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Lebensgefährlicher Septischer Schock: Hydrocortisontherapie erhöht nicht Überlebensrate

14.01.2008
Bei einer Sepsis können Krankheitserreger vom Immunsystem nicht mehr in Schach gehalten werden. Sie breiten sich massiv aus und rufen teils lebensgefährliche Symptome hervor. Dann droht ein septischer Schock, also eine überschießende systemische Entzündungsreaktion, und damit ein schweres Kreislaufversagen.

Nach Schätzungen stirbt etwa jeder zweite Betroffene daran. Professor Josef Briegel von der Klinik für Anästhesiologie des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München etablierte in den 90er Jahren einen mittlerweile weltweit genutzten Therapieansatz, bei dem ein relatives Defizit des Stresshormons Cortisol mit Hilfe des synthetisch hergestellten, aber identisch aufgebauten Hydrocortisons bei septischem Schock kompensiert wird.

In einer großen multizentrischen Studie wurden jetzt die Auswirkungen dieser Behandlung genauer untersucht. Wie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine (NEJM)" berichtet, wurde bestätigt, dass Hydrocortison hilft, ein Kreislaufversagen der Patienten rascher zu beheben. "Dies hatte allerdings keinen Einfluss auf die Überlebensrate", berichtet Briegel. "Das wiederum muss zu einem restriktiveren Einsatz dieser Therapie führen." Das NEJM stellte dem Artikel ein Editorial zur Seite, in dem der Autor noch größere Studien in diesem Zusammenhang fordert und unterstreicht, wie wenig gesicherte Daten es für die Intensivtherapie bislang gibt.

Blutvergiftung wird die Sepsis im Volksmund meist genannt: Dabei breiten sich Krankheitserreger kontinuierlich und in so großer Zahl von einem Herd im Organismus aus, dass die Körperabwehr sie nicht mehr kontrollieren kann. Es kann dann ein septischer Schock entstehen, bei dem sich die Entzündungsreaktion - also die Abwehr des Körpers - nicht mehr auf den Krankheitsherd beschränkt, sondern den gesamten Organismus ergreift. Das wiederum kann schwere Organschädigungen nach sich ziehen, etwa ein Nierenversagen oder die Ausfälle anderer Organe - und letztlich ein Kreislaufversagen.

Seit den fünfziger Jahren werden die in dieser Zeit erstmals pharmazeutisch verfügbaren Corticosteroide in der Therapie des septischen Schocks eingesetzt. Diese Substanzgruppe leitet sich vom Nebennierenrindenhormon Cortisol ab, dem klassischen Stresshormon. "In den 80er Jahren hat man aber erkannt, dass der Einsatz der hochdosierten Corticosteroide keinen Vorteil bringt", berichtet Briegel. "Sie können den Patienten sogar schädigen."

Wenig später konnten Briegel und sein Team das synthetische Cortisol-Analog Hydrocortison in der Therapie des septischen Schocks etablieren - eine mittlerweile weltweit durchgeführte Behandlungsweise. "Es handelt sich um eine Hormonersatztherapie, nicht eine Pharmakotherapie", betont Briegel. "Innerhalb weniger Jahre konnten wir und auch andere Arbeitsgruppen zeigen, dass sich das Kreislaufversagen des septischen Schocks mit Hilfe dieser Behandlung rascher beheben lässt. 2002 erfolgte dann durch eine französische Forschergruppe der Nachweis, dass dieser Therapieansatz auch mit einem verbesserten Überleben des schweren septischen Schocks verbunden ist. Das betrifft vor allem Patienten, die bereits eine relative Nebenniereninsuffizienz aufweisen."

Im Rahmen der CORTICUS-Studiengruppe formierte sich dann mit Förderung der Europäischen Kommission eine internationale Gruppe von Intensivmedizinern. Ziel der Multicenterstudie war die Untersuchung, ob alle Patienten mit septischem Schock von der Hydrocortisontherapie profitieren. "Wir konnten tatsächlich erneut nachweisen, dass das Kreislaufversagen des septischen Schocks mit Hilfe dieser Substanz schneller zu beheben ist", sagt Briegel. "Dieses positive Ergebnis hat aber keinen Einfluss auf die Überlebensrate der Patienten. Lediglich Patienten mit einer besonders schweren Form des septischen Schocks überleben mit Hydrocortison häufiger. Das Ergebnis unserer Studie wird also zu einer restriktiveren Handhabung dieser Hormonersatztherapie bei Intensivpatienten führen müssen."

Publikationen:
"Hydrocortisone Therapy for Patients with Septic Shock",
Charles L. Sprung, M.D., Djillali Annane, M.D., Ph.D., Didier Keh, M.D., Rui Moreno, M.D., Mervyn Singer, M.D., F.R.C.P., Klaus Freivogel, Ph.D., Yoram G. Weiss, M.D., Julie Benbenishty, R.N., Armin Kalenka, M.D., Helmuth Forst, M.D., Ph.D., Pierre-Francois Laterre, M.D., Konrad Reinhart, M.D., Brian H. Cuthbertson, M.D., Didier Payen, M.D., Ph.D., and Josef Briegel, M.D., Ph.D.,
New England Journal of Medicine (NEJM), 10. Januar 2008
"Corticosteroids in Septic Shock", Simon Finfer, NEJM, 10. Januar 2008
Ansprechpartner:
Professor Dr. Josef Briegel
Klinik für Anästhesiologie des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)
Tel.: 089 / 7095 - 789 1131
Fax: 089 / 7095 - 8886
E-Mail: josef.briegel@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

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