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Uniklinik Düsseldorf: Ärzte trainieren am "Patienten, der alles verzeiht"

16.02.2005


Piloten trainieren ungewöhnliche und gefährliche Situationen in Simulatoren, die sie eine nahezu perfekte Flugrealität erleben lassen. Anästhesisten, Intensiv- und Notfallmediziner lassen sich zu diesem Zweck "künstliche Menschen" bauen. Diese Simulatoren reagieren auf dem Op-Tisch, der Intensivstation oder der Notfallaufnahme ebenso wie echte Patienten. Einer der ersten Simulatoren in Nordrhein-Westfalen steht im Simulationszentrum des Universitätsklinikums Düsseldorf. Der Düsseldorfer Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin-Simulator (DANIS) steht für die Aus- und Weiterbildung von Ärzten aus ganz Nordrhein-Westfalen sowie für Medizinstudenten in höheren Semestern zur Verfügung.



Das Trainingsspektrum reicht vom Üben einzelner Techniken bis hin zu seltenen Narkosezwischenfällen, die manch ein erfahrener Anästhesist in der Realität noch nie erlebt hat. Die Anästhesie hat einen derart hohen Sicherheitsstandard erreicht, dass echte Narkosezwischenfälle nur noch sehr selten vorkommen. Anästhesisten trainieren deshalb an Dummies mit Haut und Adern aus Plastik, einem Skelett, Muskeln, Herz, Kreislauf, Lunge, Harnblase und einem elektronischen Gehirn. Die so genannten Full Scale Simulatoren reagieren direkt auf die Arbeit der Mediziner. Sie bewegen den Arm oder Puls und Blutdruck steigen, wenn die Narkose nicht tief genug ist. Auch die Pupillen reagieren, wenn Medikamente in das künstliche Kreislaufsystem gespritzt werden. Art und Dosierung der injizierten Medikamente werden elektronisch erkannt. Die Simulatoren bilden auch den Gasaustausch in der Lunge ab, sie bemerken z. B. einen Sauerstoffmangel bei unzureichender Atmung oder während künstlicher Beatmung.

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Darüber hinaus lässt sich eine Vielzahl von Vorkommnissen wie Blutverluste, Herzrhythmusstörungen im EKG oder ein Herzinfarkt simulieren. Ebenso werden nahezu alle denkbaren Komplikationen, die auf einer Intensivstation vorkommen können, äußerst realitätsnah dargestellt: Fieber, Blutdruckabfall oder Nierenversagen bei einer Blutvergiftung (Sepsis).

Der Düsseldorfer Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin-Simulator (DANIS) ist in einem vollständig ausgestatteten Op innerhalb einer ehemaligen Intensivstation untergebracht. Wer am Simulator trainiert, kann sich wie in einem echten Op vorkommen. Anästhesist, Operateur und Pflegekräfte tragen Op-Kleidung und Gesichtsmaske. Sie müssen wie im klinischen Alltag miteinander kommunizieren und die simulierte Krisensituation bewältigen. In dem äußerst realitätsnahen Szenario kommt so mancher Arzt ins Schwitzen: Er muss die Ursache der Störung rasch finden und zügig eine Reihe von Behandlungsmaßnahmen einleiten, auch wenn er nie zuvor eine solche Situation erlebt hat. Zum geruhsamen Nachdenken oder gar Nachschlagen im Lehrbuch bleibt keine Zeit. Das gesamte Geschehen wird mit Videokameras aufgezeichnet. Das erlaubt eine spätere Analyse der Ereignisse und die Bewertung aller getroffenen Maßnahmen mit dem beteiligten Team.

Der Simulator wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mitfinanziert. Geplant ist ein weiterer Ausbau des Düsseldorfer Simulationszentrums. Auch andere Fachdisziplinen sollen spezielle Fertigkeiten (z. B. Herzkatheter-Untersuchungen, Darmspiegelungen) einschließlich der Beherrschung von Komplikationen trainieren können. Der Simulator stellt außerdem ein sehr nützliches Instrument für verschiedene Forschungsvorhaben, beispielsweise in der Stress-Forschung, dar.

Kontakt:

Priv.-Doz. Dr. med. Olaf Picker
Oberarzt, Klinik für Anästhesiologie
Tel.: 0211-81-18669
E-Mail: olaf.picker@uni-duesseldorf.de

Susanne Dopheide
Pressereferentin des Universitätsklinikums Düsseldorf
Tel.: 0211 81 04173
E-Mail: susanne.dopheide@med.uni-duesseldorf.de

Susanne Dopheide | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-duesseldorf.de

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