Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschungsgruppe "Zahnmedizinische Biotechnologie":Der Zahn(ersatz) der Zeit

03.08.2001


Operation gelungen: ein eingeheiltes Implantat. Foto: Jörg R. Strub, Universität Freiburg


Zahnersatz zu optimieren, ist das Ziel der neuen interdisziplinären Forschungsgruppe "Zahnmedizinische Biotechnologie". Wissenschaftler der Fridericiana sowie Zahnmediziner aus Karlsruhe und Freiburg beschäftigen sich in dieser Gruppe vor allem mit Zahnimplantaten und ihrer Belastung über Brücken und Prothesen.


Seit etwa drei Jahren befassen sich in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekten Dr. Jürgen Lenz vom Institut für Wissenschaftliches Rechnen und Mathematische Modellbildung (IWRMM) sowie Professor Dr. Karl Schweizerhof und Qiguo Rong vom Institut für Mechanik gemeinsam mit dem Karlsruher Zahnarzt Dr. Hans Schindler und Professor Dr. Dieter Riediger vom Universitätsklinikum der RWTH Aachen mit Fragestellungen aus dem Bereich der zahnärztlichen Implantologie. "Dieses Gebiet der Prothetik hat sich in den vergangenen Jahren stürmisch entwickelt", sagt Dr. Lenz: Nach Schätzungen werden in Deutschland pro Jahr circa 100.000 Implantate im Unter- und Oberkiefer eingesetzt. Die Forscher möchten unter anderem herausfinden, welcher implantatgetragene Zahnersatz unter realistischen Kaukräften das Knochenbett möglichst gering belastet. Dazu ist es erforderlich, neben den knöchernen Strukturen des Schädels auch die Muskulatur des Kausystems zu modellieren.

Einen weiteren Schwerpunkt des Projekts bildet die Computer-Simulation des Einheilungsprozesses des Implantats in der Knochenwunde, die beim Einsetzen verursacht wird. In diesem Modell wird in Einklang mit klinischen Beobachtungen vorausgesetzt, dass der Heilungsprozess im Wesentlichen durch eine von der unversehrten Knochenoberfläche ausgehende Versorgung mit Blutgefäßen und einem unter mechanischen Stimuli induzierten Zusammenspiel von Knochenanbau und -abbau bewerkstelligt wird. Langfristig soll das Modell dazu dienen, optimale Einheilstrategien zu entwickeln und heute noch erforderliche Tierversuche möglicherweise ersetzen zu können.

Solche Untersuchungen, sagt Dr. Lenz, "erfordern eine intensive Zusammenarbeit von Natur- und Ingenieurwissenschaften mit der Medizin". Aus diesem Grunde hat sich eine aus Lenz, Schweizerhof und Schindler bestehende Projektgruppe mit der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Freiburg zusammengeschlossen. Die Freiburger Projektgruppe arbeitet - aus dem Blickwinkel der Medizin - auf verwandten Gebieten, eine Kooperation bot sich an.



Von der Kombination der bewährten Simulationstechnik der Ingenieurmechanik mit realistischen biomechanischen Modellen erwarten die Mediziner verlässliche Informationen zur Langzeit-Belastbarkeit von Kronen und Brücken sowie von Implantat-Konstruktionen. Nützlich sind dabei die Kenntnisse der Karlsruher Forscher zum Beispiel in der Materialtheorie oder dem Brückenbau. Sie sollen dazu beitragen, dass das beim Einsatz neuer Werkstoffe und Operationstechniken erhöhte Patientenrisiko vermindert wird. "Wir wissen", sagt Professor Schweizerhof, "wie die Kräfte wirken".

Aufgrund ihrer vielseitigen und zeitnahen Ausbildung können zudem die Ingenieurstudenten an der Fridericiana zur Lösung von Detailproblemen in Form von Vertiefer- oder Diplomarbeiten beitragen. Ihre in der Mechanik und Numerik sowie im Massiv-, Stahl- und Holzbau erworbenen Kenntnisse lassen sich, so versichert Professor Schweizerhof, "nach Einarbeitung in die medizinischen Grundlagen unmittelbar auf die in der Zahnmedizin eingesetzten Verbundkonstruktionen anwenden".

Nähere Informationen:

Dr. Jürgen Lenz
Institut für Wissenschaftliches Rechnen und Mathematische Modellbildung
Tel. 0721/608-2613
E-Mail: Juergen.Lenz@math.uni-karlsruhe.de

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-karlsruhe.de/~presse/Pressestelle/pi075.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Das Blut zum Sprechen bringen: Bauchspeicheldrüsenkrebs früh erkennen
21.09.2016 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Alzheimer: Zellulärer Mechanismus liefert Erklärungsmodell für den Abbau der Gedächtnisleistung
20.09.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Im Focus: Künstliche Intelligenz ermöglicht die Entdeckung neuer Materialien

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz haben Chemiker der Universität Basel die Eigenschaften von rund 2 Millionen Kristallen berechnet, die aus vier verschiedenen chemischen Elementen zusammengesetzt sind. Dabei konnten die Forscher 90 bisher unbekannte Kristalle identifizieren, die thermodynamisch stabil sind und als neuartige Werkstoffe in Betracht kommen. Das berichten sie in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters».

Elpasolith ist ein glasiges, transparentes, glänzendes und weiches Mineral mit kubischer Kristallstruktur. Erstmals entdeckt im El Paso County (USA), kann man...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

Fachgespräch Feste Biomasse diskutiert Fragen zum Thema "Qualitätshackschnitzel"

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Korallenthermometer muss neu justiert werden

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Doppel-Infektion macht Erreger aggressiver

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie