Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bamberger Wissenschaftler untersuchen Gesichtsblindheit

26.04.2010
In einem Beitrag für das renommierte Wissenschaftsjournal "Science" untersuchen Claus-Christian Carbon und Thomas Grüter vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie der Universität Bamberg die Gründe, warum Mediziner und Psychologen verbreitete und auffällige angeborene Teilleistungsschwächen des Gehirns lange Zeit übersehen haben.

Beispielsweise leiden etwa zwei Millionen Deutsche an einer sogenannten angeborenen "Gesichtsblindheit" (Prosopagnosie). Die Betroffenen erkennen andere Menschen nur sehr schwer an ihren Gesichtern und können sich neue Gesichter generell nicht gut merken. Noch bis vor vier Jahren galt diese Störung als ausgesprochen selten.

"Das Gehirn verarbeitet die Flut von ständig hereinkommenden Sinneswahrnehmungen modular, das heißt, verschiedene Bereiche filtern, sammeln und kombinieren die Daten auf jeweils spezifische Weise. Wenn eines dieser Module gestört ist, können andere seine Aufgaben teilweise übernehmen und so für einen Ausgleich sorgen", erklärt Carbon. Damit können sieSchwächen in einem Modul mehr oder weniger gut ausgleichen. Das gilt besonders für angeborene Teilleistungsschwächen, weil sich das Gehirn dann von Anfang an anders entwickelt. Wer beispielsweise ein Gesicht nicht gut erkennen kann, nimmt andere Erkennungsmerkmale wie Stimme oder Figur zu Hilfe. Weil die eigentlich sozial wichtige Aufgabe nicht Gesichts-, sondern Personen-Erkennung heißt, können die Betroffenen den Ausfall der Gesichtserkennung damit teilweise ausgleichen. Viele Tests nehmen darauf nicht ausreichend Rücksicht und können Teilleistungsschwächen deswegen nicht hinreichend diagnostizieren.

Zudem versuchen Menschen, peinliche Leistungsschwächen so gut es geht zu verbergen. "Wenn Menschen Gesichter nicht gut erkennen, werden sie sich eine ganze Reihe von Ausreden bereitlegen, die erklären sollen, warum sie an Bekannten einfach vorbei gelaufen sind", so der Psychologe. Durch die verschiedenen Anpassungsmechanismen verändert sich jedoch ihr Verhalten, denn sie bewältigen die Aufgabe anders als die meisten übrigen Menschen. Für eine korrekte Diagnose ist deshalb die Verhaltensänderung wichtiger als die Feststellung einer eventuell reduzierten Erkennungsleistung.

Die Bamberger Wissenschaftler, die beide seit langer Zeit weltweit führend im Bereich der angeborenen Prosopagnosie forschen, sind sich sicher: Verbesserte Verfahren zur Evaluierung der Lernfähigkeit des Gehirns könnten dazu beitragen, den von einer Teilleistungsschwäche Betroffenen gezieltere Hilfe zukommen zu lassen. Außerdem versprechen sie spannende neue Erkenntnisse über Funktionsweise, Dynamik und Strukturen des Gehirns.

Informationen zur Forschung der beiden Bamberger Psychologen finden Sie unter http://www.experimental-psychology.de und unter http://www.prosopagnosie.de.

Kontakt:
Prof. Dr. Claus-Christian Carbon
Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie
Markusplatz 3
96047 Bamberg
Tel.: 0951 / 863-1860
Mail: claus-christian.carbon@uni-bamberg.de

Dr. Monica Fröhlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.experimental-psychology.de
http://www.prosopagnosie.de
http://www.uni-bamberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz