Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kardiologische Klinik nach ISO 9001 zertifiziert

23.08.2001


Als eine der ersten Kliniken ihrer Art in Deutschland hat sich die Jenaer Universitäts-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensiv-Medizin (KIM III) nach der strengen internationalen Prüfnorm DIN EN ISO 9001:2000 zertifizieren lassen. Das bedeutet, dass alle Arbeitsvorgänge in der Klinik - vom minimalinvasiven Herzeingriff bis zur Essensausteilung - detailliert in einzelne Teilschritte untergliedert und in einem Qualitätshandbuch festgelegt worden sind.

"Daraus resultiert eine hundertprozentige Transparenz bei der Patientenbehandlung", erläutert Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla als Direktor der Klinik. "Mögliche Fehlerquellen im komplizierten Kliniksalltag können gezielt ausgeschaltet werden, alle Vorgänge werden genau dokumentiert, und jeder Patient kann sicher sein, dass er nach den höchsten Qualitätsstandards behandelt wird." Zugleich werde die Effizienz und somit auch die Wirtschaftlichkeit der Klinik gesteigert.

"Beim Qualitätsmanagement kommt es entscheidend darauf an, dass alle Mitarbeiter persönliche Verantwortung übernehmen", ergänzt Oberärztin Dr. Gudrun Dannberg. "Denn im Getriebe aus unterschiedlichen Funktionsbereichen müssen die Zahnräder genau ineinander greifen." Die Idee der ISO-Zertifizierung stammt ursprünglich aus der Industrie. Inzwischen wird dieses Prinzip immer häufiger auf den Dienstleistungssektor übertragen und findet seit wenigen Jahren auch im Krankenhausbereich Anwendung.

"Einen defekten Mikrochip mag man sich in der Elektroindustrie ja vielleicht gerade noch leisten können", meint Pflegedienstleiterin Maria Lasch, "ein vermeidbarer Fehler bei einer Herzkatheter-Behandlung aber wäre unverzeihlich." Mit der ISO-Zertifizierung setzt der Chefarzt auf ein lückenloses Qualitätsmanagement, das in einem dynamischen Prozess ständig an neue Anforderungen angepasst wird.

So wuchsen die Patientenzahlen in den vergangenen vier Jahren, seit Figulla die Klinik übernommen hat, rapide an. Wurden im ersten Halbjahr 1997 noch 1.195 Patienten stationär behandelt, so waren es im Vergleichszeitraum diesen Jahres genau 2.232. Außerdem kommen weitere rund 3.500 Patienten jährlich zur ambulanten Versorgung. Die Zahl der Mitarbeiter - derzeit 134, davon 35 Ärzte - hat sich allerdings nicht in gleicher Weise erhöht, vielmehr wurde die Effizienz gesteigert: Die Liegezeiten für stationäre Patienten betragen nur noch durchschnittlich sieben Tage, die Bettenauslastung liegt bei beachtlichen 89 Prozent. Das spricht für ein ausgeklügeltes Management.

"Der Bedarf an herzmedizinischer Versorgung ist in Thüringen immer noch nicht vollends gedeckt", beklagt Figulla dennoch. "Wir haben seit der Wende zwar erheblich aufgeholt, aber das Niveau der westdeutschen Bundesländer längst noch nicht erreicht." Schließlich liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Abstand an der Spitze in der bundesweiten Todesartenstatistik.

Hans-Reiner Figulla und sein Team versuchen, der Thüringer Misere mit moderner, leistungsfähiger Medizin gegenzusteuern. So hatte der Freistaat zum Beispiel in der Statistik der Herzkatheter-Untersuchungen - bezogen auf die Einwohnerzahl ehedem die "rote Laterne", heute belegt man immerhin nur noch den vorletzten Platz.

Rund 3.000 solcher Untersuchungen finden pro Jahr allein in der Jenaer Kardiologie statt, in fast jedem dritten Fall werden Engstellen der Herzkranzgefäße gleich mit einem Mini-Ballon aufgeweitet. Figulla: "Das ist derzeit eine der sichersten Methoden, um einem drohenden Herzinfarkt vorzubeugen. Zugleich wird die Leistungsfähigkeit und damit die Lebensqualität des Patienten erheblich verbessert. Das merkt man schon beim Treppensteigen."

Außerdem führen die Ärzte minimalinvasive Eingriffe durch, die vorher in Thüringen gar nicht möglich waren: etwa den Verschluss von Löchern in der Herzscheidewand, die Aufdehnung von verengten Herzklappen oder Hochrisikoeingriffe unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Damit neben der klinischen Patientenversorgung die Forschung nicht zu kurz kommt, hat Figulla seine Mitarbeiter in sechs Wissenschaftler-Teams organisiert, die Ursachen und Therapie z. B. von Herzinsuffizienz, Gefäßkrankheiten oder elektrischen Reizleiterstörungen des Herzens untersuchen.

"Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass die moderne Medizin nicht nur unsere Lebensqualität verbessert und verlängert, sondern auch mehr Geld kostet", gesteht Prof. Figulla ein. Dabei sei das deutsche Gesundheitssystem im europäischen Vergleich - gemessen an der Effizienz - insgesamt das teuerste. Die Zukunft liegt deshalb eindeutig in einer Steigerung von Transparenz und Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitigem, konsequentem Qualitätsmanagement. Mit der ISO-Zertifizierung ist die Jenaer Uni-Klinik in dieser Hinsicht Vorreiter.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans-Reiner-Figulla
Klinik für Innere Medizin III der Universität Jena
Tel.: 03641/939138, Fax: 939363

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Effizienz ISO ISO-Zertifizierung Qualitätsmanagement

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

23.11.2017 | Geowissenschaften

Leistungsfähigere und sicherere Batterien

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik

Ein MRT für Forscher im Maschinenbau

23.11.2017 | Maschinenbau