Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Forschungsergebnisse belegen: Zecken möglichst schnell entfernen

13.03.2003


Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist die bedeutendste durch Zecken übertragene Viruserkrankung Europas. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 250 Personen an FSME, rund 30 Prozent davon schwer. Zehn Prozent aller Patienten weisen bleibende, teilweise schwerste neurologische Schäden auf. Zwei Prozent der Patienten sterben daran. Risikogebiete für eine Infektion mit FSME existieren in Deutschland in Bayern, Baden-Württemberg und, mit zunehmender Tendenz, im Odenwald. In Rheinland-Pfalz ist ein Landkreis als Gebiet mit geringem Risiko eingestuft und auch in Thüringen wurde FSME jetzt in drei Landkreisen nachgewiesen. Neue Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass ähnlich wie bei der Lyme-Borreliose, das Infektions-Risiko der FSME mit der Dauer der Blutmahlzeit der Zecke am Menschen steigt. Die Forschungsergebnisse werden neben zahlreichen anderen im Rahmen des "VIIth International Potsdam Symposium on Tick-borne Diseases" vorgestellt, das heute und morgen im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stattfindet. An der Veranstaltung nehmen 200 Wissenschaftler aus 26 Ländern teil.

... mehr zu:
»FSME »FSME-Vire

Um den Durchseuchungsgrad der Zecken mit FSME-Viren zu bestimmen und entsprechende Risikogebiete festzulegen, werden Zecken aus ausgewählten Gebieten auf diese Viren untersucht. Am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin geschieht dies im dort angesiedelten Referenzlaboratorium für durch Zecken übertragene Krankheiten. In den letzten Jahren beobachteten die Wissenschaftler einen Rückgang der Durchseuchungsraten von Zecken: Während 1997 noch bei fünf Prozent der "erwachsenen" Zecken im Schwarzwald und in der Umgebung von Passau FSME-Viren nachgewiesen werden konnten, lagen die Werte in den letzten Jahren nur noch bei einem Prozent. Die Durchseuchungsrate der Nymphen (der "jungen" Zecken) lag sogar noch darunter.

Umso überraschender ist das Ergebnis einer neuen Studie des Referenzlaboratoriums im BfR in Zusammenarbeit mit einem Labor in Passau: Danach wird der Durchseuchungsgrad von erwachsenen Zecken, die bereits am Menschen gesogen haben, im Passauer Raum für das Jahr 2001 mit fast zehn Prozent beziffert. Die "Viruslast" der erwachsenen Zecken, die in diesem Gebiet aus dem Freiland gesammelt und untersucht wurden und die noch nicht am Menschen gesogen haben, lag dagegen bei dem erwarteten Wert von rund einem Prozent. Ähnlich stellen sich die Ergebnisse bei Nymphen (den "jungen" Zecken) dar: Während 0,4 % der frei lebenden Nymphen im Passauer Raum, die noch nicht am Menschen gesogen hatten, das Virus trugen, erreichten die Werte bei denen, die dies bereits getan hatten, sieben Prozent. Alle Durchseuchungsraten wurden molekularbiologisch ermittelt und durch Nukleinsäuresequenzdaten gesichert.


Warum FSME-Viren in "gesogenen" Zecken offenbar sehr viel häufiger nachgewiesen werden können als in Zecken, die noch keine derartige Blutmahlzeit hinter sich haben, ist noch weitgehend unklar. Eine mögliche Erklärung könnte eine starke Virusvermehrung während der Blutaufnahme sein. Möglicherweise wurden in der Vergangenheit Zecken als "virusfrei" klassifiziert, weil ihre "Viruslast" so gering war, dass sie mit den gegenwärtig verfügbaren Methoden nicht nachgewiesen werden konnte.

Seit dem Inkrafttreten des neuen Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 müssen alle FSME-Fälle dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldet werden. Die so erhaltenen Daten erlauben eine recht zuverlässige Einschätzung des Krankheitsniveaus. Einzelne importierte Fälle spielen danach nur eine untergeordnete Rolle. Für das Jahr 2001 wurden dem RKI auf der Basis des IfSG insgesamt 254 FSME-Erkrankungen gemeldet (s. Epid. Bull. 17/2002), darunter 108 Fälle aus Bayern und 117 aus Baden-Württemberg, 2002 insgesamt 239 Erkrankungen, darunter 78 aus Bayern und 114 aus Baden-Württemberg. Weitere Bundesländer mit Einzelerkrankungen waren Thüringen (3 Fälle 2001 und 8 Fälle 2002) und Hessen (10 Fälle 2001 und 13 Fälle 2002).

Das BfR weist noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass nur die aktive Schutzimpfung vor einem Aufenthalt in FSME-Risikogebieten einen sicheren Infektionsschutz bietet. Gegenwärtig sind in Deutschland zwei gut verträgliche und hoch wirksame Impfstoffe für Erwachsene sowie ein Impfstoff für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zugelassen.

Die Ergebnisse des Symposiums werden veröffentlicht. Die Zusammenfassungen der Beiträge stehen auf der Homepage des Instituts (www.bfr.bund.de) unter dem Menupunkt "Veranstaltungen" zur Verfügung.

Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92,
D - 14195 Berlin,
Telefon: 01888/412-4300,
Telefax: 01888/412-4970

Dr. Irene Lukassowitz | idw

Weitere Berichte zu: FSME FSME-Vire

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie