Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verursachen Viren den plötzlichen Kindstod?

26.09.2001


In gut 20 Prozent aller Kindstod-Fälle konnte Dettmeyer Enteroviren nachweisen.


R. Dettmeyer begutachtet ein mikroskopisches Präparat des Herzen eines am
plötzlichen Kindstod verstorbenen Kindes.

Fotograf: Frank Luerweg


Jedes 500. Neugeborene stirbt in Deutschland an plötzlichem Kindstod - jährlich sind insgesamt etwa 600 Säuglinge betroffen. Damit ist der plötzliche Kindstod die häufigste Todesursache im 1. Lebensjahr. Trotz weltweiter Anstrengungen sind die Ursachen bislang rätselhaft. Forschungsergebnisse an der Universität Bonn legen nun den Schluss nahe, dass in einem Teil der Fälle eine Herzmuskelentzündung für den Tod verantwortlich ist, die durch Viren hervorgerufen wird. In mehr als 20 Prozent der untersuchten Säuglinge konnten die Forscher in Herzgewebeproben Viren-Erbgut nachweisen - Anzeichen einer Infektion im Frühstadium.

Da die virale Herzmuskelentzündung nach herkömmlicher Diagnostik erst zwei bis drei Tage nach der Infektion sichtbare Spuren im Gewebe hinterlässt, die Säuglinge aber offenbar schon im Frühstadium der Entzündung sterben, ergaben mikroskopische Gewebeuntersuchungen des Herzmuskels bislang in der Regel keinen krankhaften Befund. Mit neuen empfindlicheren Methoden lassen sich nunmehr auch beginnende Herzmuskelentzündungen nachweisen - ebenso wie auch die Viren selbst.

Der Bonner Pathologe und Rechtsmediziner Dr. Reinhard Dettmeyer untersuchte Herzgewebeproben von 60 unerwartet verstorbenen Säuglingen mit verschiedenen Methoden. Die Proben enthielten in unterschiedlicher Menge verschiedene Entzündungszellen und Entzündungs-Eiweiße. In 14 von 60 Fällen konnte Dettmeyer Enteroviren nachweisen: In einigen Proben fanden sich sowohl Erbgut als auch umhüllende Eiweiße sogenannter Coxsackie-Viren, in acht weiteren Proben das Erbgut des Parvovirus B19. Von Enteroviren der Coxsackie-Gruppe weiß man, dass sie Herzmuskelentzündungen und schwerste - mitunter tödliche - Herzrhythmusstörungen hervorrufen können.

In einem nächsten Schritt möchte Dettmeyer nun sowohl nach weiteren Virustypen fahnden als auch die Sequenz der übrigen gefundenen Erbsubstanz bestimmen. So ließe sich beispielsweise feststellen, ob alle Entzündungen durch den gleichen Erreger hervorgerufen wurden. In diesem Fall könnte vielleicht eine Impfung das Risiko des plötzlichen Kindstods senken. Ein Rätsel bleibt allerdings bestehen: Experten nehmen an, dass fast alle Kinder in den ersten Lebensjahren einmal Kontakt mit derartigen Viren haben. "Warum einige daran sterben, andere aber kaum Symptome zeigen, ist noch unbekannt", so Dettmeyer. "Möglicherweise gibt es dafür aber genetische Gründe."

Weitere Informationen: Dr. Dr. Reinhard Dettmeyer, Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-8331, Fax: 0228/73-8339, E-Mail: rdettmey@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Herzmuskelentzündung Kindstod Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Neue Therapie gegen osteoporosebedingte Knochenbrüche
26.09.2016 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Laser für Neurochirurgie und Biofabrikation - LaserForum 2016 thematisiert Medizintechnik

27.09.2016 | Veranstaltungen

Ist Vergessen die Zukunft?

27.09.2016 | Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanotechnologie für Energie-Materialien: Elektroden wie Blattadern

27.09.2016 | Physik Astronomie

Ultradünne Membranen aus Graphen

27.09.2016 | Physik Astronomie

Ein magnetischer Antrieb für Mikroroboter

27.09.2016 | Biowissenschaften Chemie