Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medikamentenentzug bei Dauerkopfschmerz: Rückfallrisiko im ersten halben Jahr am höchsten

06.07.2005


Patienten mit Medikamenten-Kopfschmerz sind vor allem in den ersten sechs Monaten nach einem Arzneimittel-Entzug rückfallgefährdet. Wer diese kritische Zeit übersteht, hat es in den meisten Fällen geschafft. Das berichten Experten in den "Kopfschmerz-News", den Mitgliederinformationen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).



Häufige Kopfschmerzen können dazu verleiten, aus Angst vor einer bevorstehenden Attacke "vorsichtshalber" ein Schmerz- oder Migränemittel zu schlucken. Dies kann fatale Folgen haben: Die häufige Einnahme von Schmerzmitteln - an mehr als zehn Tagen pro Monat - kann einen Dauerkopfschmerz verursachen, den so genannten Medikamenten-induzierten Kopfschmerz, kurz MOH genannt (MOH = engl.: medication overuse headache). Der dumpf-drückende Schmerz im ganzen Kopf tritt täglich oder fast täglich auf und setzt bereits beim Aufwachen am Morgen ein. "Dieser Kopfschmerz wird in den spezialisierten Einrichtungen zunehmend häufiger gesehen", erklären die Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Betroffen sind schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Bevölkerung - in Deutschland zwischen 800.000 und 1,6 Millionen Menschen.

... mehr zu:
»Entzug »Migräne


Wie erfolgreich ist der Entzug?

Die einzig sinnvolle Behandlung ist der Entzug der Schmerzmittel. Doch wie erfolgreich ist diese? Ein Team um Dr. Zaza Katsarava von der Neurologischen Universitätsklinik Essen hat dies im Rahmen einer mehrjährigen Nachbeobachtung betroffener Patienten überprüft.

Das Rückfallrisiko ist im ersten halben Jahr nach dem Absetzen der Medikamente am größten: In diesem Zeitraum wurde knapp ein Drittel (31 Prozent) der insgesamt 96 beobachteten Patienten rückfällig. Dies konnten die Forscher bereits vor zwei Jahren berichten. Nun haben sie ihre Vierjahres-Ergebnisse publiziert. Fazit: Patienten, welche das erste Jahr ohne Rückfall überstehen, haben gewonnen. Bis zum Ende des ersten Jahres nach dem Entzug erhöhte sich der Prozentsatz der rückfällig gewordenen Patienten von 31 auf 41. In den darauffolgenden drei Jahren wurden dann nur noch weitere zwei Patienten rückfällig - der Prozentsatz stieg damit insgesamt auf 45.

Patienten mit chronischem Spannungskopfschmerz gefährdet.

Migränepatienten wurden deutlich seltener rückfällig als Patienten, die an chronischem Spannungskopfschmerz oder einer Kombination aus Spannungskopfschmerz und Migräne litten. Eine weitere Beobachtung der Experten: Migräne-Patienten, die ihre Attacken mit Migränemedikamenten (Triptanen) behandelten, hatten ein geringeres Rückfallrisiko als jene, die Analgetika genommen hatten.

"Möglicherweise fällt die Prognose in dieser Studie insgesamt etwas zu positiv aus", schränken die Experten der DMKG ein. Zwar zeige die Essener Studie eindeutig, wie wichtig eine engmaschige Überwachung in den ersten Monaten nach dem Medikamentenentzug sei. Doch insgesamt könne die Prognose schlechter ausfallen, wenn man beispielsweise auch depressive Patienten oder solche, die mehrere Substanzen einnehmen, mit einbezieht. Diese waren bei der Studie ausgeschlossen worden.

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
Pressestelle: Barbara Ritzert · ProScience Communications GmbH Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0 · Fax: (08157) 93 97-97
e-mail: ritzert@proscience-com.de

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Weitere Berichte zu: Entzug Migräne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung