Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirkmächtige und kostensparende Sorge: Ambulante Palliative Care Teams brauchen Rechtsdauerhilfe

21.05.2002


Die Krebsschmerz-Initiative Mecklenburg-Vorpommern trägt, die Lebensqualität fortgeschrittener Krebspatienten zu verbessern, bei. Etwa 480000 Tumorpatienten benötigen in Deutschland eine effektive palliativmedizinische Betreuung, aber ambulante Angebote gibt es bisher nur in wenigen Modellregionen. Forscher der Universität Greifswald zeigten überzeugend, dass die enge Vernetzung der Patientenbetreuung durch hauptamtliche Palliative Care Teams sich eignet, Tumorschmerzen effektiv zu lindern, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und Kosten im Gesundheitssystem einzusparen. Damit kann diese Betreuungsform zu einem Modell für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens werden. Dazu bedarf es einer Finanzierungsgrundlage für hauptamtliche Palliative Care Teams, die an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung arbeiten. Mit einem Modellprojekt hat das Bundesgesundheitsministerium (Az.: FB 2-43332-50/12) die Krebsschmerz-Initiative Mecklenburg-Vorpommern von 1997 bis 2001 mit umgerechnet annähernd 775000 Euro gefördert.Am 13. Mai 2002 übergaben die Verantwortlichen der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und der Universität Greifswald den Abschlußbericht des Modellprojektes Krebsschmerz-Initiative Mecklenburg-Vorpommern der Parlamentarischen Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Gudrun Schaich-Walch: die Krebsschmerz-Initiative Mecklenburg-Vorpommern betreute in Vorpommern pro Jahr 161 bis 210 weit fortgeschrittene Krebspatienten ambulant und stationär. Dazu besuchte ein Palliative Care Team aus Brückenarzt und Brückenschwester diese Patienten zu Hause regelmäßig. Bei der Vorstellung in Berlin berichtete Projektleiter Dr. Wolf Diemer von der Universität Greifswald, dass drei Palliative Care Teams an einem Standort in einer Region von 250000 bis 300000 Einwohnern über 500 Patienten pro Jahr betreuen können. Die enge Verzahnung von stationärer und ambulanter Betreuung dieser Patienten verbessert deren Lebensqualität, gleichzeitig resultiert eine Kosteneinsparung von über 280000 Euro - evaluiert vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaft und Unternehmensbewertung der Universität (Prof. Matschke).Nach Abschluss des Modellprojektes erreichte die Krebsschmerz-Initiative Mecklenburg-Vorpommern, intensiv mit den Krankenkassenverbänden verhandeln, als erstes Modellprojekt in Deutschland eine Umsetzung in die Krankenkassenfinanzierung: die Landesverbände der Krankenkassen erklärten sich bereit, die Finanzierung für ein Jahr zu übernehmen. Anstelle dieser freiwilligen Zusage der Krankenkassen bedarf es für die Zukunft einer juristischen Grundlage für die Finanzierung dieser sowohl stationär als auch ambulant arbeitenden palliativmedizinischer Dienste. Hier liegt ein wichtiger Ansatzpunkt für die Gesundheitspolitik.Was sind Palliative Care Teams?


Palliativmedizin ist die Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht Sterben als einen natürlichen Prozess; sie lehnt aktive Sterbehilfe in jeder Form ab (DGP). Palliative Care ist die aktive, ganzheitliche Behandlung und Pflege von Patienten, deren Krankheit nicht auf eine kurative Behandlung anspricht. Schmerztherapie, die Behandlung anderer Krankheitssymptome und psychischer, sozialer und spiritueller Probleme sind ihre Priorität. Das Ziel von Palliative Care ist beste Lebensqualität für die Patienten und ihre Familien. Viele Anteile von Palliative Care wären auch bereits im früheren Krankheitsverlauf zusammen mit der Tumortherapie anwendbar (WHO).Die Betreuung fortgeschrittener Krebspatienten mit hauptamtlichen Palliative Care Teams aus spezialisierten Brückenärzten und Brückenschwestern ist geeignet, die bisherigen Versorgungslücken zwischen stationärer und ambulanter Betreuung dieser Patientengruppe zu schließen. Das Palliative Care Team beginnt bereits während des Krankenhausaufenthaltes die optimale palliativ-medizinische Betreuung und bietet nach der Entlassung des Patienten weiter die engmaschige Betreuung an. Auch nachts und am Wochenende steht ein Palliative Care Team zur Krisenintervention zur Verfügung. Nur so lassen sich Krankenhauseinweisungen allein aufgrund unzureichender Schmerztherapie oder anderer palliativmedizinischer Hürden weitgehend vermeiden.
Deshalb bedarf es hauptamtlicher ambulanter Palliativdienste; diese sind bisher in Deutschland kaum im Einsatz. Von 1997 bis Mitte 2001 liefen zwei Modellprojekte des Bundesgesundheitsministeriums in Vorpommern und in Südniedersachsen. Deren ambulanten Palliative Care Teams leisten in Vollzeit palliativ-medizinische Arbeit und Krisenintervention sowie palliativ-pflegerische Anleitung und Begleitung direkt am ambulanten Patienten zu Hause in Kooperation mit den Angehörigen, ambulanten Pflegediensten, den Hausärzten und ambulanten Hospizdiensten. Teilweise werden bisher aber auch nur Brückenschwestern (in Baden-Württemberg) oder nur Home Care Ärzte (in Berlin) bezahlt, auch dort sollte multiprofessionelle Betreuung durch Palliative Care Teams aus Brückenschwestern und Brückenärzten eingeführt werden.

... mehr zu:
»Palliation

Die Arbeit der Palliative Care Teams aus Brückenärzten und -schwestern wird vor Ort durch die ehrenamtliche psychosoziale Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen durch ambulanter Hospizdienste ergänzt.
Wegen der völligen Trennung der Krankenhausfinanzierung und der Finanzierung der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland fehlt bisher eine Finanzierungsmöglichkeit für diese Schnittstellen-übergreifenden Palliative Care Teams.
Interviewpartner und Originalarbeiten finden Sie im Internet bei http:/

Oberarzt Dr. Wolf Diemer: Tel. 0171-4014480, Fax 03834-86-5844

Dr. Edmund von Pechmann |
Weitere Informationen:
http:///www.uni-greifswald.de/~krebsin/main.htm

Weitere Berichte zu: Palliation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics