Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Tumortherapie-Zentrum in München

22.11.2001


Interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert Heilungschancen

Mit 890.000 Mark unterstützt die Deutsche Krebshilfe an der Technischen Universität München die Gründung eines interdisziplinären Tumortherapie-Zentrums. Mit modernster Kommunikationstechnik wollen Ärzte verschiedenster Fachrichtungen gemeinsam individuelle Behandlungskonzepte für ihre Krebspatienten entwickeln. Kernstück ist eine tägliche Tumor-Board-Konferenz, eine Konsiliarrunde, bei der Patientenbefunde zusammengeführt und diskutiert werden. Bereiche wie die Psycho-Onkologie, Schmerztherapie und Palliativmedizin sollen organisatorisch fest in die klinischen Abläufe integriert werden.

"Es kann nicht angehen, dass die Behandlung eines Krebspatienten immer noch Ermessenssache eines einzelnen Arztes ist", sagte Frau Professor Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, im Rahmen einer Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Tumortherapie-Zentrums am 22. November 2001 in München am Klinikum rechts der Isar. Auch Professor Dr. Dr. h.c. Robert Fischer, Vorsitzender des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe, betonte die Notwendigkeit einer engen und gut organisierten interdisziplinären Zusammenarbeit, um bestmögliche Heilungschancen für Krebspatienten zu ermöglichen: "Eine Krebserkrankung darf nicht aus dem spezifischen Blickwinkel einer einzelnen Fachdisziplin heraus betrachtet werden, sondern die Onkologie ist als ein Querschnittsfach zu begreifen".

Von der Förderung des Modellprojektes "Cancer Center" an der Technischen Universität München verspricht sich die Deutsche Krebshilfe eine wesentliche Verbesserung in der Qualität der Behandlung und der Versorgung von Tumorpatienten. "Die forschungsfreundlichen Koordinierungs- und Betreuungsstrukturen, die wir schaffen wollen, bieten darüber hinaus beste Voraussetzungen für klinische Studien sowie die schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen", sagte Professor Dr. Rüdiger Siewert, Initiator des Projektes und Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar in München. Dadurch könne ein spürbarer Fortschritt in der Krebsbekämpfung erreicht werden.
Kernstück des interdisziplinären Tumortherapie-Zentrums ist die tägliche "Tumor-Board-Konferenz", bei der Patientenbefunde und Untersuchungsergebnisse zusammengeführt und von den beteiligten Fachvertretern diskutiert werden. Gemeinsam entwickeln die Ärzte dann ein individuelles Behandlungskonzept, das in Form einer elektronischen Patientenakte auf allen Stationen abrufbar ist. Zusammenführung von Fachkompetenz und modernste Kommunikationstechnik sollen es ermöglichen, Synergie-Effekte zu nutzen und Wege kurz zu halten. "Ich hoffe, dass alle Beteiligten dabei den betroffenen Menschen niemals aus dem Blickfeld verlieren. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit muss der Patient stehen mit all seinen Bedürfnissen und Erwartungen - und nicht der Krebs", sagte Frau Professor Schipanski.

Die Deutsche Krebshilfe hat daher bereits 1976 nach dem Vorbild der amerikanischen Comprehensive Cancer Centers die Gründung der ersten vier Tumorzentren in Essen, Hamburg, Köln und München mit initiiert. Damit schuf sie eine grundlegende und wesentliche Voraussetzung für eine deutlich bessere Versorgung von Tumorpatienten: ein organisiertes Verbundsystem zwischen Universitätskliniken, den Krankenhäusern der Region sowie den niedergelassenen Ärzten. Ab 1982 übernahm der Bund die Finanzierung der Tumorzentren und baute in den Folgejahren zahlreiche vergleichbare Einrichtungen auf. Heute gibt es allein in Deutschland rund 50 Tumorzentren.

Und doch werden immer wieder Stimmen laut, die beklagen, dass die Tumorzentren in ihrer jetzigen Form ohne Zukunft seien: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sei vielerorts noch nicht weitreichend und strukturiert genug. Um die Effizienz und die Qualität der Tumorzentren zu prüfen, evaluiert die Deutsche Krebshilfe gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren die bisherige Arbeit der Tumorzentren. "Es wird untersucht, ob diese tatsächlich wie ursprünglich beabsichtigt die Garanten einer qualitativ hochstehenden Versorgung von Krebspatienten darstellen. Anhand der Bestandsaufnahme sollen weitere Überlegungen zur Neuorientierung der Tumorzentren angestellt werden", so Professor Fischer.

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Krebspatient Tumortherapie-Zentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie