Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Richtlinien zur Bildschirmarbeit auf dem Prüfstand

14.11.2006
Prof. Dr. Dieter Lorenz, Arbeitswissenschaftler am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der FH Gießen-Friedberg, ist damit beauftragt worden, die nationale Umsetzung der Bildschirmarbeitsrichtlinie in Deutschland zu untersuchen. Bei der auf neun Monate angelegten Evaluation arbeitet er mit der TNS Infratest Sozialforschung zusammen.

Auftraggeber des Projekts ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer europäischen Fachkonferenz im Juni 2007 vorgestellt und im Vergleich mit den Evaluationsresultaten anderer EU-Mitgliedsstaaten diskutiert.

Die EU-Richtlinie "Arbeit an Bildschirmgeräten" wurde 1996 in Deutschland mit der "Bildschirmarbeitsverordnung" in nationales Recht überführt. Seitdem ist die Arbeit an Bildschirmgeräten gesetzlich geregelt. Zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes wird nun die EU-Richtlinie europaweit überprüft. Dieses Regelwerk datiert aus dem Jahr 1990 und basiert auf Bestandsaufnahmen und Erkenntnissen, die aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre stammen. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten hat sich aber die Nutzung von Bildschirmgeräten gravierend verändert.

So ist die Zahl der mit Bildschirmen ausgestatten Arbeitsplätze von 3 Prozent (1985) auf einen Anteil angestiegen, der heute rund zwei Drittel aller Erwerbstätigen betrifft. Bildschirmarbeit ist nicht nur in klassischen Büroberufen Standard, sondern hat z.B. auch in der Produktion oder im Klinikbetrieb ihren festen Platz. Die Nutzung von mobilen Systemen nimmt zu. Auch die technischen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten 20 Jahren enorm gewandelt: manche Bestimmungen der Richtlinie (z.B. Flimmerfreiheit und Strahlung) sind heute nicht mehr zeitgemäß.

Gemeinsam mit dem Partnerinstitut wird der Gießener Arbeitswissenschaftler untersuchen, wie die deutsche Verordnung in den Unternehmen und von den Beschäftigten aufgenommen wurde. Darüber hinaus geht es darum zu ermitteln, ob und in welchen Punkten die Richtlinie überarbeitet werden muss. Prof. Lorenz kann dabei auf seine Erfahrungen aus früheren Projekten zurückgreifen. So hat ein von ihm geleitetes Team im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Jahr 2005 rund 130 Bildschirmarbeitsplätze an medizinischen Großgeräten untersucht. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass in einer Vielzahl der überprüften Fälle die arbeitswissenschaftlichen Anforderungen nicht erfüllt sind. Als Reaktion darauf legte das Forschungsteam nicht nur eine repräsentative Beschreibung des Ist-Zustands vor, sondern gab den Verantwortlichen in Kliniken und Praxen auch umfassende Empfehlungen und Beispiele zur Gestaltung an die Hand.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-friedberg.de/fachbereiche/suk/suk/team.html

Weitere Berichte zu: Bildschirmarbeit EU-Richtlinie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie