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Mit geistigem Training Alzheimer vorbeugen

31.08.2010
Prof. Harald Hampel publiziert neue Wege zur Alzheimertherapie und -prävention in der Fachzeitschrift Nature

Prof. Dr. Harald Hampel, neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der J.W. Goethe-Universität Frankfurt, stellt in der neuesten Ausgabe des weltweit bedeutenden Journals Nature Reviews Neurology wegweisende Forschungsergebnisse zu geistig-mentaler (kognitiver) Intervention bei Alzheimer-Demenz (AD) vor.

Der zu den international führenden Alzheimerforschern gehörende Frankfurter Wissenschaftler betont, dass die Ergebnisse bisheriger Studien von sehr großer klinischer Bedeutung seien. Gezielte kognitive Stimulation und Therapie könnten zukünftig eine wesentliche Rolle bei der Prävention und Behandlung der AD spielen. Bisher beschränkten sich die Behandlungsmöglichkeiten bei AD und leichten kognitiven Störungen nur auf symptomatische und medikamentöse Therapien.

Über eine Million Patienten leidet in Deutschland an AD, was sie zur häufigsten neurodegenerativen Erkrankung macht. Im Jahr 2009 wurden die weltweiten volkswirtschaftlichen Kosten mit 422 Milliarden US-Dollar beziffert. Wegen der steigenden Lebenserwartung wird mit einer weltweiten Erhöhung der Krankenzahl von 35 Millionen heute auf 115 Millionen im Jahr 2050 gerechnet. Könnte der Krankheitsbeginn der AD zum Beispiel durch eine gezielte Intervention und Behandlung bei Menschen mit frühesten klinischen Symptomen verzögert werden, so könnte dies die Häufigkeit des Auftretens der Erkrankung in der Bevölkerung (Prävalenz) substantiell verringern und damit dringend notwendige persönliche, soziale, gesellschaftliche und ökonomische Entlastungen bewirken.

Kognitive Intervention gilt als wichtiger Baustein bei der nicht-medikamentösen Behandlung der AD und wird als sinnvolle Interventionsmaßnahme im Katalog der nicht-medikamentösen therapeutischen Ansätze verschiedener Fachgesellschaften aufgeführt (z.B. NICE-guidelines, Großbritannien, S3-Leitlinien der DGPPN/DGN, Deutschland). Bei dem kürzlich abgehaltenen Welt-Alzheimer-Kongress im Juli auf Hawaii gehörten gerade die vielversprechenden Daten zur Bedeutung kognitiver Interventionen zu den Hauptergebnissen. Die Resultate einer zunehmenden Vielzahl von Studien zeigen dabei, dass Betroffene mit AD von speziell entwickelten kognitiven Interventionsprogrammen deutlich profitieren können und dass diese Gewinne mit substantiellen biologisch fassbaren Veränderungen im Gehirn assoziiert sind. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass eine Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen bei der Verbesserung schwerwiegender klinischer Symptome, wie zum Beispiel der Denk- und Gedächtnisstörung, mehr bewirken kann, als eine therapeutische Maßnahme allein. Strukturelle und funktionelle Bildgebungsstudien tragen dabei wesentlich dazu bei, unser Wissen über neurobiologische Ursachen des normalen Gehirnalterungsprozesses, mit spezifischen Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit sowie spezifisch krankheitsrelevanter neurodegenerativer Veränderungen, die der AD zu Grunde liegen, zu unterscheiden und zu verstehen. Diese von der Weltszene der Alzheimerforscher mit Spannung erwarteten, vielversprechenden Forschungsergebnisse, die gerade federführend durch das Forscherteam von Prof. Hampel am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt erarbeitet werden, bereiten mithilfe modernster Bildgebungstechnik den Weg zur Etablierung des Einsatzes kognitiver und anderer Therapieverfahren zur Prävention und Therapie von Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen, insbesondere bei der gesellschaftlich immens bedeutsamen AD. Allerdings ist die Überprüfung von kognitiven Interventionseffekten mittels neurobiologischer Maßnahmen bisher noch nicht ausreichend erforscht. Gerade deshalb wird dies aktuell in umfangreichen Studien der Frankfurter Wissenschaftler und Psychiater nachgeholt. An diesen attraktiven Studienprogrammen können Interessierte jüngere und ältere gesunde und kranke Menschen teilnehmen (siehe Kontaktinformation zur Gedächtnissprechstunde). In weiteren Studien ist festzustellen, wie die kognitive Intervention wichtige spezifische Gehirnnetzwerke von Nervenzellen verändert – sowohl bei Menschen mit leichter kognitiver Störung, als auch bei Betroffenen mit fortgeschrittener AD.

Die aktuelle Publikation in der renommierten Fachzeitschrift Nature, die international auf ein breites positives Echo in der Fachwelt stößt, gibt einen ersten umfassenden Überblick über die Bedeutung des Einsatzes kognitiver Interventionsmaßnahmen bei gesunden älteren Menschen sowie bei Betroffenen mit leichter kognitiver Störung (zum Beispiel Gedächtnisstörung), Demenz und manifester AD. Außerdem werden aktuelle Ergebnisse hinsichtlich des Wirksamkeitsnachweises dieser therapeutischen Ansätze zusammengefasst. Abschließend werden konkrete Empfehlungen für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen zu kognitiver Intervention bei AD formuliert sowie mögliche Effekte dieses Ansatzes auf den Krankheitsverlauf erläutert.

Somit führen die Frankfurter Wissenschaftler um Prof. Hampel die internationale Entwicklung neuer vielversprechender Therapiemaßnahmen gegen die AD an. Die von der Wissenschaft mit großem Interesse erwartete Arbeit zu den innovativen Behandlungsansätzen entstand in enger Zusammenarbeit mit der Dipl.- Psychogerontologin Verena Buschert vom Alzheimer Gedächtniszentrum der Klinik und Poliklinik der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München und Dr. Arun Bokde vom Trinity College Institute of Neuroscience, University of Dublin, Irland.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Harald Hampel
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon (0 69) 63 01 – 63 73
Fax (0 69) 63 01 – 87 30 3
E-Mail harald.hampel@med.uni-frankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon (0 69) 63 01 – 77 64
Fax (0 69) 63 01 – 83 22 2
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Johannes Eisenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de
http://www.psychiatrie.uni-frankfurt.de

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