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Chronisch krank durch fehlgeleitete Helfer

15.12.2004


Immunzellen können schwere Lungenentzündungen auslösen


"Friendly fire" im Lungengewebe: Eine T-Zelle (blau) greift eine Epithelzelle der Lungenschleimhaut an (rot). Braun eingefärbt ist eine Stützzelle des Lungengewebes.
Foto: Yale University, USA / Richard Enelow



Fehlgesteuerte Immunzellen können die Ursache schwerer Lungenentzündungen sein. Das haben Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig jetzt nachgewiesen. In der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (AJRCCM) beschreiben sie ihre Untersuchungen an Mäusen, die zu chronischen Entzündungen der Lungenschleimhaut neigen. Ergebnis: Immunzellen vom Typ der so genannten CD 4+ T-Zellen lösen eine solche Krankheit aus, wenn sie - irrtümlich - gegen das eigene Körpergewebe vorgehen statt gegen eingedrungene Erreger.



Als "Interstitial Lung Disease", kurz ILD, bezeichnen Mediziner eine Klasse verschiedenartiger Störungen und Erkrankungen der Lungenbläschen sowie des Binde-, Lymph- und Gefäßgewebes der Atemorgane. Auch verschiedene Formen der Lungenentzündung werden unter dem Oberbegriff ILD zusammengefasst. Nicht nur Menschen, sondern auch Mäuse können ILD entwickeln. An solchen Tieren konnte die GBF-Arbeitsgruppe von Professor Jan Buer jetzt - gemeinsam mit Kollegen von der Yale University in den USA - zeigen, was Wissenschaftler schon länger vermutet, aber bislang noch nicht nachgewiesen haben: Die aktive Rolle von außer Kontrolle geratenen CD 4+ T-Zellen bei der Entstehung mancher Formen von ILD.

Immunreaktionen in der Lunge besser verstehen

"Für unsere Forschungen haben wir zwei Mäuse-Zuchtlinien gekreuzt", erklärt die GBF-Wissenschaftlerin Dr. Dunja Bruder, "der erste Mäusetyp trug ein besonderes Proteinmolekül auf den Zellen der Lungenschleimhaut - ein so genanntes Antigen. Der zweite Stamm produziert gegen genau dieses Antigen aggressive Immunzellen. Das Ergebnis sind Mäuse, deren Abwehrsystem das eigene Lungengewebe angreift." Diese Tiere entwickelten dann Symptome der ILD.

Kurz nach der fehlgeleiteten Immunreaktion löst das Nebeneinander von Antigen und dagegen gerichteten Abwehrzellen auch Mechanismen der Immuntoleranz aus: Entzündungshemmende Botenstoffe werden freigesetzt, Abwehrreaktionen gedämpft und abgebremst. "Nach einem schweren akuten Ausbruch der Krankheit lassen die Symptome schlagartig nach, und die Krankheit geht in eine chronische Form über", sagt Dunja Bruder.

Die Untersuchung dieses chronischen Krankheitsverlaufs, so hoffen die Wissenschaftler, wird zu einem umfassenderen Verständnis von Immunreaktionen in der Lunge führen. "Nicht nur bei ILD, sondern auch bei vielen anderen Lungenerkrankungen wie etwa allergischem Asthma spielen Fehlsteuerungen von Immunzellen eine Rolle", erklärt Jan Buer. "In den Zellen von kranken Mäusen sind dabei weitgehend dieselben Gene angeschaltet wie bei kranken Menschen. Wenn wir diese Prozesse besser verstehen, lassen sich daraus auch neue mögliche Heilungsansätze entwickeln."

Ausführliche Informationen bietet der Originalartikel: Bruder, D., Westendorf, A.M., Geffers, R., Gruber, A.D., Gereke, M., Enelow, R.I., and Buer, J. CD 4 T Cell Mediated Lung Disease: Steady State between Pathological and Tolerogenic Immune Reactions. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 2004 Dec 1;170(11):1145-52.

Manfred Braun | idw

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