Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alkohol erhöht das Risiko bei Operationen

04.02.2008
Bereits zwei Gläser Wein pro Tag sind gefährlich

Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, gehen bei Operationen das Risiko erheblicher Lungen-Komplikationen ein. Das haben Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin jetzt herausgefunden.

Wie die Wissenschaftler um Prof. Claudia Spies, Leiterin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Alcoholism: Clinical and Experimental Research" * berichten, trägt Alkohol erheblich zur Schwächung des Immunsystems bei.

Sie wiesen diese Reaktion bei Mäusen nach, die sie zunächst an Alkohol gewöhnten. Dann führten sie an ihnen einen kleinen Eingriff durch und setzten sie einem sehr häufigen Lungenentzündungs-Erreger aus. Das Ergebnis: Im Blut der Alkohol-Mäuse fanden sich große Mengen der Abwehr-Botenstoffe Interleukin 6 und 10. Trotzdem waren sie deutlich häufiger lungenkrank als ihre Artgenossen. "Ähnliches haben wir auch bei Menschen festgestellt, die vor der Operation häufig Alkohol tranken", erläutert Prof. Spies.

Verhältnismäßig geringe Mengen genügen, um den Effekt zu erzeugen. "Wir beobachten diese schweren Lungen-Komplikationen bereits bei Patienten, die in den drei Monaten vor der Operation jeden Tag drei Gläser Bier oder zwei Gläser Wein getrunken haben. Derartige Trinkgewohnheiten gibt es bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung", sagt Spies. Sie plant jetzt, Medikamente zu entwickeln, die später auch das Immunsystem frisch operierter Patienten bei der Abwehr gefährlicher Erreger unterstützen sollen. "Mit ersten Ergebnissen rechnen wir Anfang nächsten Jahres", meint sie optimistisch.

Die Forschergruppe um Prof. Spies ist die einzige in Deutschland, die sich mit den Folgen von Alkohol für das Immunsystem befasst. Dabei ist das Problem in Kliniken alltäglich: "Etwa 50 Prozent aller Patienten, die als Notfall eingeliefert werden, haben Alkohol im Blut", schätzt sie. Menschen, die ihre Operation planen können, sollten in den Monaten zuvor ihren Alkoholkonsum zwar einschränken, aber nicht völlig darauf verzichten. "Auch der Schock eines Entzugs kann nachteilig wirken." Besonders eindringlich ist ihr Appell an die Ärzte: "Sie müssen alle Patienten vor der Operation eingehend nach ihren Trinkgewohnheiten fragen. Es kann Leben retten, wenn man auf Komplikationen vorbereitet ist."

*Spies et al., Effects of ethanol on cytokine production after surgery in a murine model of gram-negative pneumonia. Alcoholism: Clinical and Experimental Research 2008; 32: 331-8
Kontakt
Prof. Claudia Spies
Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Charité -
Universitätsmedizin Berlin
Tel.: 030 - 450 531 012
claudia.spies@charite.de

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Berichte zu: Anästhesiologie Immunsystem Intensivmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen

25.04.2017 | HANNOVER MESSE

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Kräftiger Anstieg setzt sich fort

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Pharmacoscopy: Mikroskopie der nächsten Generation

25.04.2017 | Medizintechnik