Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie belegt Zusammenhang zwischen Stress und Herzinfarkt

06.06.2003


Die oft gehörte, aber bisher unbewiesene Aussage von Patienten, Ursache ihres Infarktes sei der psychische Stress, kann seit kurzem auf eine molekulare Grundlage zurückgeführt werden.


Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Andreas Heinz von der "Klinik für Psychiatrie" der Charité präsentierte die erste Studie, die zeigt, daß psychischer Stress sich nicht nur auf das Netz der Abwehrzellen (Immunzellen) des Körpers auswirkt, sondern sich auch direkt auf die Blutgefäße auswirkt. Es kommt zu vermehrter Ausschüttung sogenannter Adhäsionsmoleküle auf der Oberfläche von Immunzellen. Das wiederum erleichtert deren Anheftung an die Innenwand von Blutgefäßen und begünstigt dadurch die Entwicklung der Arteriosklerose ("Arterienverkalkung"). Außerdem werden vermehrt Interleukine ausgeschüttet. Das sind Substanzen, die Signale zwischen den Immunzellen vermitteln und sie aktivieren.

Die Erkenntnisse ergeben sich aus Untersuchungen an 18 jungen, gesunden Ärzten, die sich erheblichem psychischen Stress ausgesetzt sahen, als sie vor Experten einen wissenschaftlichen Vortrag halten mussten, der Bedeutung für ihre Karriere hatte. Schon vor der eigentlichen Belastung wurde bei allen Probanden - als sicheres Indiz von "Stress" - eine Erhöhung der Konzentration von Cortisol, einem Hormon aus der Nebenenierenrinde, im Blut festgestellt. Damit war gesichert, daß die jungen Ärzte tatsächlich unter unangenehmer, psychischer Belastung standen.


Bei allen beteiligten Medizinern fanden die Wissenschaftler der Charité eine Erhöhung der Signalstoffes ICAM-1 im Blut. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Adhäsionsmolekül, das für die Anheftung von weißen Blutkörperchen (Monozyten, Lymphozyten) an geschädigte Gefäßinnenhaut bedeutsam ist und so der Arteriosklerose den Weg bahnt. Je mehr ICAM-1 gebildet wird, desto stärker wird die Einwanderung von Immunzellen in entzündetes Gewebe erleichtert.

Indessen ist die Menge an ICAM-1 von der Höhe des Streß abhängig: Meßbar hoch stieg ICAM-1 erst dann an, wenn die psychische Belastung, - gemessen am Anstieg des Cortisols - eine bestimmte Höhe erreicht hatte. Bei nur geringem Stress scheint ICAM-1 durch Cortisol in Schach gehalten zu werden.

Außer dem Adhäsionsmolekül ICAM-1 fand sich bei den gestressten Ärzten auch eine vermehrte Freisetzung bestimmter Interleukine (IL-1beta und IL-2). Interleukine sind Signalgeber zwischen den Zellen des Immunsystems. Auch diese Substanzen wirken an der Wand von Blutgefäßen. So fördert IL-1beta die Anheftung von Immunzellen an die Gefäßinnenhaut, was sich in bereits verengten Gefäßen (am Herzen oder im Gehirn) gefährlich als Infarkt oder Schlaganfall auswirken kann. Begünstigt wird dieser Vorgang durch die ebenfalls festgestellte erhöhte Produktion von IL-2, denn dieses Interleukin aktiviert Immunzellen wie Lymphozyten und Fresszellen (Makrophagen) zu Reparaturarbeiten an vorgeschädigten Gefäßwänden. Dabei kann dann das Gefäßlumen weiter eingeengt werden.

Die Wissenschaftler konnten ihre Ergebnisse im angesehenen Fachblatt "Psychopharmakology"( [2003] 165,; 111-117) veröffentlichen.

(Ansprechpartner: Professor Dr. Andreas Heinz, Tel: (030) 450-51 70 01 )
(6. 6. 2003) Silvia Schattenfroh

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Adhäsionsmolekül Blutgefäß Cortisol ICAM-1 Immunzelle Interleukin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie