Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

5 Mio. Euro für Zentrum für Psychische Gesundheit an der RUB

22.02.2010
Was über psychische Gesundheit oder Krankheit entscheidet
Spezialist für Angst- und Panikstörungen: Prof. Margraf nimmt Arbeit auf

Er hat Großes vor und setzt auf eine dafür ideale Infrastruktur - der renommierte Spezialist für Angst- und Panikstörungen, Prof. Dr. Jürgen Margraf, übernimmt heute den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der RUB.

Der Träger des internationalen Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung bringt fünf Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit und wird ein Forschungs- und Behandlungszentrum für Psychische Gesundheit an der Ruhr-Universität aufbauen.

Mit Prof. Margraf kommt auch seine Frau, Prof. Dr. Silvia Schneider, nach Bochum. Sie ist Expertin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, einem Schwerpunkt des zukünftigen Zentrums, das die Betrachtung der gesamten Lebensspanne von der Kindheit bis in das Erwachsenalter ermöglichen soll. "Das forschungsfreundliche Umfeld und eine engagierte, dynamische Universitätsleitung bieten uns hier hervorragende Ausgangsbedingungen.", sagte der aus Basel an die RUB gekommene Prof. Margraf.

Wo das Preisgeld hinfließt

Ob Menschen eine gesunde oder krankhafte Entwicklung durchlaufen, darüber entscheidet das komplexe Zusammenspiel von psychologischen, biologischen und sozialen Faktoren über längere Zeiträume hinweg. Daher muss jede Ursachenforschung, will sie erfolgreich sein, diese Wechselwirkungen ebenso erfassen, wie die Gen-Umwelt-Interaktionen. Mit den Mitteln der "Humboldt-Professur" möchte Prof. Margraf nun psychologische, biologische und soziale Methoden zu einem interdisziplinären Ansatz integrieren und so die komplexen dynamischen Interaktionen aufklären. Ein Beispiel ist die Frühprogrammierung des Stressreaktionssystems und wie sie die spätere Bewältigung von Lebensanforderungen beeinflusst. Margraf nennt drei wesentliche Ziele seiner zukünftigen Aktivitäten: Er möchte gesundheitsfördernde und -schützende Faktoren identifizieren, herausfinden, welche Lebenskonstellationen einer gesunden psychischen Entwicklung entgegenstehen und die Grundlagen schaffen für wirksame Präventionen, Behandlungen und Bewältigungsstrategien bei psychischen Krankheiten und Lebenskrisen.

Partner für Patientenwohl

Wenngleich sich die psychotherapeutische Versorgung im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert hat, gibt es noch immer unbefriedigend geregelte Bereiche. Dazu gehören die nicht optimal aufeinander abgestimmte stationäre und ambulante Behandlung innerhalb der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung. So können zu lange Wartezeiten auf einen ambulanten Therapieplatz eine erneute stationäre Einweisung erforderlich machen. Auch sind stationäre und ambulante Behandlung oft nicht inhaltlich aufeinander abgestimmt. Und schließlich muss der Transfer neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Regelversorgung beschleunigt werden. Das gilt etwa für die hochfrequente Intensivtherapie bei Angststörungen, die zu deutlich besseren Behandlungsergebnissen führt als Therapien mit wöchentlich einstündigen Terminen. In diesen Punkten sollen Vereinbarungen mit der Technikerkrankenkasse (Versorgungsvertrag) den Patienten zugutekommen.

Infrastruktur wie dafür gemacht

Mit dem Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie übernimmt Prof. Margraf zugleich die Leitung des Zentrums für Psychotherapie der RUB, das in ein Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit überführt werden soll. "Dafür ist eine ausgezeichnete klinisch-psychologische Infrastruktur vorhanden", so Prof. Margraf. Er verweist auf die enge Zusammenarbeit mit anderen psychotherapeutischen, psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen der Region, auf das für Populationsstudien erforderliche große Einzugsgebiet des Ruhrgebietes und auf die starken Kooperationspartner in der Grundlagen- und der klinischen Forschung insbesondere innerhalb der Fakultät für Psychologie. Damit stellt das zukünftige Zentrum für psychische Gesundheit eine ideale Ergänzung des von der Landesregierung geplanten GesundheitsCampus NRW dar. Auf lange Sicht wird sich das Zentrum durch die Behandlung von Patienten selbst finanzieren.

Wissenschaftlich bestens eingebunden

Aus den Forschungszielen des "Humboldt-Professors" ergibt sich eine besonders enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den RUB-Neurowissenschaftlern um Prof. Dr. Onur Güntürkün und Prof. Dr. Irene Daum. Die Neurowissenschaften gehören seit Jahren zu den Forschungsschwerpunkten der Ruhr-Universität und genießen international einen hervorragenden Ruf; ein Disziplinen übergreifendes Research Department befindet sich zurzeit in Gründung. Gemeinsam werden die Wissenschaftler der Frage nachgehen, welche besonderen Verschaltungen von Hirnnervenzellen psychischen Erkrankungen zugrunde liegen. "Die Humboldt-Professur findet mit den zahlreichen vorhandenen Kooperationen und der wissenschaftlichen Vernetzung in Bochum einen optimalen Rahmen vor", sagte Prof. Dr. Bernhard Zimolong, Dekan der Fakultät für Psychologie. "Sie ist damit ein gemeinsames Verdienst von Prof. Margraf und der Ruhr-Universität."

Angst- und Panikstörungen, Depressionen und Essstörungen

Prof. Margraf ist international bekannt für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Ursachenforschung und Therapie von Panik- und Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt die Entdeckung der Eigenständigkeit subjektiver, psychologischer und physiologischer Faktoren bei Panikstörungen. So wies er etwa nach, dass eine Panikattacke durch eine durch den Patienten wahrgenommene Beschleunigung des Pulsschlags ausgelöst werden kann, selbst wenn der Herzschlag in Wirklichkeit unverändert geblieben ist. Er hat zahlreiche psychotherapeutische Verfahren entwickelt und evaluiert.

Vita Prof. Margraf

Prof. Dr. Jürgen Margraf, geboren 1956, schloss sein Psychologiestudium 1986 nach mehreren Aufenthalten in Stanford (USA) mit dem Doktortitel in Tübingen ab. Für die Habilitation (1990) wechselte er nach Marburg. Anschließend vertrat er die Professur für Klinische Psychologie der Universität Münster, wechselte dann als C3-Professor an die Freie Universität Berlin und nahm 1993 einen Ruf an die Technische Universität Dresden an. Dort baute er nach der deutschen Wiedervereinigung eine vollkommen neue Abteilung für Psychologie auf, die sich binnen kurzem einen hervorragenden Ruf sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Patientenversorgung erarbeitete. 1999 wechselte er schließlich nach Basel (Schweiz), wo er den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie inne hat.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jürgen Margraf, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Zentrum für Psychotherapie der RUB, Tel. 0041/612670660, E-Mail: juergen.margraf@rub.de, juergen.margraf@unibas.ch (ggf. über RUB-Pressestelle)

Prof. Dr. Silvia Schneider, Lehrstuhl für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, Tel. 0041/612670650, E-Mail: silvia.schneider@rub.de, silvia.schneider@unibas.ch (ggf. über RUB-Pressestelle)

Prof. Dr. Bernhard Zimolong, Dekan der Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28607

Redaktion: Dr. Barbara Kruse

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie