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3 Jahre IQWiG: Produktiver Start im Gegenwind

08.11.2007
Institut zieht zum Jubiläum positive Bilanz / Zusätzliche Stellungnahme-Runden verzögern Abschluss der Berichte / Kosten-Nutzen-Bewertung ist Herausforderung des kommenden Jahres

Rund zwei Dutzend umfassende Nutzenbewertungen hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seit seiner Gründung vorgelegt und die Auftragspipeline ist gut gefüllt: Etwa 10 weitere Abschlussberichte sollen im ersten Halbjahr 2008 folgen. Bei einer Pressekonferenz anlässlich des dreijährigen Jubiläums zog IQWiG-Leiter Prof. Dr. Peter T. Sawicki am 8. November in Berlin eine positive Bilanz. Auch für künftige Herausforderungen sieht er das Institut gut gerüstet.

"Es ist uns geglückt, eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen, Methoden und Abläufe zu entwickeln und zu erproben und gleichzeitig eine beachtliche Zahl von Aufträgen abzuschließen, deren Schlussfolgerungen wir bislang in keinem einzigen Punkt revidieren mussten", erklärt Sawicki. "Das zeigt, dass das Institut stabil und auf hohem internationalem Qualitätsniveau arbeitet - allen zum Teil heftigen und unsachlichen öffentlichen Angriffen zum Trotz, denen wir hierzulande ausgesetzt sind. Lob bekommen wir dafür aus dem Ausland."

Mehrzahl der Aufträge betreffen Arzneimittel

nsgesamt 26 Abschlussberichte, 31 Vorberichte und 60 Berichtspläne hat das IQWiG bis dato vorgelegt. In Auftrag gegeben wurden sie zumeist vom Gemeinsamen Bundes-ausschuss (G-BA). Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat bislang erst einmal von seiner Möglichkeit Gebrauch gemacht, beim IQWiG ein Gutachten anzufordern. 40 % der Aufträge haben Arzneimittel zum Thema, bei 37 % geht es um nichtmedikamentöse Verfahren. Die übrigen haben u.a. Leitlinien und Disease Management Programme (DMP) oder Mindestmengen zum Thema.

Verfahren sind zeitaufwändiger als erwartet

Die Bearbeitungszeit variiert stark: Zwischen 9 und 24 Monaten haben die IQWiG-Wissenschaftler bislang gebraucht, um Berichte vom Typ "Nutzenbewertung" abzuschließen. Ein Kennzeichen dieses Berichtstyps ist, dass mehrfach aufwendige externe Stellungnahme-verfahren durchlaufen werden. Andere Berichtsformen, wie Rapid Reports, nehmen deutlich weniger Zeit in Anspruch. "Wir waren anfangs von einer deutlich kürzeren Bearbeitungs-dauer ausgegangen. Weniger als durchschnittlich 15 Monate sind unter den aktuellen Bedingungen aber nicht realistisch", konstatiert der Institutsleiter rückblickend.

Rechtssicherheit erfordert zusätzliche administrative Schleifen

Sechs Monate sind allein für die fristwahrende Durchführung der Stellungnahmeverfahren einzukalkulieren. Bis zum Dezember 2006 hatte das IQWiG pro Auftrag nur einmal Stellungnahmen eingeholt. Seither gibt es zwei getrennte Durchgänge für die berichtsspezifische Methodik (Berichtsplan) und für die vorläufigen Ergebnisse (Vorbericht), was das Prozedere deutlich verlängert.

Ursprünglich sollte die zweite Stellungnahmephase nur Projekte betreffen, die nach Publikation des Methodenpapiers 2.0 im Dezember 2006 neu gestartet waren. Nachdem die Pflicht zu zwei getrennten Stellungnahmen auch im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) verankert wurde, änderte sich allerdings die Rechtslage. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem G-BA, dem BMG und dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) führte das IQWiG auch für einige bereits weit fortgeschrittene Nutzenbewertungen nachträglich zusätzliche Stellungnahmeverfahren durch.

Dies verzögerte den Abschluss dieser Projekte um mehrere Monate. "Diese administrativen Extra-Schleifen dienen allein der Rechtssicherheit. Einen zusätzlichen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bringen sie erfahrungsgemäß nicht", erläutert Peter Sawicki. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahmen holt das IQWiG ohnehin für alle Produkte Gutachten von externen Experten ein.

Suche nach externen Sachverständigen ist schwierig

Ein Prinzip des IQWiG besteht darin, Aufträge in der Regel in Kooperation mit Wissenschaftlern und Medizinern von Universitäten oder anderen Instituten zu bearbeiten. Verzögerungen entstehen im IQWiG auch, weil es zuweilen an solchen externen Sachverständigen mangelt: "Wer umstrittene Themen für das IQWiG bearbeitet, der riskiert im Extremfall seine Karriere", sagt Sawicki. Ein Wissenschaftler sah sich im vergangenen Jahr gezwungen, seine Zusammenarbeit mit dem Institut wieder aufzukündigen, nachdem ihn Fachkollegen unter Druck gesetzt hatten.

Um maximale Transparenz zu sichern, hat das Institut bislang die Namen aller externen Sachverständigen veröffentlicht. "Wenn wir sie schützen wollen, werden wir das so nicht fortführen können", erklärt der Instituts-Chef. "Sollten unsere externen Sachverständigen selbst oder der Auftraggeber es wünschen, werden wir künftig ihre Namen nicht mehr publizieren."

Haushaltsplan sieht für 2008 insgesamt 85,5 Stellen vor

Auf 89 Mitarbeiter (85,5 Stellen) wird das IQWiG im Laufe des kommenden Jahres wachsen, wenn der Stiftungsrat den vorbereiteten Haushalt am 9. November verabschiedet. Für dieses Personal, für externe Sachverständige sowie für sämtliche Sachkosten sollen knapp 15 Mio. € zur Verfügung stehen. "Damit sind wir für die künftigen Aufgaben gut gerüstet", sagt Peter Sawicki. Neue Stellen will die Institutsleitung vor allem auf der Sachbearbeiter-Ebene schaffen. Sie sollen die Wissenschaftler von den wachsenden administrativen Aufgaben entlasten und so eine effizientere Auftragsbearbeitung ermöglichen.

"Gesundfuchs" soll 2008 kräftig wachse

Die IQWiG-Website für Bürger und Patienten www.gesundheitsinformation.de, der so genannte Gesundfuchs, soll 2008 mit neuen Inhalten gefüllt werden. Bis Ende des Jahres sollen dort Informationen zu mehreren Hundert medizinischen Fragen zu finden sein: von A wie "Augen" bis Z wie "Zähne". "Bis 2012 wollen wir die Website zu einem umfassenden Nachschlagewerk ausbauen", so das ehrgeizige Ziel des Institutsleiters.

Um die große Menge neuer Informationen zu erarbeiten und auf Dauer aktuell halten zu können, hat das verantwortliche Ressort internationale Kooperationen aufgebaut: Das englische "Center for Review and Dissemination" und die Universität Oxford gehören ebenso dazu wie die finnische "EBM Guidelines"-Organisation und die französische "Haute Autorité de Santé". Nachdem der nationale britische Gesundheitsdienst NHS bereits die englischsprachige Ausgabe des "Gesundfuchses" übernommen hat, verhandelt das IQWiG derzeit mit weiteren europäischen Ländern, die die Inhalte übersetzen und dann auf eigenen Websites publizieren wollen.

Methodenentwurf für Kosten-Nutzen-Bewertung kommt Ende Januar 2008

Zu den Herausforderungen des kommenden Jahres gehört zweifellos auch die Methodik der Kosten-Nutzen-Bewertung: Wie das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen dargestellt werden kann, will das Institut Ende Januar in einem eigenen Entwurf darlegen. Erstellt wird dieser Entwurf auf Grundlage einer Expertise, die eine internationale Gruppe von Gesundheitsökonomen für das IQWiG erarbeitet hat. "So stellen wir sicher, dass unser Papier den internationalen Standards entspricht", erklärt Peter Sawicki. Nach der Veröffentlichung des Entwurfs soll das Konzept auf breiter nationaler Ebene eingehend diskutiert werden, bevor es verbindliche Grundlage der Institutsarbeit wird. Derzeit werden auch die Allgemeinen Methoden des Instituts aktualisiert. Ein Entwurf der überarbeiteten Version 3.0 der Allgemeinen Methoden (ohne Kosten-Nutzen-Bewertung) soll Mitte November publiziert werden.

Wechsel in den Gremien und Organen der Stiftung steht bevor

Mit Spannung blickt man beim IQWiG auch auf die unmittelbar bevorstehende Reorganisation des G-BA und den Aufbau des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (SpiBu). Vertreter des SpiBu werden künftig die Plätze der kassenartspezifischen Spitzenverbände in den Gremien und Organen der IQWiG-Stiftung einnehmen. Diese sind für die Institutsarbeit von großer Bedeutung, weil sie unter anderem den Haushalt aufstellen und verabschieden. Sawicki: "Wir hoffen, dass die Gremien ihre Arbeitsfähigkeit trotz der Umstrukturierung behalten und wir auch im kommenden Jahr Planungssicherheit haben werden."

Dr. Anna-Sabine Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

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