Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Niedrig-dosierter Blutgerinnungshemmer Warfarin wirkt in Langzeit-Therapie sicher gegen Blutgerinnsel

25.02.2003


Zwei US-Ärzte haben eine landesweite Multicenter-Studie zur Behandlung von Blutgerinnsel frühzeitig abgeschlossen. Eine Zwischenanalyse der Patientendaten brachte bereits den Beweis, dass sich geringe Mengen des kostengünstigen Blutgerinnungshemmers Warfarin zur Behandlung gefährlicher Blutgerinnsel in den Venen eignen.



Einem Langzeit-Einsatz von Warfarin, das in der Studie das Blutgerinnsel-Risiko um 64 Prozent reduzierte, stehe nichts entgegen. Warfarin wird bereits seit den 50er-Jahren eingesetzt. Bislang fehlten aber die Beweise einer sicheren Langzeit-Therapie bei Personen mit hohem Risiko. Die Studie wurde finanziell nicht von Pharmakonzernen unterstützt. Sie könnten mitunter auch kein Interesse dafür haben, zumal Warfarin ein Generikum ist, erklärt einer der Forscher gegenüber der New York Times.



Für gewöhnlich erhalten Personen, bei denen sich ein Blutgerinnsel bildet, Warfarin über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten. Da es allerdings das Risiko schwerer Blutungen erhöht, wird es danach abgesetzt. Ohne Warfarin wiederum bildet sich bei einem Drittel der Patienten innerhalb von acht Jahren erneut ein Blutgerinnsel. In der aktuellen Studie "Prevent" unter der Leitung von Stephan Moll von der University of North Carolina/Chapel Hill und Paul Ridker vom Brigham and Women’s Hospital in Boston erwies es sich als sinnvoll, wenige Wochen nach der Standardbehandlung mit der vollen Warfarin-Dosis mit der Hälfte der Dosis fortzusetzen. Das Risiko einer Blutgerinnsel-Bildung werde mit der geringen Dosis verhindert, ohne das Risiko von Blutungen zu erhöhen, schreiben die Studienleiter in der Online-Ausgabe des Fachblatts New England Journal of Medicine. Im Print erscheinen die Ergebnisse erst am 10. April. Aufgrund der direkten Auswirkungen der Ergebnisse für Patienten wurde die Online-Publikation vorgezogen.

Insgesamt nahmen an der Studie 52 Zentren in den USA, Kanada und der Schweiz teil. 508 Risiko-Patienten, die Zeit ihres Lebens aus unbestimmten Gründen bereits ein Blutgerinnsel gebildet hatten, wurden in zwei Gruppen geteilt. Alle hatten eine Antikoagulanzbehandlung mit der vollen Dosis für mindestens drei Monate hinter sich. Während eine Gruppe im Anschluss eine inaktive Substanz erhielt, wurde bei der zweiten Gruppe mit der eingeschränkten Warfarin-Behandlung fortgesetzt. "Die erwies sich nicht nur als sicher, es erhöhte sich auch das Blutungsrisiko nicht. Darüber hinaus verhinderte die weiter geführte Behandlung die Rückkehr von Blutgerinnseln", erklärte Moll. Von den 253 Placebo-Patienten entwickelten 37 erneut ein Blutgerinnsel. Bei jenen 255 Patienten, bei denen die niedrig-dosierte Warfarin-Behandlung fortgesetzt wurde, bildeten nur 14 erneut ein Blutgerinnsel. Während in der ersten Gruppe acht Personen starben, waren es in der zweiten Gruppe nur vier. "Aus ethischen Gründen stoppten wir die Studie drei Jahre schneller als geplant. Alle Patienten mit Blutgerinnseln unbekannter Herkunft sollen die Chance der niedrig-dosierten Warfarin-Behandlung erhalten", ergänzt Moll. Zwischen 10.000 und 40.000 Menschen sterben allein in den USA jährlich durch Blutgerinnseln in den Lungen. Ihren Ursprung haben diese meistens zwar in den Beinen, die Hälfte wandert aber zu den Lungen und führen zur tödlichen Lungenembolie.

Sandra Standhartinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nejm.com
http://www.unc.edu

Weitere Berichte zu: Blutgerinnsel Blutgerinnungshemmer Warfarin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie