Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heparinkonzentration in wenigen Minuten messen

30.08.2007
Verfahren der Frankfurter Biophysiker reif für Test in der Herzchirurgie

Am Institut für Biophysik der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt haben Forscher ein Verfahren entwickelt, mit dem aus einer Blutprobe schnell und direkt die Konzentration von Heparin bestimmt werden kann.

Heparin wird in verschiedenen Formen seit vielen Jahren zur Senkung der Blutgerinnung eingesetzt und bei Operationen oder zur Thromboseprophylaxe verwendet. Die Dosierung basiert bisher nur auf dem Körpergewicht des Patienten und berücksichtigt nicht seine individuelle Reaktion. Auch die oft verwendete Messung der Blutgerinnungszeit ergibt nur einen indirekten Hinweis auf die Heparinmenge, so dass bei Operationen oft innere Blutungen oder die Bildung von Blutgerinnseln als Folge einer Über- beziehungsweise Unterdosierung auftreten.

Eine direkte Bestimmung der Heparinkonzentration war bisher nur mit beträchtlichem Aufwand im Labor möglich und wird daher in der klinischen Routineanalyse nicht praktiziert.

Die Frankfurter Forscher nutzen zum Nachweis des Heparins die Tatsache, dass es fest an das Gegenmittel Protamin bindet, mit dem üblicherweise nach einer Operation die normale Blutgerinnung wiederhergestellt wird. Sie konnten zeigen, dass Heparin und Protamin zusammen Nanopartikel bilden, deren Menge ein Maß für die vorhandene Heparinmenge ist.

Zur genauen Bestimmung der Menge dieser Nanopartikel entwickelten sie in ihrem Labor eine optische Methode, mit der über Lichtstreuung bei mehreren Winkeln die Partikelmenge und damit die Heparinkonzentration bestimmt werden kann. Die Empfindlichkeit des Verfahrens reicht aus, um schon kleine Heparindosen, wie sie beispielsweise zur Thromboseprophylaxe gegeben werden, zu bestimmen. Auf der anderen Seite können auch die sehr hohen Heparinkonzentrationen bei größeren Eingriffen, etwa bei Herzoperationen, genau erfasst werden.

Für das Verfahren wird nur eine kleine Menge Blut entnommen. Das Blutplasma wird dann mit einem Überschuss des Heparin-Gegenmittels Protamin vermischt. Die Partikelbildung lässt sich mit dem Lichtstreumessgerät verfolgen und ist nach wenigen Minuten abgeschlossen, so dass der Meßwert abgelesen werden kann.

Im Test mit Blutproben von bekannter Heparinkonzentration erzielten die Wissenschaftler um Prof. Dr. Werner Mäntele eine sehr gute Genauigkeit. Im nächsten Schritt werden sie die Methode an einem großen Herzzentrum erproben. Dazu wird im Verlauf von Bypassoperationen regelmäßig die Heparinkonzentration gemessen und mit den parallel dazu bestimmten Blutgerinnungswerten verglichen. Ein kompaktes Gerät für diesen Zweck hat die Arbeitsgruppe bereits entwickelt. Die Forscher sind zuversichtlich, dass diese neue und unkomplizierte Methode bald routinemäßig in der Klinik eingesetzt werden kann und eine präzisere Kontrolle der Blutgerinnung ermöglichen wird.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Werner Mäntele, Dr. Vitali Vogel, Dipl.-Phys. Cathleen Häse
Institut für Biophysik, Max-von-Laue-Straße 1, 60438 Frankfurt
Tel. 069-798-46410, E-Mail: maentele@biophysik.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: Blutgerinnung Heparin Heparinkonzentration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie