Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzklappen aus Nabelschnurblut-Stammzellen

03.12.2008
Körpereigener Herzklappen- und Gefäßersatz könnte Kindern mit angeborenen Defekten viele Operationen ersparen

Ein signifikanter Anteil von Babys und Kleinkindern mit angeborenen Herzfehlern benötigt eine künstliche Herzklappe, eine Gefäßprothese oder Fremdmaterial zur Rekonstruktion der anatomischen Strukturen.

Hierbei sind vor allem Kinder mit Fallotscher Tetralogie, Klappen- und Gefäßmissbildungen betroffen. Bisher behilft man sich mit fremden Materialien (z.B. Herzklappen oder Gefäßprothesen aus tierischem Gewebe), die jedoch alle mit charakteristischen Komplikationen verbunden sind: Babys und Kleinkinder mit angeborenen Herzfehlern entwickeln sich z.B. sehr schnell, die Klappen wachsen jedoch nicht mit.

Es muss daher mehrfach operiert werden. Aus diesem Grunde sucht man gerade für diese Patientengruppe nach einer "idealen Herzklappe" mit einer lebenslangen Haltbarkeit sowie einem Wachstumspotential und einer Regenerationsfähigkeit vergleichbar mit eigenem biologischem Gewebe.

Eine potenzielle Lösung dieses Problems zeichnet sich in Experimenten der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Bruno Reichart und Oberarzt Priv. Doz. Dr. Ralf Sodian (Herzchirurgische Klinik der LMU am Klinikum Großhadern/Labor für Tissue Engineering) ab. Ihnen ist es gelungen, einen autologen Herzklappenersatz aus humanen Nabelschnur-Stammzellen zu entwickeln. Bei der aktuellen Arbeit, die bei der diesjährigen Jahrestagung der "American Heart Association" in New Orleans viel Aufsehen erregt hat, wurden die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder den Nabelschnurgefäßen gewonnen und die entsprechenden Zellen isoliert.

In der Arbeit von Dr. Sodian wurden die Zellen für ca. 3 Monate eingefroren, anschließend rekultiviert und für das Tissue Engineering einer Herzklappe verwendet. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist es den Forschern gelungen, sowohl vitale als auch funktionsfähige Herzklappenkonstrukte aus den Vorläuferzellen herzustellen.

Das zukünftige Konzept der Herzchirurgischen Klinik am Klinikum Großhadern unter der Leitung von Prof. Reichart (www.herzklinik-muenchen.de) besteht darin, angeborene Herzfehler bereits vor der Geburt durch pränatalen Ultraschall zu erkennen. Die Eltern können sich dann dafür entscheiden, die Nabelschnurblut-Stammzellen ihres Kindes aufbewahren zu lassen. Hier hat die Herzchirurgische Klinik eine Kooperation mit der Nabelschnurblut-Stammzellbank des Universitätsklinikums Erlangen aufgebaut. Mit Hilfe eines Dienstleisters (eticur GmbH) wird das Nabelschnurblut, das ansonsten verworfen wird, direkt nach der Geburt nach Erlangen gebracht und dort aufbereitet, getestet und aufbewahrt. Ziel der Forscher ist es, später mit Hilfe der gewonnenen Nabelschnurzellen einen körpereigenen Herzklappen- bzw. Gefäßersatzersatz für diese Kinder herzustellen und schließlich auch in Großhadern zu implantieren. Um die "maßgeschneiderten" Prothesen bei Kindern oder jungen Erwachsenen auch tatsächlich sicher verwenden zu können, sind noch einige wissenschaftliche Detail- und Zulassungsfragen zu klären. Dieses Projekt wurde bisher vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

Ansprechpartner:
Dr. Bruno Meiser
Dr. Ralf Sodian
Herzchirurgische Klinik, Campus Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel: +49 (0)89 / 7095 3460
E-mail: ralf.sodian@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2007 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.700 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2007 etwa 57 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-muenchen.de
http://www.herzklinik-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten