Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was hat die Fettleber mit der Entstehung von Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen zu tun?

26.02.2013
Tübinger Wissenschaftler propagieren Rolle von Leberhormonen

Weltweit gibt es immer mehr Fälle von Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Dies ist nicht nur ein persönliches Problem der betroffenen Menschen, sondern hat auch großen Einfluss auf die steigenden Kosten im Gesundheitssystem vieler Länder.

Bislang ging man davon aus, dass zunehmendes Übergewicht und die Fettmasse der Bevölkerung hauptsächlich für diese Epidemien verantwortlich sind. In den vergangenen fünf Jahren entdeckten Tübinger Wissenschaftler, dass die Fettleber ebenfalls einen wichtigen Anteil an der Entstehung dieser Erkrankungen hat. Es war aber weitgehend unbekannt auf welche Art und Weise dies geschieht.

Professor Dr. Norbert Stefan, Inhaber der Heisenberg-Professur für klinisch-experimentelle Diabetologie, und sein Forscherteam am Universitätsklinikum Tübingen haben in langjähriger Arbeit Hormone untersucht, die je nachdem, ob der Proband an einer Fettleber leidet oder gesund ist, unterschiedlich stark von der Leber in das Blut ausgeschüttet werden.

Dabei konnten sie deren direkte Rolle bei der Entstehung von Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen nachweisen. In der aktuell im renommierten Journal Nature Reviews Endocrinology erschienenen Übersichtsarbeit**, stellten Stefan und Professor Dr. Hans-Ulrich Häring, Universitätsklinikum Tübingen, ihr neues Konzept zur Rolle spezieller Leberhormone bei der Entstehung dieser Erkrankungen vor.

Dabei zeigen sie auf, wie die verfettete Leber in Analogie zur expandierten Fettgewebsmasse, ihr Sekretionsverhalten ändert und Eiweiße – von den Wissenschaftlern als Hepatokine bezeichnet – in unterschiedlichem Maße in den Blutkreislauf abgibt. Diese Eiweiße erreichen andere Organe und üben dort ihre Wirkung aus. Einen der wichtigsten Vertreter dieser Klasse, das Eiweiß Fetuin-A, haben sie in Zusammenarbeit mit Kollegen am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) beschrieben. Weitere wichtige Hepatokine sind unter anderen das Sex-Hormon-Bindendes Globulin (SHBG) und FGF-21.

Da Fettmasse und Fettgewebs-Hormonkonzentration im Blut nur bedingt das Risiko für Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen vorhersagen, kommt diesem neuen Konzept eine besondere Bedeutung in der Diagnostik zu. „Die Bestimmung von Hepatokinen im Blut kann in Zukunft nicht nur dazu dienen, eine Fettleber früher zu diagnostizieren, sondern auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen, vor allem bei normal- bis leicht übergewichtigen Menschen besser vorherzusagen“, so Professor Stefan. Weitere Studien dazu unternehmen die Tübinger Forscher in Kooperation mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD).

**Titel der Publikation
Stefan N, Häring HU. The role of hepatokines in metabolism. Nat Rev Endocrinol. 2013 Mar;9(3):144-52. doi: 10.1038/nrendo.2012.258. Epub 2013 Jan 22.

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung IV
Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 03 90, Fax 0 70 71 / 29-59 74
norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise