Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein verantwortlich für HIV-assoziierte Demenz

25.06.2003


Zehn bis 15 Prozent der HIV-Patienten entwickeln im Laufe ihrer Krankheit eine geistige Beeinträchtigung - die HIV-assoziierte Demenz (HAD). Forscher des University of Puerto Rico Medical Sciences Campus in San Juan und der University des Nebraska Medical Centers in Omaha haben nun ein Protein entdeckt, dass am Entstehen der Demenz beteiligt ist.



In der Studie wiesen HIV-Patientinnen mit Demenz ein ausgeprägtes Protein-Muster in ihrem Blut auf, im Gegensatz zu Patientinnen, die nicht unter HAD leiden. Die Ergebnisse der Studie könnten den Weg für ein neues Diagnoseverfahren bereiten. Die Studie wurde unterstützt vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS). Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Neurology in der Ausgabe vom 24. Juni veröffentlicht.

... mehr zu:
»Demenz »HAD »Protein


"Es wird noch einige Zeit dauern, aber unsere Studie zeigt uns, dass wir vielleicht in der Lage sein werden, HIV-assoziierte Demenz mit einem Bluttest zu diagnostizieren", sagte Studienleiterin Loyda Melendez vom University of Puerto Rico Medical Science Campus in San Juan. Die Wissenschaft weiß noch nicht genau, wie die HIV-Infektion zu HAD führt. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass der HIV-Erreger Immunzellen im Blut attackiert, die in das Gehirn führen. Bei einem gesunden Menschen versorgen diese Immunzellen, so genannte Monozyten, das Gehirn. Die Studie legt die Annahme nahe, dass die von dem HIV-Erreger beschädigten Zellen Substanzen freisetzen, die Gehirnzellen schädigen.

Untersucht wurden 31 spanische Frauen im Alter von 21 bis 45 Jahren: Neun der Probandinnen hatten HIV und relativ fortgeschrittene geistige Beeinträchtigungen, zwölf lebten mit HIV ohne Demenz und zehn HIV-negative Frauen ohne jedwede geistige Einschränkungen bildeten die dritte Gruppe. Innerhalb von drei Monaten wurden die Frauen umfassenden neurologischen Untersuchungen unterzogen. Darüber hinaus wurden Blutproben entnommen. Forscher des Nebraska Medical Centers verwendeten zur Auswertung der Untersuchungsergebnisse eine relativ neue Technik, die Proteomik, um die Muster in der Aktivität gewisser Proteingruppen zu entschlüsseln. Diese Proteingruppen geben jeder einzelnen Patientin einen molekularen "Fingerabdruck". Die Auswertung ergab, dass von 177 der untersuchten Proteine 38 unterschiedliche Aktivitätsmuster bei den HAD-Patientinnen zeigten im Vergleich zu den Patientinnen ohne Demenz. Alle Patientinnen mit diesen ausgeprägten Proteinmustern waren HAD-positiv, aber nicht alle HAD-Patientinnen zeigten diese Muster.

Die Ergebnisse lassen hoffen, dass Mediziner einmal in der Lage sein werden, HAD mit einem einfachen Bluttest zu diagnostizieren. Ein solcher Bluttest wäre schneller, billiger und spezifischer als die derzeit verwendeten Magnet-Resonanz-Tomographien und die klinischen Untersuchungen. Blickt man noch weiter in die Zukunft, könnten Forscher spezifische Proteine in HIV-Patienten entdecken, die zur Demenz führen. Werden dann Wege gefunden, diese Proteine zu blockieren, könnte HAD vermieden werden. "Unsere Studien sind ermutigend, aber die Proteomik steckt noch in den Kinderschuhen. Wir haben den ersten Schritt einer langen Reise gemacht, um bessere Wege zu finden für die Diagnose der HAD und anderer Erkrankungen", gibt sich Howard Gendelman vom Nebraska Medical Center hoffnungsvoll. Die Forscher planen, ihre Studie auf einen längeren Zeitraum auszuweiten und mit einer größeren Zahl - auch männlicher Probanden fortzusetzen. HAD äußert sich in Gedächtnisverlust und im Verlust der Denkfähigkeit. Bei einigen Patienten können auch Probleme mit der Motorik auftreten und/oder Änderungen in ihrem Verhalten und ihrer Persönlichkeit.

Bettina Benesch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.upr.clu.edu
http://www.unmc.edu
http://www.ninds.nih.gov

Weitere Berichte zu: Demenz HAD Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise