Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Chance der Reisethrombose

29.05.2001


Gesundheitsrisiko durch beengtes Sitzen
Untersuchungen an 100.000 Passagieren vorgesehen



Wohin geht die Ferienreise – in die USA?, nach Mexiko? oder an die Traumstrände Thailands? Dann sollte der Flug mindestens so sorgfältig geplant werden, wie der Aufenthalt vor Ort. Langes, beengtes Sitzen im Flieger, die hohe Luftfeuchtigkeit an Bord und ein Luftdruck, so niedrig wie auf dem Gipfel der Zugspitze sind nämlich ideale Bedingungen für Beinthrombosen. Dieses Phänomen hat längst einen eingängigen Namen: "Touristenklassen-Syndrom".

In medizinischen Studien werden bereits bis zu 6.600 Todesfälle jährlich allein in Großbritannien vermutet. Dabei treten die verhängnisvollen Probleme nur selten während des Fluges auf. Bis zu vier Wochen kann es dauern, bis sich ein Blutpfropf – der Thrombus –, der sich in engen Stuhlreihen über dem Atlantik in der Beinvene festgesetzt hat, seine Reise bis zum Herzen oder der Lunge antritt. Mögliche Folge: Embolien, die tödlich enden können.

"Vorsorge ist geboten, zur Panik besteht jedoch keine Veranlassung", versichert Dr. Nikolaus Frühwein von der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V. "Wer ein hohes Thromboserisiko trägt – etwa weil er gerade eine Operation durchgemacht hat oder eine Thromboseneigung in der Familie bekannt ist – sollte vor Antritt einer Fernreise unbedingt den Arzt befragen", rät Frühwein.

Für alle anderen Passagiere hat das "Forum Reisen und Medizin e.V." in Zusammenarbeit mit Internisten, Flug- und Tropenmedizinern wichtige Empfehlungen zusammengestellt, die dem Risiko ein Schnippchen schlagen:

- Häufig aufstehen und den Gang entlang laufen
- Bewegungsübungen mit den Beinen im Sitzen und Stehen
- Möglichst viel trinken, aber: keinen Alkohol!
- Einen Tag, spätestens eine Stunde vor Reiseantritt, 500 Milligramm Acetylsalicylsäure (z.B. eine Aspirin®-Tablette) einnehmen
- Bei sehr langen Reisen noch einmal Aspirin® – es gehört also ins Handgepäck

"Vom Aspirin®-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wissen wir, dass er das Verklumpen der Blutplättchen in den Venen, also einen der Auslöser von Thrombosen, hemmt", erklärt Dr. Frühwein die ASS-Wirkung. "Studien, die ganz konkret die Situation bei Langstreckenflügen untersucht haben, gibt es derzeit allerdings noch nicht."

Diese Lücke hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkannt und deshalb in Zusammenarbeit mit den Flugmedizinischen Diensten der größten Airlines eine solche Studie mit bis zu 100.000 Passagieren angekündigt.

Alle, die nun eine Busreise in den Bayerischen Wald planen, um der "Flugthrombose" zu entgehen, muss Tropenmediziner Frühwein jedoch enttäuschen: "Das Risiko ist natürlich nicht nur auf Flugreisen begrenzt, sondern besteht überall da, wo sich Menschen über längere Zeit beengt aufhalten müssen." Also auch in Bussen, Bahnen – und im eigenen Auto.

| BayNews

Weitere Berichte zu: Acetylsalicylsäure Reisethrombose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise