Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trick erspart Baby Unterkühlung bei Herz-Operation

10.01.2008
Die kleine Ashlee-June ist erst zwei Monate alt, und hat doch schon einen langen Leidensweg hinter sich: Das Neugeborene drohte von innen zu ersticken und musste dringend am Herzen operiert werden.

Im Vorfeld weiteten die Bonner Mediziner durch einen mitwachsenden Stent eine hochgradige Verengung der Körperschlagader auf. Dank dieses erstmals in Bonn erprobten Tricks konnten sie bei der Herz-Operation darauf verzichten, durch tiefe Unterkühlung einen Kreislaufstillstand auszulösen. Dadurch war der komplexe Eingriff am Herzen kürzer und für Ashlee-June weniger belastend.

Es war eine ganz normale Schwangerschaft. Doch dann kam der Schock für Alexandra S.. "Die Ärzte entdeckten bei unserer Tochter insgesamt drei schwere Herzfehler." Lebensbedrohlich für Ashlee-June war vor allem, dass Lungen- und Körperschlagader vertauscht aus ihrem Herzen entsprangen und die beiden großen Blutkreisläufe somit parallel verliefen. Nach der Geburt kann kein sauerstoffreiches Blut mehr in ihren Körperkreislauf gelangen. "Neugeborene mit einem solchen Herzfehler entwickeln oft in den ersten Lebenstagen eine Zynaose, eine bläuliche Verfärbung der Haut. Ohne Behandlung sterben sie meistens im ersten Lebensjahr", sagt Privatdozent Dr. Johannes Breuer, Direktor der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum Bonn.

Eine gleichzeitige Korrektur aller drei Defekte war bei Ashlee-June, die vier Wochen zu früh auf die Welt kam, jedoch erschwert. Denn die Körperschlagader war gerade nahe dem Aortenbogen extrem verengt. Da dort die Gefäße zum Kopf direkt abzweigen, kann die Herz-Lungen-Maschine in solchen Fällen das sauerstoffreiche Blut nicht richtig in den Körper pumpen. Das empfindliche Gehirn wäre nicht ausreichend durchblutet worden. "Um das Gehirn vor dem schädlichen Sauerstoffmangel zu schützen, hätten wir die Körpertemperatur auf 18 Grad abkühlen und einen Herz-Kreislauf-Stillstand herbeiführen müssen. Das wäre jedoch für unsere kleine Patientin enorm belastend gewesen", erklärt Breuer.

Deswegen wagten die Bonner Ärzte eine Alternative. Eine Woche nach der Geburt von Ashlee-June setzten sie mittels Katheter vorsichtig in die Körperschlagader einen neuartigen Stent ein. Dieser wird mit Fäden zusammengehalten, die sich nach acht Wochen von selbst auflösen. "Da dieser Stent mitwächst, muss er später nicht wieder herausgenommen werden", sagt Breuer. Der Trick funktionierte, und die Engstelle weitete sich auf.

"Trotzdem war es immer noch ein komplizierter Eingriff und ich hatte Angst, ob Ashlee-June es schafft. Meine Familie und Bekannte stellten Kerzen für sie auf", sagt Alexandra S. Bei der so genannten Switch-Operation trennten die Bonner Herzchirurgen unter Leitung von Professor Dr. Armin Welz die großen Arterien vom Herzen ab und nähten sie wieder an der jeweils richtigen Herzkammer an. Gleichzeitig verschlossen sie ein Loch in der Herzscheidewand mit einem Flicken. Gleich einen Tag nach der Operation konnte die Mutter das kleine Baby wieder in die Arme schließen. "Sie war schnell wieder auf Trab. Sie schläft und isst gut", freut sich Alexandra S.. Jetzt kann sie die kleine Ashlee-June endlich mit nach Hause nehmen.

Kontakt für die Medien:
Privatdozent Dr. Johannes Breuer
Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie
Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-33350
E-Mail: johannes.breuer@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Herz-Operation Körperschlagader Stent

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie