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Uni Witten/Herdecke leuchtet in der Demenzforschung

15.04.2008
Neuer Fördererfolg: Zuerst Partnerstandort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen, jetzt auch Mitglied im Leuchtturmprojekt

Demenzerkrankungen werden zunehmend als eine der größten gesellschafts- und gesundheitspolitischen Herausforderungen erkannt. Die Bundesregierung hat in kurzer Folge gleich zwei, mit vielen Millionen Euro ausgestattete Forschungsförderungsprogramme aufgelegt.

In beiden Bewilligungsverfahren gehört die Universität Witten/Herdecke zu den Ausgewählten: Gerade erst im vergangenen Monat ist ihr vom Forschungsministerium der Status eines Partnerstandortes des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen zugesprochen worden. Nun zählt sie auch zu den Teilnehmern am "Leuchtturmprojekt Demenz" des Bundesgesundheitsministeriums.

Ziel des Leuchtturmprojekts ist die Verbesserung der ärztlichen und pflegerischen Versorgung demenziell erkrankter Menschen.

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"Wir forschen schon seit Jahren aus verschiedenen Perspektiven zum Thema Demenz. Die aktuellen Fördererfolge sind für uns auch ein weiterer Beweis für die Relevanz unserer Schwerpunktsetzungen", sagt Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik von der Wittener Fakultät für Medizin. Die Pflegewissenschaftlerin und Lehrstuhlinhaberin für Epidemiologie-Pflegewissenschaft war an beiden Anträgen maßgeblich beteiligt. Das aktuell im Rahmen des Leuchtturmprojekts bewilligte Forschungsvorhaben trägt den Titel "Interdisziplinäre Implementierung von Qualitätsinstrumenten zur Versorgung von Menschen mit Demenz in Altenheimen".

Für die Durchführung bekommt die Universität voraussichtlich 360.000 Euro über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. Insgesamt hatten mehr als 100 Bewerber an der Ausschreibung teilgenommen, 29 von ihnen erhalten jetzt die begehrten Drittmittel.

Das bundesweite Leuchtturmprojekt besteht aus mehreren Themenfeldern. Die Universität Witten/Herdecke beteiligt sich am Themenfeld "Sicherung einer evidenzbasierten Versorgung". Eine evidenzbasierte Vorgehensweise beinhaltet die systematische Auswertung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, darauf aufbauende alltagsrelevante Empfehlungen für Ärzte und Pflegende und die Umsetzung in den Patientenalltag.

Wie die wissenschaftlich fundierten Handlungs- und Behandlungsempfehlungen - in diesem Fall auch Qualitätsinstrumente genannt - am besten zu den Hausärzten und Pflegenden gelangen und vor allem, ob damit die Versorgung tatsächlich verbessert wird, ist das leitende Thema des Wittener Forschungsprojekts. Konkret geht es um Fortbildungen für Pflegende und Hausärzte, die Menschen mit Demenz in Altenheimen betreuen, und um die Verbesserung ihrer Zusammenarbeit.

Für ihre Studie werden die Wittener Wissenschaftler mit Pflegenden in rund 15 Altenheimen und etwa 70 Allgemeinärzten kooperieren, die für die Versorgung von Menschen mit Demenz in Wittener und Dortmunder Altenheimen zuständig sind. Sowohl die Hausärzte als auch die Pflegeexperten erhalten Schulungen mit dem gesicherten Wissen ihres jeweiligen Fachgebietes. "Eine Besonderheit unseres Ansatzes besteht darin, dass es nicht bei den disziplinspezifischen Fortbildungen bleibt.

Jede Profession bekommt im Rahmen unseres Programms auch Einblicke in die Handlungsanforderungen der anderen", betont Dr. Stefan Wilm, Leiter des Wittener Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.

Der Hausarzt ist stellvertretender Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Versorgungsforschung im Gesundheitswesen (IZVF) der Universität Witten/Herdecke. Als Sprecherin fungiert Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik vom Institut für Pflegewissenschaft. Das IZVF war federführend bei der Antragsstellung des jetzt bewilligten Projektes, in dem Pflegewissenschaft, Allgemeinmedizin, Klinische Pharmakologie, Geriatrie und das Dialogzentrum Demenz zusammenarbeiten.

Als Ergebnis ihres interdisziplinären Konzepts und der vernetzten Fortbildungen erhofft sich das Wittener Projektteam eine deutlich effizientere Zusammenarbeit von Pflegenden und Hausärzten - zum Wohle der Patienten. Angestrebt ist insbesondere, den Einsatz von Psychopharmaka zu verringern und auch allgemein eine angemessenere Medikamentenversorgung zu erreichen. Studien zufolge liegt eine wesentliche Ursache von inadäquater medikamentöser Behandlung in der mangelnden Kooperation der beteiligten Berufsgruppen. Für den Fall, dass die Wittener Studie positive Ergebnisse hervorbringt, ist eine Ausweitung des interdisziplinären Ansatzes geplant.

Das Bundesgesundheitsministerium stellt für sein Leuchtturmprojekt Demenz in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 13 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden Projekte, die durch ihre Vorbildfunktion dazu beitragen, die Demenzversorgung im Alltag der Betroffenen konkret zu verbessern. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2030 wird ihre Anzahl vermutlich um die Hälfte gestiegen sein.

Zu den Initiativen der Bundesregierung, das Wissen und die Forschung über Demenzerkrankungen voranzubringen, gehört auch die Bildung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen mit Hauptsitz in Bonn, das vom Forschungsministerium mit jährlich insgesamt 60 Millionen Euro gefördert wird. Als einer der sechs Partnerstandorte erhält Witten hierbei rund zwei Millionen Euro pro Jahr.

Kontakt:
Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, 02302/926-147, sbartholo@uni-wh.de
Dr. Stefan Wilm, 02302-926-741, Stefan.Wilm@uni-wh.de

Bernd Frye | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/medizin
http://www.uni-wh.de/presse

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