Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Scheinbar harmlose Volkskrankheit auf dem Vormarsch

02.09.2005


Harnstein-Erkrankungen nehmen immer weiter zu / Symposium zu Ursachen und Therapie am 10. September in Jena



Sie können die Größe einer Kinderfaust erreichen, korallenartige Zweige und kristalline Oberflächen bilden und entstehen dabei unbemerkt tief im menschlichen Körper: Harnsteine. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland erkrankt jährlich an der Urolithiasis, der schmerzhaften Bildung kristalliner Festkörper in der Niere oder Blase. Damit hat sich die Zahl der Steinerkrankungen innerhalb der letzen 20 Jahre verdreifacht. Ein Trend, der in allen Industrienationen zu beobachten ist.

... mehr zu:
»Niere »UKJ »Urologie


"Wir verfügen zwar heute über hervorragende minimalinvasive und gänzlich ohne Eingriff erfolgende Verfahren zur Steinbeseitigung, können aber dadurch nicht die steigende Zahl von Neubildungen der Steine verhindern", beschreibt Privatdozent Dr. Wolfgang Berg von der Klinik für Urologie des Jenaer Universitätsklinikums (UKJ) die aktuelle Situation. Zudem bilden weit über die Hälfte der "Steinpatienten" nach erfolgreicher Zertrümmerung wieder Steine - solange nicht die eigentliche Ursache beseitigt wird. "Der Stein ist nicht die Krankheit, sondern die Folge - wir sprechen von einem metabolischen Syndrom", erläutert Dr. Berg. Steinverursacher sind Stoffwechselstörungen und Erkrankungen des Verdauungstraktes, aber auch Gicht, Harnwegsinfektionen und Störungen im Mineralstoffwechsel. "Es reicht daher nicht aus, den Stein zu zertrümmern oder endoskopisch zu entfernen. Vielmehr müssen wir mit einer Nachbehandlung dafür sorgen, dass es bei einem einzigen Stein bleibt", so der Harnstein-Experte. Gerade die Nachsorge sei aber oft sträflich vernachlässigt worden. Berg: "Offenbar dachten viele, mit den neuen Methoden der Steinentfernung wäre das Problem Harnsteine medizinisch gelöst". Doch die zunehmende Erkrankungszahl und hohe Anzahl wiederholter Steinvorfälle benötigen andere Lösungen.

Wie diese in einer Verbindung moderner Methoden der Steinentfernung, weiterentwickelten Diagnoseverfahren und einer intensivierten Nachbehandlung aussehen könnte, beraten am 10. September Urologen und Naturwissenschaftler aus ganz Deutschland auf dem Jenaer Harnsteinsymposium. Neben den weiter perfektionierten Methoden der Steinsanierung werden dabei auch die Mechanismen der Steinbildung, die Diagnostik der metabolischen Ursachen und mögliche Nachsorgekonzepte im Mittelpunkt der Tagung in der Klinik für Urologie am UKJ stehen.

Ziel der Mediziner ist es dabei, möglichst die Rezidivhäufigkeit zu verringern sowie die Bildung großer Steine schon im Vorfeld zu verhindern. "Ein über Jahre in der Niere unbemerkt gebildeter Stein verursacht nicht nur irgendwann heftige Schmerzen, er kann auch die Niere irreparabel zerstören", erklärt Wolfgang Berg einige Risiken der scheinbar harmlosen Volkskrankheit, die nicht zuletzt auch hohe gesundheitspolitische und volkswirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht. Eine der wirksamsten Vorbeugungsmaßnahmen ist eine Ernährungsumstellung. "Die in den Industrienationen zu beobachtende ,Steinflut’ ist auch mit der Art der Ernährung und der damit verbundenen Zunahme von Übergewicht und Diabetes-Erkrankungen verbunden", erklärt Berg.

Jenaer Harnsteinsymposium "Urolithiasis heute - eine Standortbestimmung kritisch im Visier" 10. September 2005, Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Jena

Ansprechpartner:
PD Dr. Wolfgang Berg
Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 935198
E-Mail: wolfgang.berg@med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Niere UKJ Urologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics