Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Es kommt sprichwörtlich "auf jeden Einzelnen" an

18.06.2002


Nachuntersuchung der "Heidelberger Langzeitstudie zu Risikofaktoren und Diagnose chronischer Erkrankungen" soll wichtige Erkenntnisse zum Verhältnis zwischen Persönlichkeit, Krebs und Herzkreislauferkrankungen liefern

Persönlichkeit, Krebs und Herzkreislauferkrankungen: Mit diesem Fragenkomplex beschäftigt sich die vor einem halben Jahr sehr erfolgreich angelaufene Studie namens HEIDE (von "Heidelberger Langzeitstudie zu Risikofaktoren und Diagnose chronischer Erkrankungen"). Es handelt sich um ein kooperatives Projekt zwischen dem Psychologischen Institut der Universität Heidelberg und der Abteilung Epidemiologie des Deutschen Zentrums für Alternsforschung (DZFA). Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden in Heidelberg und einigen Gemeinden der Umgebung etwa 5000 Personen nachbefragt, die vor zehn Jahren hinsichtlich ihrer Persönlichkeit und ihres Gesundheits-/Krankheitsstatus untersucht wurden.

Die Fragestellung der neuen Studie geht dahin, ob die damals ermittelten Merkmale der Persönlichkeit, des Lebensstiles und familiärer sowie beruflicher Umfeldbedingungen, unter Berücksichtigung der damaligen Gesundheitssituation, einen Vorhersagewert für Gesundheit oder Krankheit zum jetzigen Zeitpunkt aufweisen.

Der Forschung in diesem Bereich kommt aus mehreren Gründen eine besondere Bedeutung zu: Zum einen handelt es sich bei Krebs- und Herzkreislauferkrankungen gleichsam um "Geiseln der Menschheit", weil sie in den westlichen Ländern mit Abstand die häufigsten Todesursachen darstellen. Deshalb richten sich intensive Forschungsbemühungen sehr vieler Wissenschaftsdisziplinen auf die Ursachen, die Vermeidung und die Behandlung der besagten Krankheitsformen.

Zum anderen liegen inzwischen aus epidemiologischen Untersuchungen sowie aus Fall-, Verlaufs- und Interventionsstudien zahlreiche Hinweise darauf vor, dass psychologische Faktoren bei der Entstehung und dem Verlauf der beiden Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Welche Faktoren dies im einzelnen sind, wie ihre relative Gewichtung zu bewerten ist und welche Krankheiten über Krebs- und Herzleiden hinausgehend unter ihrem Einfluss stehen, ist nun Gegenstand von HEIDE.

Auch dem Problem der Mehrfacherkrankungen kommt große Beachtung zu; erklären sich diese beispielsweise aus der Addition der für jede Einzelerkrankung maßgeblichen Faktoren oder liegt bei Mehrfacherkrankungen ein völlig anderes Muster vor? Dabei interessiert zusätzlich die Frage, ob und gegebenenfalls inwieweit sich vielleicht das Verursachungsgeflecht gegenüber früheren Zeitpunkten verändert hat, denn einiges spricht dafür, dass beispielsweise schädliche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsarmut, die durch psychologische Faktoren (mit-)vermittelt werden, in den vergangenen Jahren abgenommen haben.

Derzeit ist mit ihrem Einverständnis ungefähr die Hälfte der Gesamtstichprobe nachbefragt worden. Die Personen werden schriftlich und zum Teil auch mündlich kontaktiert und erhalten einen Fragebogen zugeschickt, den sie ausgefüllt an das Psychologische Institut zurücksenden. Dort werden - wie es die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes erfordern - Name und Anschrift des Absenders von seinen wissenschaftlichen Untersuchungsdaten getrennt. Letztere werden, zusammen mit den Ergebnissen einer Mundspülung, die die Probanden ebenfalls freiwillig vorgenommen haben, im DZFA anonym ausgewertet.

Wohnsitzwechsel sind bei den Studienteilnehmern häufiger, als es die Forschergruppe erwartet hatte. Die Einwohnermeldeämter der betroffenen Gemeinden erweisen sich jedoch als ausgesprochen kooperativ, so dass die Forschergruppe zuversichtlich ist, alle Studienteilnehmer wieder kontaktieren zu können. Großen Wert wird bei der Untersuchung darauf gelegt, dass möglichst alle Probanden der ersten Erhebung an der Nachbefragung erneut teilnehmen. Um die Aussagekraft der Ergebnisse nicht zu beeinträchtigen, kommt es sprichwörtlich "auf jeden Einzelnen" an. Die Beteiligung aller wird ermöglichen, die Resultate auch im Sinne von Beratung und Intervention zu nutzen.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. rer. nat. Manfred Amelang
Psychologisches Institut der Universität Heidelberg
Tel. 06221 547329 oder -28, Fax 547325

Privat-Dozent Dr. med. Til Stürmer, DZFA

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317

Dr. Michael Schwarz | idw

Weitere Berichte zu: DZFA Herzkreislauferkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik