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Neue Erkenntnisse bei Behandlung von akuter Lungenembolie

10.10.2002


Studie zeigt, blutgerinnselauflösendes Medikament verbessert Krankheitsverlauf



Die Ergebnisse einer im renommierten New England Journal of Medicine publizierten Studie zeigen, dass das Thrombolytikum (blutgerinnselauflösendes Medikament) Alteplase (rt-PA) den Krankheitsverlauf von Patienten mit einer schweren, so genannten submassiven Lungenembolie verbessern kann. Bei diesen Patienten ist die Herzfunktion wegen großer Blutgerinnsel in der Lungenstrombahn beeinträchtigt. Ohne die rechtzeitige Behandlung können sich bei ihnen rasch lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln. "Bisher wurde eine Thrombolyse nur bei Patienten mit massiver Lungenembolie und Kreislaufkollaps durchgeführt. Diese Studie zeigt uns nun, dass auch Patienten mit schwerer Lungenembolie und noch stabilen Kreislaufverhältnissen von der thrombolytischen Therapie profitieren können", sagt der Erstautor der Studie Privatdozent Doktor Stavros Konstantinides. "Angesichts dieser Ergebnisse sollte die Gabe von Thrombolytika bei Lungenembolie-Patienten früher und öfter als bisher erwogen werden." Dr. Stavros Konstantinides ist Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Pneumologie, Herzzentrum, an der Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß).



Die an insgesamt 49 Kliniken durchgeführte Studie ist mit 256 Patienten die bisher größte Thrombolyse-Studie bei Lungenembolie. 118 Patienten erhielten Alteplase und Heparin, während 138 Patienten mit Heparin plus Placebo behandelt wurden. Untersucht wurde der Krankheitsverlauf im Hinblick auf die Todesursache oder eine Verschlechterung des klinischen Zustandes, die eine Steigerung der Therapie erforderlich machte. Wie der Artikel im New England Journal of Medicine berichtet, trat eine solche Verschlechterung bei 25 Prozent der Patienten, die kein Thrombolytikum erhielten, jedoch nur bei elf Prozent der Patienten in der Alteplase-, also der Thrombolysegruppe ein. Von besonderer Bedeutung war in diesem Zusammenhang die Beobachtung, dass die thrombolytische Therapie in dieser Studie zu keiner Zunahme des Auftretens von größeren Blutungen führte. Insbesondere traten bei keinem Patienten Hirnblutungen auf.

"Seit vielen Jahren diskutieren wir über Nutzen und Risiken der Thrombolyse bei stabilen Patienten mit schwerer Lungenembolie", sagt Dr. Stavros Konstantinides. "Diese Studie hat uns wesentliche neue Erkenntnisse für die Behandlung unserer Patienten mit Lungenembolie gebracht. Nun können wir bestätigen, dass die Thrombolyse eine sichere und effektive Therapieform für diese Patienten darstellt".

Die klinische Studie wurde von der Arbeitsgemeinschaft Lungenembolie durchgeführt und von der Firma Boehringer Ingelheim Pharma KG unterstützt. Die Autoren der Studie Stavros Konstantinides (Bereich Humanmedizin Universität Göttingen, Abteilung Kardiologie und Pneumologie), Annette Geibel (Universitätsklinik Freiburg, Abteilung Kardiologie und Angiologie), Gerhard Heusel (Boehringer Ingelheim Pharma KG), Fritz Heinrich (Krankenhaus Bruchsal) und Wolfgang Kasper (St. Josefs Hospital Wiesbaden), haben bereits auch die multizentrischen Lungenembolie-Studien MAPPET (Management Strategies and Prognosis of Pulmonary Embolism Trial) 1 und 2 durchgeführt.


Weitere Informationen:
Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
PD Dr. Stavros Konstantinides
Abteilung Kardiologie und Pneumologie
Herzzentrum Göttingen
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel: 0551/39-6351
Fax: 0551/39-8919
E-Mail: skonstan@med.uni-goettingen.de

Rita Wilp | idw

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