Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanomaterialien – friedliche Zwerge? Nutzen und Visionen einer neuen Technologie

07.06.2010
Nanoprodukte sind dabei, zahlreiche Marktsegmente zu erobern. Wie bei allen neuen Technologien stellt sich die Frage: Welche Risiken birgt «Nano»? Ist es etwa gesundheitlich bedenklich, Produkte mit Nanopartikeln zu verwenden? Am 16. Juni spricht der Empa-Nanotoxikologe Harald Krug am Technoseum in Mannheim im Rahmen einer grossen Nano-Ausstellung über Vor- und Nachteile der Nanotechnologie und erklärt, worin die Chancen bestehen und wo Vorsicht angesagt ist.

Nanotechnologie bietet grosse Chancen, gravierende Probleme dank neuer Materialien zu lösen. Wo etwa Energie gespeichert oder Luft, Wasser und Boden gereinigt werden muss, warten NanowissenschaftlerInnen mit zahlreichen Ideen auf: Wasser kann mit Nano-Keramiken gesäubert und Energie in nanoporösen Systemen mit hoher Leistungs- und Energiedichte gespeichert werden.

Erste positive Auswirkungen auf die Umwelt zeigen sich bereits, etwa durch die heute üblichen Sonnenschutzmittel mit Nano-UV-Blockern, also mit Partikeln in Nanometergrösse, die vor UV-Strahlen schützen. Seit sie Sonnencrèmes mit organischen UV-Filtersubstanzen ersetzt haben, sind in den Gewässern deutlich weniger Spuren dieser organischen Stoffe zu finden, von denen etliche hormonaktiv sind und im Verdacht stehen, in den Hormonhaushalt von Lebewesen einzugreifen.

Doch oft ist im Zusammenhang mit Nanotechnologie auch von möglichen Gefahren und Risiken zu hören. Wie sind diese neuen Materialien generell zu beurteilen? Sind sie gefährlich, allesamt? Der Nano-Experte Harald Krug, der sich mit seinem Team an der Empa in St.Gallen mit diesen Fragen beschäftigt, präzisiert: Einerseits seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Materialien einfach zu gross, als dass Nanomaterialien per se als gefährlich oder unbedenklich bezeichnet werden könnten. Andererseits seien die meisten Materialien, die heute in Nanoprodukten bereits auf dem Markt sind, von den Substanzen her unkritisch.

«Allein die Menge macht das Gift»

Trotzdem betont Krug, es sei ausserordentlich wichtig, sich über mögliche Nachteile Gedanken zu machen – und zwar frühzeitig. Denn ab einer bestimmten Dosis, so der Toxikologe, kann jede Substanz gefährlich – «giftig» – werden. Wo Nanopartikel sich anreichern, können Probleme entstehen. Krug hält es deshalb für eine wichtige Aufgabe in der Nano-Toxikologie, auf potenzielle Gefahrenquellen aufmerksam zu machen. Es ist gezielt zu erforschen, welche Risiken bestehen, und zu untersuchen, welche Nanomaterialien aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften unter welchen Bedingungen eine Gefährdung für Mensch und Umwelt darstellen könnten. Basierend auf diesem Wissen können dann Grenzwerte festgelegt werden, nicht nur für den menschlichen Körper, sondern auch für die Umwelt.

Während für die Wisenschaft gilt, die Risikoforschung voranzubringen, muss in der Industrie das Vorsichtsprinzip walten, fordert Krug: «Wo man nichts weiss, muss sehr vorsichtig agiert werden.» Stets sollte mit dem grösstmöglichen Effekt, den gravierendsten Auswirkungen gerechnet werden. Auf gesetzlicher Ebene heisst dies, die bestehenden Richtlinien anzupassen. Dazu sei aber kein eigenes Nanomaterialien-Gesetz vonnöten, denn Nanomaterialien seien eben auch «nur» Chemikalien, die in den unterschiedlichsten Verordnungen (etwa für Lebensmittel, Kosmetik) bereits berücksichtigt sind.

Miteinander über Nutzen und Risiken sprechen

Über mögliche Risiken bestimmter Nanomaterialien müssen VerbraucherInnen unbedingt informiert werden. «Denn», so ist Krug überzeugt, «wer über Risiken und Nutzen orientiert ist, nimmt häufig sogar ein gewisses Risiko in Kauf – nämlich dann, wenn er sieht, wie viele Vorteile ein neues Produkt mit sich bringt.» Öffentliche Veranstaltungen und Diskussionsforen, in denen sich ForscherInnen mit der Öffentlichkeit austauschen können, hält Krug für ausserordentlich nützlich. So können sich Fachleute und Laien gemeinsam darüber verständigen, welche Probleme dank Lösungsansätzen aus der Nanotechnologie gelöst werden können oder müssen. Krug hat sich deshalb auch für die Ausstellung «Nano! Nutzen und Visionen einer neuen Technologie» am Technoseum in Mannheim engagiert und hält dort am 16. Juni 2010 einen Vortrag.

Sabine Voser | idw
Weitere Informationen:
http://www.technoseum.de
http://www.empa.ch/plugin/template/empa/*/87763#technoseum

Weitere Berichte zu: CeBIT VISION Nanomaterial Nanoprodukt Nanotechnologie Technoseum Zwerge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Der gestapelte Farbsensor
17.11.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Gefragtes Werkstoff-Knowhow: Fraunhofer LBF baut Elastomer-Forschung aus
16.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte