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Fettqualität beeinflusst Blutzuckerspiegel, körperliche Aktivität und Gehirnaktivität

16.04.2012
Auch das Gehirn mag gutes Fett
Der Konsum von tierischen Fetten kann die Gehirnfunktion und den Schlaf verändern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. Danach führt eine gesteigerte Aufnahme von Milchfett zu erhöhten Blutzuckerwerten, einer verminderten Gehirnaktivität und weniger Bewegung. Dies ist bei einer vergleichbaren Aufnahme von Rapsöl, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist, nicht der Fall. Die Forscher weisen darauf hin, dass Fette, die einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren enthalten, das Diabetesrisiko erhöhen und die Hirnleistung reduzieren.

Die gute Verfügbarkeit von Lebensmitteln mit einer hohen Energiedichte wird heute - zusammen mit körperlicher Inaktivität - als eine der Hauptursachen für Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 angesehen. Diese Erkrankungen stellen für das Gesundheitssystem eine große Herausforderung dar. Neben der Gesamtfettaufnahme wird der Fettqualität eine entscheidende Rolle beigemessen.

In der Arbeitsgruppe von Privatdozentin Dr. Anita Hennige von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans-Ulrich Häring) wurde in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. untersucht, wie sich eine kaloriengleiche Aufnahme von Rapsöl oder Milchfett auf den Blutzuckerspiegel, die körperliche Aktivität sowie die Aktivität des Gehirns und das Schlafverhalten auswirkt.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht handelt es sich bei Rapsöl um ein äußerst wertvolles Speiseöl, da es einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren enthält und besonders arm an gesättigten Fettsäuren ist. Milchfett, ein tierisches Fett, besteht zum größten Teil aus gesättigten Fettsäuren, Hauptbestandteil ist hier Palmitinsäure.

Ernährungswissenschaftlerin Dr. Tina Sartorius konnte in Mäusestudien nachweisen, dass zu viel gesättigte Fettsäuren in der Nahrung zu erhöhten Blutzuckerwerten und einer verschlechterten Insulinwirkung in Gehirn führen und stellt fest: „Diese übergewichtigen Mäuse zeigen ein reduziertes Bewegungsverhalten, eine Beeinträchtigung der Gehirnaktivität und ein verändertes Schlafmuster. Dahingegen führen ungesättigte Fettsäuren zu keinen Veränderungen im Blutzuckerprofil obwohl auch diese Mäuse übergewichtig sind. Sie bleiben dennoch körperlich aktiv und haben keinen gestörten Schlaf.“

Auch beim Menschen konnte das Forscherteam ähnliche Effekte nachweisen. Obwohl die Probanden nach einer 3-monatigen Aufnahme von Yoghurt, der mit Milchfett oder Rapsöl angereichert war, keine Veränderungen im Körpergewicht oder Blutzucker zeigten, war die Gehirnaktivität bei denen, die vermehrt gesättigte Fettsäuren gegessen haben, reduziert.
Dies betrifft vor allem Gehirnregionen, die für das Sättigungsgefühl, das Gedächtnis und das Bewegungsverhalten verantwortlich sind. Zusammenfassend, so Hennige, kann man sagen, dass zu viel Fett in der Nahrung immer zu Übergewicht führt. Allerdings, so die Expertin, wirken sich nur gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Fetten enthalten sind, negativ auf den Blutzucker, die Gehirnaktivität und die körperliche Bewegung aus, was dann zu einer weiteren Gewichtszunahme führt.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden aktuell in der Fachzeitschrift der Amerikanischen Diabetesgesellschaft „Diabetes“ publiziert.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, Angiologie, Nephrologie und Klinische Chemie
Priv. Doz. Dr. med. Anita M. Hennige
Tel. 07071/ 29-8 05 97 (Büro), 07071/29-8 27 11 (über Pforte)
Anita.Hennige@med.uni-tuebingen.de

Titel der Original-Publikation:
Tina Sartorius, Caroline Ketterer, Stephanie Kullmann, Michelle Balzer, Carola Rotermund, Sonja Binder, Manfred Hallschmid, Jürgen Machann, Fritz Schick, Veronika Somoza, Hubert Preissl, Andreas Fritsche, Hans-Ulrich Häring, and Anita M. Hennige: „Monounsaturated Fatty Acids Prevent the Aversive Effects of Obesity on Locomotion, Brain Activity, and Sleep Behavior.“ Diabetes 61:1–11, 2012, in press.

DOI: 10.2337/db11-1521

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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