Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnose zur Früherkennung von Lungenkrebs

31.03.2008
Autofluoreszenz-Endoskopie soll Sterblichkeitsrate verringern

Einem Forscherteam der ETH Lausanne ist es gelungen, eine Methode zur frühzeitigen Erkennung von Bronchialkarzinomen zu entwickeln. Nach mehreren Jahren intensiver Forschung, klinischer Studien und technischer Entwicklung ist die Methode nun für die Markteinführung bereit, berichtet der Schweizerische Nationalfonds, der die Arbeit unterstützt hat. Die späte Diagnose für diese Form von Lungenkrebs ist für die hohe Sterblichkeitsrate verantwortlich. Lungenkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung.

Die Forscher um Hubert van den Bergh und Georges Wagnières von der ETH Lausanne haben gemeinsam mit Philippe Monnier vom Universitätsspital Lausanne ein neues Früherkennungsverfahren entwickelt. Die Diagnostische Autofluoreszenz-Endoskopie (Foto rechts) ist doppelt so empfindlich wie die herkömmliche endoskopische Untersuchung der Bronchien mit Weißlicht (Foto links). "Wir haben beobachtet, dass gesundes Bronchiengewebe, wenn es durch Licht mit einer ganz bestimmten Wellenlänge angestrahlt wird, natürlicherweise viel intensiver fluoreszierendes Licht zurückwirft als Gewebe, das Veränderungen eines Frühstadiums von Krebs aufweist", so van den Bergh im pressetext-Interview. "Diese so genannte Autofloureszenz lässt ein In-situ-Karzinom bereits in einem frühen Stadium deutlich erkennen."

Doch so einfach, wie der Ansatz klingt, war die Entwicklung des Testsystems nicht. "Wir haben 1985/86 mit einem solchen fünfjährigen Nationalprogramm begonnen", erklärt der Forscher. Eines der größten Hindernisse sei die Wahl der richtigen Wellenlänge des Lichts gewesen. "Es ging um die Frage, ob ein Tumor eventuell andere Farben hat als das normale gesunde Gewebe", erklärt der Wissenschaftler. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler mit Hilfe des Klinkers Monnier feststellen, dass die Autofloureszenz in einem Tumor mehr als zehn Mal niedriger war als in einem gesunden Gewebe. "Optimal zur Untersuchung geeignet war dabei violettes Licht, das eine Autofloureszenz im Bereich von grünem Licht erzeugt."

"Was uns aber noch mehr als die endoskopische Untersuchung interessierte, war ein optimiertes bildgebendes Verfahren", erklärt der Wissenschaftler. Dazu sind die Forscher noch einen Schritt weiter gegangen. Da die Entfernung der Primärlichtquelle vom untersuchten Gewebe einen großen Einfluss auf die Lichtmenge hat, die von der Endoskopiekamera aufgezeichnet wird, haben die Forscher eine zweite Lichtquelle entwickelt. "Dieses rote Licht, das keine Floureszenzstrahlung erzeugt, leuchtet die Bronchien aus. Das Bild entsteht nur durch die verschiedenen Lichtintensitäten, die auf die unterschiedlichen Entfernungen zwischen Gewebe und Kamera zurückzuführen sind." Durch die gleichzeitige Aufzeichnung des grünen Lichts der Autofluoreszenz und des zurückgeworfenen roten Lichts kann der Entfernungseffekt kompensiert und das Autofluoreszenz-Bild automatisch entsprechend angepasst werden.

In klinischen Studien um Monnier konnte die Methode der Autofluoreszenz-Endoskopie ausgewertet werden, wie van den Bergh erklärt. Gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen Richard Wolf wurde das Autofloureszenz-Endoskop marktreif. Nun arbeiten die Forscher an einer noch moderneren Variante des Systems - einem Autofloureszenz-Video. Wie wichtig die Krebsfrüherkennung ist, macht das Beispiel der Sterblichkeitsrate deutlich: Sie beträgt beim Nachweis in fortgeschrittenem Stadium nach fünf Jahren 80 Prozent, bei einer Diagnose eines Frühstadiums liegt sie hingegen bei nur zehn Prozent.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.epfl.ch
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften