Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch in der Behandlung älterer Leukämie-Patienten

17.09.2001


Prof. Dr. Dietger Niederwieser


Erstmals wissenschaftlicher Beleg für neue Therapie
Auch ältere Patienten mit Blutkrebs können jetzt auf Heilung hoffen. Das belegt weltweit erstmals eine Studie, die Prof. Dr. Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie/Onkologie an der Medizinischen Klinik II der Universität Leipzig, gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fred Hutchinson Forschungszentrum der Universität Washington und dem Veterans Affairs Medical Center, Seattle, sowie der Stanford Universität angefertigt hat.

Auch ältere Patienten mit Blutkrebs können jetzt auf Heilung hoffen. Das belegt weltweit erstmals eine Studie, die Prof. Dr. Dietger Niederwieser, Leiter der Abteilung Hämatologie/Onkologie an der Medizinischen Klinik II der Universität Leipzig, gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Fred Hutchinson Forschungszentrum der Universität Washington und dem Veterans Affairs Medical Center, Seattle, sowie der Stanford Universität angefertigt hat.

Bisher konnte die Stammzelltransplantation und somit eine endgültige Heilung nur Patienten durchgeführt werden, die nicht durch andere Krankheiten zusätzlich beeinträchtigt und unter 50 Jahre alt waren. Das war notwendig, weil alle bisherigen Therapien den Organismus der Patienten stark beanspruchten, denn Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie war eine weitestgehende Zerstörung des Knochenmarks der Patienten durch Bestrahlung und Chemotherapie, um Platz für neue Stammzellen zu schaffen, die von einem in der Regel verwandten Spender zur Verfügung gestellt wurden. Gingen die neuen Stammzellen an, konnten sie die Funktion der alten, kranken eigenen, übernehmen und die sich daraus entwickelnden Zellen konnten die verbliebenen Krebszellen zerstören. "Man mußte", so Prof. Niederwieser, "zunächst eine ’Atombombe’ einsetzen, damit nicht nur Platz für die gespendeten Stammzellen geschaffen wurde, sondern auch die im Körper des Patienten verbliebenen Tumorzellen zerstört wurden." Starke Bestrahlungen galten deshalb als Hauptsäule der Therapie.

Wie bei allen Transplantationen riefen natürlich die fremden Stammzellen im Organismus des Empfängers eine mehr oder weniger starke immunologische Reaktion hervor, die sogenannte graft-versus-host-reaction (Transplantat gegen Wirt-Reaktion). Diese Reaktion muß meistens im ersten Jahr nach der Stammzelltransplantation mit Medikamenten unterdrückt werden, da sonst gesunde Empfängerzellen und somit Organe zerstört werden können. Diese Reaktion hat aber auch einen positivenEffekt, weswegen eine leichte Reaktion sogar erwünscht ist: sie richtet sich auch gegen die Leukämie-Zellen richten (graft versus leukaemia-Reaktion).

Die Mediziner erkannten dieses Phänomen, weil sie beobachtet hatten, dass Patienten mit deutlichen Transplantat gegen Wirt-Reaktionen weniger häufig einen Rückfall bekamen. Die Frage, die sich ihnen nun stellte, war: Sind womöglich diese immunologischen Reaktionen für eine erfolgreiche Therapie genauso wichtig wie die "Atombombe"?

Was die Wissenschaftler herausfanden, kann als Revolution in der Leukämie-Forschung angesehen werden. Man wußte wohl um die therapeutische Kraft der graft-versus-Leukaemia-Reaktion, dass sie aber so stark war, das wußte man nicht. Niederwieser und seine Seattler und Stanforder Kollegen gingen nun noch einen Schritt weiter: Kann man nicht den graft-versus leukaemia-Effekt als tragende Säule der Leukämie-Behandlung etablieren?

Das bedeutete, die immunologische Reaktion auf die graft-versus-leukaemia-Reaktion zu beschränken und deren bisher sekundär wirksamen Heilungspotenzen einzusetzen. Die Behandlung müßte also auf jene Kräfte ausgerichtet werden, die über die graft-versus-leukaemia-Reaktion die Blutkrebszellen vernichten. Die Spenderzellen, die diese Aufgabe übernehmen, bezeichnet Prof. Niederwieser deshalb als "Killerzellen".

Wenn "Killerzellen" die Krebsbekämpfung allein übernehmen, erhält plötzlich die Frage Bedeutung: Mit welchem Minimum an Strahlen- und Chemotherapie kann erreicht werden, dass die gespendeten Stammzellen angehen? Zunächst im Tierversuch wurde bewiesen, dass eine minimale Bestrahlung in Verbindung mit einem neuen Medikament namens Fludarabin, verbunden mit einer Unterdrückung der immunologischen Reaktionen durch die Medikamente Sandimmun und Cellcept ausreicht, um die Stammzellen anwachsen zu lassen.

Eine solche Behandlung ist natürlich wesentlich schonender als die bisherige, die darauf ausgerichtet war, vor der Transplantation alles absterben zu lassen. Für ältere und schwache Menschen eröffneten sich dadurch völlig neue Perspektiven. Nun kam es darauf an, die im Tierversuch und theoretisch gefundenen Erkenntnisse für den Menschen zu verifizieren.

Von Dezember 1997 bis Mai 1999 wurden in Leipzig, Seattle und Stanford die ersten 45 Patienten nach dieser Methode behandelt. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten verlief die Therapie erfolgreich. Leipzig, wo dieses Verfahren gemeinsam mit den Amerikanern entwickelt wurde, zieht Patienten aus ganz Europa an, die in dieser neuen Therapie eine Chance für sich sehen. Um diese bahnbrechenden Forschungsergebnisse einem größeren Kreis von Medizinern und damit auch von Patienten zugänglich zu machen, wurden sie jüngst im Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie "Blood" veröffentlicht.

Dr. Bärbel Adams | idw

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Medikament Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE