Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Patientinnen und Ärzte: Eine Allianz mit Gewicht

11.09.2002


Optimismus und Aufbruchstimmung aber auch Sorgen um die Qualität von Wissenschaft und Patientenversorgung bestimmen den Auftakt des 54. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der vom 10. bis 14. September in Düsseldorf stattfindet. Rund 3000 Frauenärztinnen und Frauenärzte werden teilnehmen. Das Motto: Forschung für die Frau in einer neuen Welt.

"Die Entwicklung in unserem Fach ist gekennzeichnet durch herausragende wissenschaftlich begründete Leistungen, die unseren Patientinnen und auch der Gesellschaft insgesamt zugute kommen." Professor Hans-Georg Bender, Direktor der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, stellt seinen Kolleginnen und Kollegen zum Auftakt des 54. Kongresses der Gesellschaft ein gutes Zeugnis aus.
So reduzieren etwa endoskopische Operationstechniken ("Schlüsselloch-Chirurgie") deutlich die Belastungen bei operativen Eingriffen und die deutsche Geburtshilfe spielt - Dank Perinatalerhebungen und interner Qualitätskontrolle - international in der ersten Liga mit. Auch bei der vielfach kritisierten Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen sieht Bender Fortschritte: "Die Onkologie ist im Programm dieses Kongresses besonders stark mit hervorragender, molekularbiologisch geprägter Grundlagenforschung vertreten." Durch Studien zum Eierstock- und Brustkrebs werde darüber hinaus der lange Zeit vermisste Anschluss an die internationale Wissenschaftsfront zunehmend hergestellt. Dies belegen Daten der International Cancer Agency in Lyon: Die langfristigen Heilungsergebnisse bei Brustkrebs sind in Deutschland besser als in anderen europäischen Ländern, "auch in solchen", betont Bender, "die mit etablierten Mammographie-Screening-Programmen vielfach als vorbildlich und nachahmenswert hingestellt werden."
Die Besonderheiten des Faches sorgen indes dafür, dass es auch genug Stoff für kontroverse und kritische Diskussionen gibt. Beispiele dafür sind die Präimplantationsdiagnostik, die von der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in speziellen Fällen und unter strenger Kontrolle befürwortet wird. Ein anderes Beispiel ist die Diskussion um Spätabbrüche von Schwangerschaften. Auch bei diesem Thema wollen die Gynäkologen eine öffentliche Diskussion anstoßen - und folgen damit einem Entscheid des Bundesverfassungsgerichtes. Dieses hatte gefordert, die Auswirkungen der Neuregelung des §218 regelmäßig zu überprüfen.
Sorgen bereitet Bender die zunehmende bürokratische Gängelung der Medizin. Diese erschwere inzwischen die Versorgung der Patienten und die Forschung gleichermaßen. "Es ist absehbar", kritisiert der Tagungspräsident, "dass unsere wissenschaftliche Leistungsfähigkeit mit der internationalen Entwicklung nicht Schritt halten kann, wenn sich die derzeitigen Rahmenbedingen nicht ändern."
DRG und DMP: Von den Patienten ist keine Rede mehr
Bei der gesundheitspolitischen Diskussion würden Fachwissen und Sachverstand offenkundig eher als störend empfunden. Den Ärzten werde unterstellt, dass sie mit ihren Äußerungen bevorzugt nur ihre Eigeninteressen vertreten und ihre Positionen daher von minderer Bedeutung seien. Derzeit würden Strukturen gestaltet, warnt Bender, ohne auf die Priorität des Patienten-Arzt-Verhältnisses Rücksicht zu nehmen: "Es werden nur noch Diagnosen gruppiert und Krankheiten gemanagt - von den Patienten ist keine Rede mehr."
Zwar hält auch Bender eine umfassende Dokumentation medizinischer Leistungen für erforderlich, um die Qualität zu sichern. "Doch dies sollte von spezialisierten Kräften gemacht und nicht von den Ärzten erwartet werden, die inzwischen schon mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit solchen Aufgaben verbringen, anstatt Patienten zu behandeln." Würden Ärzte sich nur um Patienten kümmern und die Dokumentation in anderen Händen liegen, könnten innovative Therapien sehr viel effektiver als bislang möglich auf ihr tatsächliches Potenzial abgeklopft werden. "Wir brauchen angesichts der steigenden Kosten für neue Therapiestrategien dringend neue Konzepte, um die Verfahren schnell zu überprüfen", fordert Bender. "Nur so erhalten wir Hinweise, auf welche Verfahren oder Medikamente wir guten Gewissens verzichten können."
Erstmals öffnet sich ein medizinischer Fachkongress in diesem Umfang den eigentlich Betroffenen: den Frauen. Im Rahmen der Hauptsitzungen treten diese als Expertinnen in eigener Sache mit Vorträgen und Diskussionsbeiträgen an. Ziel ist eine Allianz zwischen Patientinnen und Ärzten, die sich, sagt Bender, "in Zukunft wieder ein größeres politisches Gewicht erkämpfen muss."

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Hans Georg Bender
Tagungspräsident - Präsident der DGGG
Direktor der Frauenklinik der Heinrich-Heine Universität
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
Tel.: 0211-81-17500; Fax: 0211-81-18483
E-Mail: benderhg@uni-duesseldorf.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Gynäkologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie