Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatzpunkt im Kampf gegen Schlaganfall und Herzinfarkt

07.10.2003


Ruhende Thrombozyten. / Foto: Universität Heidelberg.


Aktivierte Thrombozyten. / Foto: Universität Heidelberg.


Heidelberger Wissenschaftler identifizieren Protein, das Blutplättchen aktiviert und dadurch Thrombosen hervorruft / Veröffentlichung in "Nature Medicine"

... mehr zu:
»Herzinfarkt »Protein »Schlaganfall

Wissenschaftler am Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Offermanns haben ein Protein namens G13 identifiziert, dessen Funktion entscheidend für die Blutstillung sowie die Ausbildung von Thrombosen ist. Sie haben ihre Ergebnisse in der jüngsten Ausgabe von "Nature Medicine" (11/2003) veröffentlicht, die vorab online im Internet publiziert ist. Das entdeckte Protein könnte ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklung effektiver Medikamente gegen Herzinfarkt und Schlaganfall sein.

Das Protein G13 ist ein wichtiger "Signalvermittler" bei der Ausbildung von arteriellen Gefäßverschlüssen, die durch die Zusammenklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten) verursacht werden. Thrombozyten zirkulieren in großer Zahl im menschlichen Blutkreislauf (ein Tropfen Blut enthält mehrere Millionen Blutplättchen). Kommt es zu Verletzungen der Gefäßwand, so sind Blutplättchen als schnelle "Reparatur-Einsatztruppe" sofort zur Stelle und sorgen für eine rasche Blutstillung: An der verletzten Gefäßwand werden kleine Pfropfen (Thrombozyten-Aggregate) gebildet, die den Defekt verschließen.


Hemmung der Blutplättchen ist ein vielversprechender Therapieansatz

Thrombozyten haben jedoch auch ein gefährliches Potential, wenn sie im intakten Blutgefäß aktiviert werden. Sie verlegen das Gefäß und blockieren die Blutversorgung wichtiger Organe, zum Beispiel bei Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dabei lagern sich die Blutplättchen häufig in atherosklerotisch veränderten Gefäßen ab. Die Deaktivierung der Blutplättchen ist deshalb einer der vielversprechendsten Therapieansätze. Dies hat auch der Erfolg von Acetylsalicylsäure (Aspirin) gezeigt, die in niedrigen Dosen die Thrombozytenfunktion hemmt und mittlerweile Standardtherapie für die Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall ist.

Das Protein G13 sitzt an der Innenseite der Zellwand und gibt die Signale bestimmter Eiweißmoleküle (Rezeptoren) auf der Thrombozyten-Oberfläche an das Zellinnere weiter. Dadurch werden Prozesse in den Zellen in Gang gesetzt, die für die Bildung stabiler Thrombozyten-Aggregate von entscheidender Bedeutung sind. Die Heidelberger Wissenschaftler stellten zusammen mit Kollegen aus Würzburg und München fest, dass Mäuse, denen das Protein selektiv in ihren Blutplättchen fehlt, resistent gegen das Auftreten von arteriellen Thromben sind. Ansonsten sind diese Tiere jedoch gesund und leiden nicht unter spontanen Blutungen.

"Das Protein G13 sowie die von ihm regulierten intrazellulären Prozesse sind neue interessante potentielle Zielstrukturen für Arzneimittel, die für die Prävention und Behandlung von Erkrankungen wie dem Herzinfarkt oder dem Schlaganfall eingesetzt werden können", erklärt Prof. Dr. Stefan Offermanns. Denn nach wie vor sind Behandlung und Vorbeugung dieser Erkrankungen noch unzureichend und der Bedarf an schlagkräftigen neuen Substanzen groß.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Stefan Offermanns
Geschäftsführender Direktor
Pharmakologisches Institutes
Universität Heidelberg
Fax: 06221-548549
Email: stefan.offermanns@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles

Weitere Berichte zu: Herzinfarkt Protein Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops