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Kombiniert und intensitätsmoduliert: Fortschritt durch neue Formen der Strahlenbehandlung

28.06.2002


Durch technisch komplexe Bestrahlungsverfahren und eine Kombination von Strahlen- und Chemotherapie erzielen Mediziner bei verschiedenen Tumorleiden inzwischen bessere Behandlungsergebnisse. Insbesondere bei Kopf-Hals-Tumoren berichten Experten auf dem morgen beginnenden Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Berlin erstmals von deutlichen Fortschritten.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 13.000 Menschen an Karzinomen in der Kopf- und Halsregion. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate beträgt bei Männern 43 Prozent, bei Frauen 56 Prozent, d.h. nur jeder zweite Patient überlebt die ersten fünf Jahre nach der Diagnosestellung.

Neben einer Operation spielt die Strahlentherapie bei diesen Tumorarten eine ent-scheidende Rolle. Bei der Bestrahlung müssen jedoch das Rückenmark und die sehr empfindlichen Speicheldrüsen geschont werden. Fällt beispielsweise durch eine hochdosierte Mitbestrahlung der Speicheldrüsen deren Funktion aus, so leidet der betroffene Patient mitunter dauerhaft unter quälender Mundtrockenheit.

Fortschritte bringt auf diesem Gebiet inzwischen die so genannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). Sie wird vor allem in solchen Körperregionen eingesetzt, wo ein Tumor in unmittelbarer Nachbarschaft zu besonders strahlenempfindlichen Organen liegt.

Bei der IMRT handelt es sich um eine technisch hochkomplexe Variante der Bestrahlung, bei der sich die Konturen des Bestrahlungsfeldes während der Behandlung in berechneter Weise verändern. Dies geschieht, indem sich schmale Bleilamellen im Kopf des Gerätes vor und zurück bewegen und so verschiedene Formun-gen des Bestrahlungsfeldes hervorrufen. Damit kann eine noch präzisere Anpassung des Bestrahlungsvolumens an die individuelle Form des Tumorgebietes erreicht und das
gesunde Gewebe noch effektiver geschont werden.
Forscher der Universität Dresden stellen auf der DEGRO-Tagung eine Technik vor, bei der Kopf-Hals-Tumoren aus verschiedenen Winkeln in intensitätsmodulierter Technik bestrahlt werden. Durch diese Art der Behandlung konnten sie die Dosisbelastung an der Ohrspeicheldrüse um über 50 Prozent vermindern und damit den kritischen Bereich für die Entwicklung einer Funktionseinbuße unterschreiten. Über ähnliche Erfahrungen berichten auch die Strahlentherapeuten der Universität Jena. Auch an der Charité in Berlin kommt die IMRT bei Kopf-Hals-Tumoren neuerdings routinemäßig zum Einsatz .

Bessere Prognose bei Kopf-Hals-Tumoren durch Kombinierte Therapie

Im Rahmen einer bundesweiten Studie untersuchten Ärzte unter der Leitung der Strahlentherapeuten der Charité, ob eine kombinierte Radio-Chemotherapie einer alleinigen Strahlenbehandlung überlegen ist. Insgesamt nahmen 384 Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren der Kopf-Hals-Region an dieser Studie teil. Eine Gruppe wurde zweimal täglich bestrahlt, die andere Gruppe behandelten die Ärzte zusätzlich mit einer Chemotherapie. Es handelte sich um eine sogenannte primäre Therapie, d.h. es erfolgte keine Operation. Nach drei Jahren betrug die Gesamt-Überlebensrate für nur bestrahlte Patienten 30 Prozent während sie bei den kombiniert behandelten Patienten bei immerhin 37 Prozent lag - ein statistisch signifikantes Ergebnis. Auch die Tumorfreiheit im Bestrahlungsfeld war bei den Patienten, die die kombinierte Therapie erhalten hatten, deutlich besser: Sie lag bei 52 Prozent, während dies bei ausschließlich bestrahlten Kranken lediglich in 40 Prozent erreicht werden konnte.

Radio-Chemotherapie auch bei vorbestrahlten Patienten noch wirksam

Erleidet ein Patient mit Kopf-Hals-Tumor trotz Bestrahlung einen Rückfall, ist eine nochmalige hochdosierte Strahlentherapie meist nicht mehr möglich. Weil das Gewebe die Bestrahlung nicht "vergisst", wären unverhältnismäßig starke Nebenwirkungen unvermeidlich. An der Universität Tübingen haben Strahlentherapeuten 21 Patienten mit Tumorrückfall abwechselnd mit Chemo- und Strahlentherapie behandelt. Die Dosis der Strahlenbehandlung war auf zwei Drittel der Erstbestrahlung beschränkt. 78 Prozent der Patienten sprachen auf die Behandlung an, der Erfolg hielt über durchschnittlich ein Jahr an.

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org/

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