die Körpertemperatur sinkt und Herzrhythmusstörungen, Atembeschwerden sowie akute Reaktionen im Magen und Darm und an der Haut auftreten.

Ihre Kombination führt zum lebensbedrohlichen Krankheitsbild des anaphylaktischen Schocks.

Die Mediatoren entfalten ihre Wirkung über sogenannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die sich auf diversen Körperzellen, u.a. in den Blutgefäßwänden befinden. Sie lösen Signale in den Zellen aus, die wiederum Störungen und die typischen Symptome der anaphylaktischen Reaktion zur Folge haben.

"Im genetischen Mausmodell konnten wir zeigen, dass überraschenderweise die selektive Ausschaltung der für die G-Proteine Gq und G11 kodierenden Gene in den Gefäßwandzellen zu einem Schutz der Tiere gegenüber schwersten anaphylaktischen Reaktionen führt", erklärt Professor Offermanns. Nun steht der Weg offen für die Entwicklung und Testung von Substanzen, die gezielt den auslösenden Mechanismus hemmen können.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stefan Offermanns
Institut für Pharmakologie
Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 366
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54-8246/7
Fax: 06221 / 54-8549
Literatur:
Anaphylactic shock depends on endothelial Gq/G11
Hanna Korhonen, Beate Fisslthaler, Alexandra Moers, Angela Wirth, Daniel Habermehl, Thomas Wieland, Günther Schütz, Nina Wettschureck, Ingrid Fleming, and Stefan Offermanns; Journal of Experimental Medicine JEM published January 26, 2009

Die Veröffentlichung kann angefordert werden unter contact@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
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E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
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