Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärme und Strahlen gegen Prostatakrebs

01.08.2000


Wärme und Strahlen gegen Prostatakrebs
Deutsche Krebshilfe fördert neue Kombinationstherapie

Freiburg - Patienten mit Prostatakrebs im Frühstadium werden bislang in der Regel operiert. Doch zwischen 60 und 80 Prozent der Männer werden durch den Eingriff impotent. Hochmoderne Bestrahlungsmethoden bieten eine Alternative zum operativen Eingriff. Dabei wird der Tumor ganz gezielt von innen bestrahlt. Eine Freiburger Forschergruppe will diese Therapie optimieren: Damit die entarteten Zellen der Prostata besser auf die Strahlenbehandlung ansprechen, wollen sie das kranke Gewebe vor der Bestrahlung auf über 42 Grad erwärmen (Hyperthermie). Die Deutsche Krebshilfe fördert Planung und Durchführung der so genannten interstitiellen Radiothermotherapie mit über 1,5 Millionen Mark über einen Zeitraum von drei Jahren. Im September 2000 startet in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Charité in Berlin die erste Therapiestudie.

Prostatakrebs ist die zweithäufigste zum Tode führende Krebsart beim Mann. Jährlich erkranken schätzungsweise rund 30.000 Männer an einem Tumor der Prostata. Ist der Tumor auf die Prostata beschränkt, können die Ärzte ihn zumeist durch eine Operation entfernen. Die Folge dieses Eingriffes sind aber oftmals bleibende Nebenwirkungen: Viele Patienten klagen über Probleme beim Wasserlassen und über Impotenz. Wenn sich der Tumor schon auf andere Organe ausgebreitet oder Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat, dann hilft nur eine Hormonbehandlung: Da der Prostatakrebs unter dem Einfluss des männlichen Sexualhormons Testosteron wächst, unterdrückt man sein Wachstum mit Antihormonen.

Anstelle einer Operation oder auch als Ergänzungstherapie kommt eine Bestrahlung in Betracht. Eine hochmoderne Bestrahlungsmethode bietet Patienten mit einem Prostatatumor, der die Organgrenzen noch nicht überschritten hat, eine echte, nebenwirkungsarme Alternative zum operativen Eingriff. Dabei wird nicht von außen, sondern von innen bestrahlt: Unter Ultraschall-Kontrolle werden 12 bis 15 Hohlnadeln in den Tumor implantiert. Über diese Hohlnadeln wird mit Hilfe eines so genannten Afterloading-Gerätes radioaktives Material in das kranke Prostatagewebe eingeschoben. Diese Technik wird als interstitielle Therapie bezeichnet. Die Strahlendosis und die Bestrahlungshäufigkeit richten sich nach der Tumorgröße und dem Tumorstadium. Begleitend werden die Patienten in bestimmten Abständen von außen bestrahlt.

Eine Forschergruppe um Professor Dr. Hermann Frommhold und Dr. Gregor Bruggmoser von der Radiologischen Universitätsklinik in Freiburg will diese Kombinationstherapie erweitern: Die Mediziner nutzen die in den Prostatatumor implantierten Hohlnadeln, um das Gewebe vor der Strahlenbehandlung gleichmäßig auf über 42 Grad zu erhitzen. "In Experimenten konnten Wissenschaftler zeigen, dass Prostatakrebszellen nach einer Wärmebehandlung (Hyperthermie) sensibler auf radioaktive Strahlen reagieren", so Professor Frommhold.

Die Kombination aus der so genannten interstitiellen Hyperthermie und einer interstitiellen Strahlentherapie erfordert eine äußerst genaue Therapieplanung. Die in die Prostata implantierten Hohlnadeln dienen sowohl als Kanal für Wärmeantennen als auch für radioaktives Material. Die Positionen der Hohlnadeln sind dabei ganz entscheidend: Sie müssen gewährleisten, dass in jedem Bereich des Tumorgewebes eine einheitliche Temperatur erzielt sowie eine einheitliche Strahlendosis abgegeben werden kann. Dafür sind im Vorfeld komplizierte computergestützte Berechnungen nötig, die beispielsweise den Flüssigkeitsanteil und die Durchblutung des zu behandelnden Gewebes berücksichtigen. Dr. Bruggmoser berichtet über den aktuellen Stand des Projektes: "Die Phase der Therapieplanung wird bald abgeschlossen sein, so dass im September 2000 die ersten Prostatakrebs-Patienten mit Hilfe der interstitiellen Radiothermotherapie behandelt werden können."

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp |

Weitere Berichte zu: Gewebe Hyperthermie Prostata Prostatakrebs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie