Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Behandlungsmöglichkeiten für Blutkrebs

27.02.2006


Bessere Therapiemöglichkeiten durch Einteilung in Risikogruppen


Bei MM vermehren sich bösartig veränderte Plasmazellen im Knochenmark



Wissenschaftlern der Klinischen Abteilung für Onkologie der Univ.-Klinik für Innere Medizin in Wien ist es gelungen, verschiedene Risikokategorien für die Behandlung des multiplen Myeloms (MM) zu unterscheiden. MM ist die zweithäufigste Form von Blutkrebs und geht von Zellen des Knochenmarks aus. In Europa sind mehr als 31.000 Menschen von der Krankheit betroffen. Die meisten Patienten sind über 60 Jahre alt, weniger als drei Prozent der Erkrankten sind jünger als 40 Jahre. Für die Krankheit gibt es keine Heilung, die mittlere Lebenserwartung liegt zwischen drei und vier Jahren. In letzter Zeit wurden die Behandlungsmöglichkeiten jedoch durch eine Reihe wichtiger Innovationen erweitert. Überlebensdauer und Lebensqualität können durch die neue Therapiemöglichkeiten gesteigert werden.



Mit Hilfe zytogenetischer Methoden, bei denen Veränderungen an den Chromosomen nachgewiesen werden, konnten die Wiener Wissenschaftler Patienten mit multiplem Myelom in verschiedene Risikogruppen einteilen. Aufgrund der Einteilung kann der weitere Krankheitsverlauf prognostiziert werden. In klinischen Studien wird nun untersucht, wie das Behandlungsergebnis, vor allem für die Hochrisikogruppe, verbessert werden kann.

Die Behandlungsstrategie beim MM hängt wesentlich vom Alter ab. Bei Patienten, die jünger als 65 Jahre alt sind, wird bisher eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Transplantation von Stammzellen angewandt, ältere Patienten werden mit Chemotherapie und Cortisonpräparaten behandelt. Diese herkömmlichen Therapieformen bergen ein Risiko an Komplikationen und sind für die Erkrankten sehr belastend, da unter anderem ein Katheder in eine Vene des Halsbereichs gelegt werden muss. "Die Erstbehandlung von Patienten mit multiplem Myelom wird sich nun dahingehend ändern, dass die Chemotherapie durch das neue Mittel Thalidomid ersetzt oder mit diesem kombiniert wird", erklärt Johannes Drach von der Klinischen Abteilung für Onkologie in Wien auf Nachfrage von pressetext. "Thalidomid wirkt gezielt auf das umgebende Milieu der bösartigen Zellen." In Kombination mit Cortison ist das neue Mittel gleich effektiv wie der Mix aus Chemotherapie und Cortison. Die Dreifachkombi Thalidomid, Cortison und Chemotherapie ist noch effizienter als alle bisherigen Therapieformen.

"Die Wirksamkeit von Thalidomid beim multiplen Myelom wurde eher zufällig entdeckt. Damit wurde jedoch ein Forschungsboom ausgelöst, der zur gezielten Entwicklung neuer Arzneimittel gegen das MM geführt hat", berichtet Drach. Wichtigste Neuerung neben Thalidomid ist Bortezomib. Diese Substanz wird vor allem bei Patienten, die auf die Standardtherapie nicht angesprochen oder einen Rückfall erlitten haben, angewendet. Erste Behandlungserfolge mit Bortezomib wurden in Studien bereits bestätigt. "Beide Substanzen unterscheiden sich im Wirkungsmechanismus von der Chemotherapie und sind daher besser verträglich", erläutert Drach. Ganz frei von Nebenwirkungen seien sie allerdings nicht. Viel versprechend für die Therapie des MMs scheint auch die Substanz Lenalidomid zu sein. Sie wird derzeit aber noch getestet.

Das Fernziel der Behandlung des multiplen Myeloms ist die Entwicklung von Therapien, die auf den Patienten individuell zugeschnitten und auf das biologische und genetische Profil des Tumors angepasst sind. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die Wiener Wissenschaftler mit der Einteilung der Patienten in die verschiedenen Risikogruppen geschafft. Eine Plattform für die Patienten bietet die Multiples Myelom Selbsthilfe Österreich. Seit heute, Freitag, werden die Interessen der MM-Patienten auch auf europäischer Ebene vertreten. Die European Myeloma Platform (EMP) ermöglicht den europaweiten Austausch der Patienten untereinander.

Verena Töpper | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at/innere-med-1/onkologie
http://www.mmoe.at

Weitere Berichte zu: Blutkrebs Chemotherapie Cortison Multiples Myelom Thalidomid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise