Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Behandlungserfolg besser vorhersagen

02.09.2013
Ein neues statistisches Modell berechnet, wie sich der HI-Virus in einem bestimmten Patienten genetisch weiterentwickeln könnte.

Der Blick auf mögliche Evolutionspfade erlaubt eine individualisierte und deutlich genauere Vorhersage, ob der Aids-Erreger gegen die Medikamente resistent und also die Therapie unwirksam wird. Dies zeigt eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie.

Der HI-Virus ist nicht zuletzt wegen seiner grossen Wandelbarkeit gefürchtet. Mutiert der Aids-Erreger genau dort, wo ein Heilmittel wirkt, neutralisiert er den Angriff, und die Behandlung schlägt fehl. Um die Abwehrmöglichkeiten des Virus einzuschränken, setzen Ärzte heute in Kombinationstherapien mehrere Heilmittel gleichzeitig ein. Dadurch muss der Erreger eine Reihe von Mutationen durchlaufen, bevor er der Wirkung der Heilmittel ausweichen kann.

Sequenzieller Erwerb von Mutationen
«Es ist nicht einfach zu entscheiden, welche der über 30 verschiedenen Kombinationstherapien jeweils angebracht ist», sagt der Präsident der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich. Der Entscheid hängt von den Erfolgsaussichten einer Behandlung ab und also von der genetischen Zusammensetzung des Erregers, der den Patienten befallen hat. Die heute gängigen Vorhersagemodelle berücksichtigen zwar das Erbgut des HI-Virus, aber sie gehen nicht darauf ein, dass der Virus ständig neue Mutationen sequenziell erwirbt.
Für jeden Patienten die richtige Therapie
Mit einer neuen wahrscheinlichkeitstheoretischen Methode haben Forschende um Niko Beerenwinkel von der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie ein genaueres Vorhersagemodell entwickelt (*). Es berechnet die möglichen Evolutionspfade des Erregers und liefert ein neues Mass für die zu erwartende Resistenzentwicklung: die sogenannte individualisierte genetische Barriere. Retrospektiv angewendet auf 2185 Patienten der HIV-Kohorte liess sich der Behandlungserfolg mit dieser neuen Grösse besser abschätzen als mit den heutigen Vorhersagemodellen. «Wir sind nun daran, in einem Pilotprojekt die individualisierte genetische Barriere einzuführen und hoffen, dass sie uns in Zukunft dabei hilft, für jeden Patienten die optimale Therapie zu wählen», sagt Günthard.

(*) Niko Beerenwinkel, Hesam Montazeri, Heike Schuhmacher, Patrick Knupfer, Viktor von Wyl, Hansjakob Furrer, Manuel Battegay, Bernard Hirschel, Matthias Cavassini, Pietro Vernazza, Enos Bernasconi, Sabine Yerly, Jürg Böni, Thomas Klimkait, Cristina Cellerai, Huldrych F. Günthard, and the Swiss HIV Cohort Study (2013). The Individualized Genetic Barrier Predicts Treatment Response in a Large Cohort of HIV-1 Infected Patients. PLoS Computational Biology online. doi: 10.1371/journal.pcbi.1003203

Die Schweizerische HIV-Kohorte
Das Ziel der seit 1988 bestehenden Studie ist, die HIV-Infektion und die Krankheit Aids genauer zu verstehen sowie die Betreuung der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Sämtliche in der Schweiz auf HIV spezialisierte Kliniken (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich) haben Daten zum Krankheitsverlauf von bisher über 18'000 HIV-infizierten Menschen gesammelt und ausgewertet. Zurzeit nehmen über 8‘800 Personen an der Schweizerischen HIV-Kohorten-Studie teil, davon sind fast ein Drittel Frauen.

Der Text dieser Medienmitteilung steht auf der Webseite des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung: www.snf.ch > Medien > Medienmitteilungen

Martina Stofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.shcs.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie