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Antihistaminikum stoppt epileptische Anfälle

06.09.2013
Forscher unterdrücken Attacken mit Medikament gegen Juckreiz

Das Antihistaminikum Clemizol könnte in Zukunft epileptische Anfälle unterdrücken. Das haben Forscher an der University of California, San Francisco (UCSF), herausgefunden. Bei Zebrafischen stoppt das Medikament bedrohliche Hirnaktivitäten innerhalb von zehn Minuten.

Wirkstoff gegen Dravet-Syndrom

Die anfallhemmende Wirkung von Clemizol, eigentlich ein Antiallergikum, das gegen Juckreiz verabreicht wird, überraschte selbst die Wissenschaftler. Eigentlich stehen Antihistaminika im Ruf, epileptische Anfälle zu verschlimmern oder gar auszulösen. Experten versuchen vor allem, ein Medikament gegen die Anfälle zu finden, die das Dravet-Syndrom hervorruft.

"Wir haben Zebrafischen Epilepsie-Medikamente gegeben, die bereits bei Kindern mit dem Dravet-Syndrom eingesetzt werden, und die Fische reagierten auf dieselbe Weise", so UCSF-Neurologe Scott Baraban. Ebenfalls hätten die Medikamente, die bei Menschen nicht wirken, bei Fischen keinen Effekt nach sich gezogen. Es wird daher vermutet, die Wirkweise von Clemizol könnte direkt auf den Menschen übertragbar sein.

Das Dravet-Syndrom tritt bei Kindern meist im Alter von einem Jahr auf. Ein Anfall kündigt sich durch nervöses Verhalten und vermehrten Bewegungsdrang an. Die Zebrafische verhielten sich genauso. Stand ein Anfall kurz bevor, schwammen sie hektisch durch das Versuchs-Aquarium. Nachdem eine Clemizol-Lösung in das Wasser gegeben wurde, absorbierten die Fische den Wirkstoff - nach zehn Minuten waren keine Anzeichen für einen bevorstehenden Anfall mehr festzustellen.

Krämpfe mit Fieberschüben verwechselt

Laut Nils Holert, Neuropädiater am Sächsischen Epilepsiezentrum Radeberg http://www.kleinwachau.de , äußert sich das Dravet-Syndrom mit fieberhaften Anfällen. "Die Krämpfe werden daher zu Beginn oft mit Fieberanfällen verwechselt", erklärt Holert im Gespräch mit pressetext. "Im Laufe der Zeit wird dann aber klarer, dass Anfälle auch ohne hohe Temperaturen auftreten", weiß der Kinderarzt.

Bei der SCN1A-Genmutation, die für das Dravet-Syndrom verantwortlich ist, mangelt es an der inhibitorischen Fähigkeit der Synapsen. Zu wenig Gammaaminobuttersäure wird im Gehirn produziert. Somit werden Stimuli im Gehirn nicht richtig abgebaut. In der Folge kommt es zu einer Überreaktion im Gehirn - einem epileptischen Anfall.

Michael Krause | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://neurology.ucsf.edu

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