Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zu wenig Männer nutzen Potenzial der Krebs-Früherkennung

10.08.2004


Hauptsache, das Auto ist gesund!

... mehr zu:
»Krebs-Früherkennung

Die Krebs-Früherkennung kann Leben retten. Trotzdem nimmt nur jeder fünfte Mann die kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch. Die Gründe hierfür möchte Privatdozentin Dr. Monika Sieverding von der Freien Universität Berlin jetzt in einem Forschungsprojekt mittels umfangreichen Befragungen herausfinden. "Die Erkenntnisse bilden eine wesentliche Grundlage für effektive Kampagnen zur Motivation und zur Aufklärung über das große Potenzial der Krebs-Früherkennung", betont die Projektleiterin. Darüber hinaus könnten die Ergebnisse helfen, die Strukturen in der Gesundheitsvorsorge zu verbessern. Die Deutsche Krebshilfe fördert die über drei Jahre laufende Studie mit rund 440.000 Euro.

Beim Darmkrebs beispielsweise könnten 15.000 Todesfälle jährlich verhindert werden, wenn der Tumor früh genug erkannt wird. Auch beim Prostatakrebs gilt: Je früher entdeckt, umso besser sind die Heilungschancen. Trotzdem kümmern sich viele Männer intensiver um ihr Auto als um sich selbst. Ist die Vorsorgeuntersuchung nicht mit dem traditionellen Männerbild vereinbar? Oder schreckt die Art der Untersuchung die Männer ab? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der Studie. Darüber hinaus soll geklärt werden, wie die Männer überhaupt zur Krebs-Früherkennungsuntersuchung kommen: durch Eigeninitiative, durch die Initiative der Partnerin oder durch eine Empfehlung des Arztes?


"Zunächst befragen wir in 30.000 Haushalten Männer und Frauen nach ihrer Inanspruchnahme von Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Dabei berücksichtigen wir auch soziale Einflussfaktoren, die zu einer Teilnahme beziehungsweise Nicht-Teilnahme führen", erklärt Frau Dr. Sieverding vom Institut für Psychologie der Freien Universität Berlin. In weiteren Interviews mit Nicht-Teilnehmern und deren Partnerinnen sowie mit medizinischen und psychologischen Experten will sie mit ihrem Team nach sozialen und psychologischen Barrieren forschen. "Aus den Ergebnissen der Befragungen und den Resultaten internationaler Studien sowie eigenen Vorstudien wollen wir einen Fragebogen entwickeln, um psychologische Ursachen der Nicht-Inanspruchnahme zu erfassen", beschreibt die Projektleiterin das Vorgehen.

Der erstellte Fragebogen dient dann als Befragungsgrundlage für eine repräsentative Stichprobe von 1.500 Männern im Alter zwischen 45 und 70 Jahren: 500 Männer, die nie zur Früherkennung gehen, 500 Männer, die unregelmäßig teilnehmen sowie weitere 500, die sich regelmäßig untersuchen lassen.

Dr. Sieverding will außerdem herausfinden, welche Einstellungen (Haus-) Ärzte zur Krebs-Früherkennungsuntersuchung haben: "Wir untersuchen, ob es auf Seiten der Ärzte medizinische, ökonomische oder psychologische Vorbehalte gegenüber Früherkennungsuntersuchungen bei Männern gibt", erläutert sie. Dies sei wichtig, da Ärzten eine große Rolle dabei zukommt, ihre Patienten zur Teilnahme an Krebs-Früherkennungsuntersuchungen zu motivieren. "Einstellungen und Verhaltensempfehlungen von Ärzten zu Vorsorgeuntersuchungen sind in Deutschland bisher noch nicht erforscht worden", so die Psychologin.

"Das Projekt schließt eine Lücke in der Versorgungsforschung", betont Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. "Es soll grundlegende Erkenntnisse über das Gesundheitsbewusstsein des Mannes bringen und dazu beitragen, die Inanspruchnahme der Krebs-Früherkennung in Deutschland zu verbessern." Die Deutsche Krebshilfe informiert die Bevölkerung in großen Kampagnen über den Sinn der Krebs-Früherkennung. Sie fordert die Bürger auf, ihrem Körper mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Gang zur Vorsorge nicht zu scheuen.

Infokasten: Krebs-Früherkennungsuntersuchungen

Je früher ein Tumor erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen. Dies gilt insbesondere für Krebserkrankungen des Darms, der Prostata, der Brust, des Gebärmutterhalses und der Haut. Krebs-Früherkennungsuntersuchungen gehören daher seit 1971 zu den Standardleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Für Männer

  • ab dem 45. Lebensjahr: Tastuntersuchung der Prostata sowie Inspektion des äußeren Genitales und der Haut

Für Frauen

  • ab dem 20. Lebensjahr: Untersuchung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane
  • ab dem 30. Lebensjahr: zusätzliche Tastuntersuchung der Brust und Inspektion der Haut

Für Männer und Frauen

  • vom 50. bis 55. Lebensjahr: einmal jährlich ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl
  • mit 55 und 65 Jahren: Darmspiegelung zur Früherkennung von Dickdarmkrebs, alternativ alle zwei Jahre Stuhlbluttest

    Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
    Weitere Informationen:
    http://www.krebshilfe.de

    Weitere Berichte zu: Krebs-Früherkennung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise