Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lipid als "Weichmacher" fördert die Metastasierung

09.09.2003


Tumorzellen passieren Membranporen - ein Kamel geht durchs Nadelöhr


Das Keratin-Zytoskelett einer menschlichen Tumorzelle aus der Bauchspeicheldrüse, oben ohne Zugabe des Lipids, unten in Anwesenheit des bioaktiven Lipids SPC



Trotz verbesserter Diagnostik und Therapie führen Tumorerkrankungen neben den Herz- Kreislauf-Erkrankungen die Todesursachenstatistik in der westlichen Welt nach wie vor an. Aussicht auf Heilung besteht in der Regel nur, wenn der Tumor in einem frühen Stadium erkannt wird und noch keine Metastasenbildung stattgefunden hat. Danach sind die Therapien deutlich weniger erfolgreich. Die biologischen Grundlagen der Metastasierung sind trotz ihrer immensen klinischen Bedeutung nur unzureichend aufgeklärt.



Metastasierung ist ein komplexer Prozeß aus mehreren Teilschritten. Die Tumorzellen lösen sich vom Primärtumor ab, wandern in das Gefäß- oder Lymphsystem ein und infiltrieren aus diesem System heraus andere Organe, z.B. Leber oder Lunge. Um in diese Gewebe zu gelangen, müssen die Tumorzellen Bindegewebe und die Wand von Blutgefäßen passieren. Dazu müssen sie in der Lage sein, ihre Form und ihre elastischen Eigenschaften rasch zu verändern. Die dazu notwendige Umorganisation der Zellarchitektur läßt an ein Kamel denken, das durchs Nadelöhr geht: Tumorzellen haben ein gut organisiertes Stützgerüst, das sogenannte Zytoskelett, das Form und Stabilität der Zelle aufrechterhält.

Wissenschaftler der Abteilungen Innere Medizin I und Elektronenmikroskopie der Universität Ulm und der Abteilung Physikalische Chemie der Universität Heidelberg berichten in der Septemberausgabe 2003 des renommierten Fachjournals Nature Cell Biology, daß ein bioaktives Lipid, Sphingosylphosphorylcholin (SPC), das Zytoskelett und die elastischen Eigenschaften von menschlichen Tumorzellen grundlegend verändern kann. Dieses Lipid kommt physiologischerweise beim Menschen im Blut vor, bei Patienten mit Tumorerkrankungen in erhöhter Konzentration. Bringt man dieses Lipid mit menschlichen Tumorzellen zusammen, ändert sich deren Zytoskelett-Struktur. Ein wesentlicher Teil des Zytoskeletts, die sogenannten Keratinfilamente, werden durch das Lipid völlig neuorganisiert, wie die Arbeitsgruppe unter Leitung von PD Dr. med. Thomas Seufferlein, Ulm, zeigen konnte. Auch werden, wie die Forscher gleichfalls herausfanden, im Kontext dieser Neuorganisation die Zellen elastischer, "weicher" und damit leichter verformbar.

Dieser nur durch das Lipid auslösbare "Weichmachereffekt" tritt innerhalb weniger Minuten ein. Menschliche Tumorzellen aus Bauchspeicheldrüsen- und Magenkarzinomen, die mit dem Lipid behandelt wurden, wandern dadurch deutlich leichter durch Membranporen, die wesentlich kleiner sind als die Zellen selbst. Die Beobachtungen zeigen einen völlig neuen Mechanismus der Formänderung sowie der Änderung der elastischen Eigenschaften von Tumorzellen als Voraussetzung ihrer kolonisierenden Einwanderung in Gefäße und Gewebe.

Kontakt: PD Dr. Thomas Seufferlein, Abteilung Innere Medizin I der Universität Ulm, Tel. 0731-5000; Email: thomas.seufferlein@medizin.uni-ulm.de

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: Gewebe Lipid Metastasierung Tumorzelle Zytoskelett

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung