Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Brustkrebstherapie auf dem Prüfstand

27.09.2007
Jährlich erkranken etwa 55.000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs, 18.000 sterben daran. Die Heilungschance liegt bei über 90 Prozent, wenn der Tumor im Frühstadium erkannt wird und in der Regel durch eine Operation und anschließende Strahlentherapie vernichtet wird. Ergänzend kann eine Chemo- und/oder Hormontherapie notwendig sein.

In der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen wird seit zwei Jahren im Rahmen einer europaweiten Studie eine neuartige Bestrahlungsmethode (Teilbrust-Bestrahlung) bei Brustkrebs nach einer Brustkrebsoperation untersucht.

"Die Ergebnisse von bisherigen Untersuchungen zur Teilbrustbestrahlung lassen vermuten, dass bei Frauen mit Brustkrebs und einem geringen Rückfall-Risiko nach der Operation nicht mehr die gesamte Brust in Intervallen über sechs bis sieben Wochen bestrahlt werden muss, sondern, dass möglicherweise die Bestrahlung eines Teils der Brust in einer Behandlungszeit von drei bis fünf Tagen ausreicht", sagte Prof. Dr. Vratislav Strnad, Studienleiter und Leiter des Bereichs "Operative Strahlentherapie" an der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen jetzt bei einem Kongress für Strahlenmediziner in Rothenburg. Sollten sich die bisherigen Ergebnisse durch die aktuelle europaweite Studie weiterhin bestätigen, könnte die Behandlungsdauer künftig deutlich reduziert und möglicherweise auch Nebenwirkungen verringert werden.

Bis zum Abschluss der Studie in sieben Jahren soll der Krankheitsverlauf von knapp 1.300 Patientinnen beobachtet werden. Bislang konnten 800 Patientinnen in zwölf Krebs-Zentren in Europa in die Studie einbezogen werden. Die Studie, die von der Deutschen Krebshilfe mit 800.000 Euro gefördert wird, wird von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Erlangen geleitet und koordiniert.

Bei Brachytherapie reicht Behandlungszeit von fünf Tagen aus
Viele Brustkrebs-Patientinnen werden heute brusterhaltend operiert. Anschließend wird die verbliebene Brustdrüse einschließlich der darunter liegenden Brustwand bestrahlt. Dadurch werden diejenigen Krebszellen vernichtet, die operativ nicht entfernt werden konnten. Die Bestrahlung erfolgt in mehreren Intervallen über sechs bis sieben Wochen. Als Folge kann es zu vorübergehenden Hautveränderungen kommen. "Im Gegensatz dazu wird die Strahlenquelle bei der Teilbrustbestrahlung mittels dünner Plastik-Katheter direkt in die operierte Region der Brust eingebracht", erklärt Professor Strnad. "Bei dieser so genannten Brachytherapie reicht eine Behandlungszeit von maximal fünf Tagen aus." Außerdem seien die Nebenwirkungen dieser Methode geringer als bei der konventionellen Strahlentherapie.

"Eine Teilbestrahlung der Brust kommt jedoch nur für Patientinnen in Frage, die ein geringes Rückfall-Risiko haben", betont der Strahlentherapeut. Dazu zählen zum einen ältere Betroffene mit Brustkrebsvorstufen - so genannten duktalen in-situ Karzinomen - zum anderen Frauen, bei denen der Tumor kleiner als drei Zentimeter ist, die günstige biologische Prognosemarker haben, deren Lymphsystem noch nicht befallen ist und die älter als 40 Jahre sind. Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Therapiestudie werden das Rückfall-Risiko und die Verträglichkeit von Teil- und Ganzbrustbestrahlung miteinander verglichen. "Die Studie hinterfragt die Standardtherapie einer der häufigsten Krebserkrankungen und definiert sie möglicherweise neu", so Professor Strnad.

Das Studienprotokoll wurde gemeinsam von Wissenschaftlern der Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rolf Sauer) und der Frauenklinik (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) am Universitätsklinikum Erlangen in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Informatik der Uni Erlangen-Nürnberg und dem National Institute of Oncology in Budapest entwickelt. Es basiert auf einer Vorstudie (Phase-II-Studie), die hier an 274 Patientinnen durchgeführt wurde. "Die Ergebnisse dieser vorangegangenen Studie bestätigen vorläufige Erkenntnisse aus den USA, wonach sehr wahrscheinlich bei einer bestimmten Patientinnen-Gruppe auf eine herkömmliche Strahlentherapie der gesamten Brust verzichtet werden kann", erläutert Professor Strnad. "Wir erwarten daher eine sehr niedrige Rückfall-Rate, die der gleichen Wahrscheinlichkeit entspricht wie bei der konventionellen Bestrahlung der ganzen Brustdrüse."

An der aktuell geförderten Studie sollen 1170 Frauen teilnehmen. Die Patientinnen werden dabei von einem Computer per Zufall einer der beiden Behandlungsformen der Studie zugeteilt: Sie erhalten entweder eine Teilbrustbestrahlung über die Dauer von bis zu fünf Tagen oder eine konventionelle Ganzbrustbestrahlung über einen Behandlungszeitraum von sechs bis sieben Wochen. In den anschließenden fünf Jahren werden regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen in der jeweiligen Strahlenklinik von geschulten Spezialisten durchgeführt. Die Deutsche Krebshilfe fördert diese so genannte Phase-III-Studie für neun Jahre. Neben dem Universitätsklinikum Erlangen sind an dieser Therapiestudie elf weitere Strahlenkliniken in Deutschland und Europa beteiligt. Weitere Informationen für Patientinnen: Tumorzentrum Erlangen-Nürnberg, Tel.: 09131/85-39000, Universitäts-Brustzentrum Erlangen, Tel.: 09131/85-33500

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.600 Studierenden, 83 Instituten, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften.

Weitere Informationen für die Medien:
Johannes Eissing
Pressestelle Uniklinikum
Tel.: 09131 / 85-36102
presse@uk-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer 3D Portrayal Service Standard veröffentlicht

20.02.2018 | Informationstechnologie

Die GFOS stellt auf der HMI aus: Mit gfos.MES in Richtung Industrie 4.0

20.02.2018 | HANNOVER MESSE

ZUKUNFT PERSONAL SÜD & NORD: Workforce Management - der Mensch im Mittelpunkt der zukünftigen Arbeitswelt

20.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics