Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kehlkopferhalt auch bei fortgeschrittenen Kehlkopf-Karzinomen möglich

26.08.2004


Internationales Symposium der Frankfurter HNO-Klinik


zu Kehlkopferhaltstrategien

... mehr zu:
»Kehlkopf »Radiochemotherapie

Innerhalb der Krebserkrankungen des Hals-, Nasen- und Ohren-Bereiches ist der Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) einer der häufigsten Tumore. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 3.000 Menschen an dieser Krebsart. Frauen sind erheblich seltener, in den letzen Jahren allerdings immer häufiger davon betroffen. Ein hohes Erkrankungsrisiko haben vor allem Menschen, die viel Rauchen und übermäßig viel Alkohol trinken oder beruflich Krebs erregenden Stoffen ausgesetzt sind. Trat die Krankheit bis vor zehn Jahren noch überwiegend zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf, erkranken heute auch zunehmend jüngere Menschen daran.

"Viele Tumore werden erst in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium entdeckt, weil die Patienten meist nur über unspezifische Beschwerden wie Heiserkeit oder Schluckstörungen klagen", sagt Professor Dr. Wolfgang Gstöttner, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde an der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Bis vor wenigen Jahren hatte die Tumorbehandlung im Kehlkopf-Rachenbereich häufig eine vollständige Entfernung des Kehlkopfes zur Folge. Dies ist mit einem dauerhaften Verlust der Stimme verbunden. Außerdem fehlt nach einer Laryngektomie die Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre. Die Patienten erhalten daher eine künstlich angelegte Atemöffnung (Tracheostoma). Dabei wird die Luftröhre über dem Brustbein durch ein Ventil in der Haut nach außen geleitet. Die Patienten atmen dann nicht mehr durch die Nase, sondern direkt durch das Tracheostoma, wodurch ihr Geruchs- und Geschmackssinn oft eingeschränkt ist.


Mit entsprechenden Hilfsmitteln ist ein Leben auch ohne Kehlkopf möglich. So können die Patienten lernen, entweder über die Speiseröhre zu sprechen oder sich mit Hilfe eines Sprechventils, das zwischen Luft- und Speiseröhre eingesetzt wird, zu verständigen. "Da aber der Verlust des Organs insgesamt zu schwerwiegenden Einschränkungen in der Lebensqualität des Patienten führt, versuchen Ärzte heutzutage immer häufiger, den Kehlkopf zu erhalten", betont Professor Gstöttner, dessen Klinik zu einem der drei Referenzzentren für den Larynxerhalt in Deutschland gehört.

Grundsätzlich unterscheiden die Ärzte zwischen zwei Tumor-Stadien: dem frühzeitigen und dem fortgeschrittenen. Ist der Tumor noch relativ klein, etwa kirschgroß, und hat noch keine Metastasen gebildet, kann er relativ leicht operativ entfernt werden. "Doch hat der Tumor eine gewisse Größe erreicht und hat schon deutlich in den Hals metastasiert, setzt man multimodale Therapiestrategien zum Organerhalt ein", erklärt der leitende Oberarzt Professor Dr. Rainald Knecht. "Einerseits bieten sich hier hochspezialisierte chirurgische Verfahren an, andererseits die kombinierte Radiochemotherapie als Alternative, da hier zunächst versucht wird, den Tumor zu verkleinern."

Bei den primär chirurgischen Verfahren kann durch die Anwendung des Lasers der Tumor von der Mundhöhle aus unter Erhaltung des Kehlkopfes schonend aus dem umliegenden Gewebe herausgeschnitten werden. "Dieses operative Verfahren zum Erhalt des Kehlkopfes bei fortgeschrittenen Kehlkopftumoren sollten jedoch nur an wenigen spezialisierten Zentren, wie hier in Frankfurt, mit hohen Patientenzahlen, durchgeführt werden", empfiehlt Professor Gstöttner.

Bei der Radiochemotherapie wird entweder eine Induktionschemotherapie mit Cisplatin, 5-Fluorouracil und Taxanen, gefolgt von einer Radiotherapie empfohlen oder einer gleichzeitigen Radiochemotherapie mit platinhaltigen Chemotherapeutika. Auf diese Therapie-Standards haben sich erst kürzlich die Teilnehmer eines internationalen Fachsymposiums zum Kehlkopferhalt ("Statements on head and neck cancer-Larynx preservation", 24. Januar 2004, Frankfurt am Main) verständigt, welches von Professor Gstöttner und Professor Knecht ausgerichtet wurde.

In 60 Prozent der Fälle gelingt es mit diesen Methoden, den Kehlkopf bei fortgeschrittenen Stadien zu erhalten. Trotz ständig weiterentwickelter Behandlungsmethoden und dem prinzipiellen Versuch einer organerhaltenden Therapie ist eine vollständige Entfernung des Kehlkopfes jedoch nicht immer zu vermeiden.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de
http://www.kgu.de/hno/index2.html

Weitere Berichte zu: Kehlkopf Radiochemotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten