Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medizin soll von neuartigen Biomaterialien profitieren

15.03.2011
Die Entwicklung von Biomaterialien auf Glasbasis haben sich die Mitarbeiter am Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Biomaterialien) von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini in Erlangen zum Ziel gesetzt.

Unter der Leitung des Lehrstuhlinhabers beteiligen sich die Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) am europäischen Netzwerkprojekt „ITN-GLACERO“ (Glass and Ceramic Composites for High Technology Applications), das jetzt gestartet ist. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission vier Jahre mit 3,8 Millionen Euro gefördert.

Ziel dieses EU-Projektes ist die Herstellung und Testung von High-Tech-Gläsern, Glaskeramiken und glashaltigen Verbundwerkstoffen sowie die interdisziplinäre Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf diesem Gebiet. Die Ausbildung erfolgt in enger Zusammenarbeit europäischer Universitäten mit der Industrie. Laut Prof. Boccaccini von der FAU ermöglicht gerade diese interdisziplinäre Ausbildung einen wissenschaftlichen Austausch über innovative, kostengünstige und umweltverträgliche Materialien aus Glas und deren Herstellungsmethoden.

Das Konsortium setzt sich aus je fünf Partnern der Bereiche Forschung und Industrie zusammen. Die Partner kommen aus sechs europäischen Ländern – Deutschland, Italien, Frankreich, England, Finnland und Tschechischer Republik. Jeder dieser Beteiligten, hebt Boccaccini hervor, besitze herausragende Kenntnisse in den Bereichen Glastechnologie, Modelling, Design sowie der Charakterisierung und der Kommerzialisierung von Produkten aus Glas und Verbundwerkstoffen. Das koordinierende Institut ist das Polytechnikum von Turin (Italien).

Von Vorteil und Nutzen dieser auf Glas basierenden High-Tech-Werkstoffe ist Boccaccini überzeugt. Die neuartigen Werkstoffe wie Glaskeramik, Verbundwerkstoffe aus Glaskeramik und Fasern eigneten sich beispielweise für eine Verwendung im medizinischen Bereich. So ist das Institut für Biomaterialien in Erlangen unter der Leitung von Prof. Boccaccini für das Arbeitspaket „Design, Herstellung und Charakterisierung von neuen Gläsern für Anwendungen in der Medizin“ verantwortlich. „Wir entwickeln spezielle Glaszusammensetzungen, die eine direkte Bindung zu Knochen und Weichgewebe ermöglichen“, sagt Aldo R. Boccaccini. Bioaktive Gläser könnten künftig etwa als Knochenersatzwerkstoffe der regenerativen Medizin dienlich sein. „In den von uns geplanten Knochenersatz aus Glaskeramik können Medikamente wie Antibiotika eingebaut werden. Die Medikamente werden im Körper freigesetzt, sobald sich die Glaskeramik auflöst“, sagt Boccaccini. D.h. auf dem medizinischen Feld der Knochenregenerierung ist Glaskeramik als Medikamententräger geeignet, da davon ausgegangen wird, dass die lokale Freisetzung von Medikamenten verträglicher ist als ihre orale Einnahme.

Außerdem wollen die FAU-Wissenschaftler Biomaterialien auf Glasbasis für die Onkologie (z.B. ferromagnetische Glaskeramiken zur hyperthermischen Behandlung von Tumoren) herstellen. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Prothetik. Beispielsweise wollen die Erlanger Wissenschaftler bioaktive Beschichtungen aus Glas und Verbundwerkstoffen herstellen.

Neben dem Einsatz in der Medizin liegt ein weiterer Schwerpunkt des EU-Projekts „ITN-GLACERO“ im Bereich der Erzeugung sauberer Energie. Nach Angabe des Wissenschaftlers Boccaccini sollen Brennstoffzellen unter Verwendung von Dichtmaterialien aus Glas produziert werden. Darüber hinaus wird die Herstellung von umweltverträglichen Strukturwerkstoffen mittels thermischer Behandlung von glashaltigen Reststoffen (z.B. Rückstände der Müllverbrennung) angestrebt.

Mehr Informationen:
Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini
Tel.: 09131/85-28600
aldo.boccaccini@ww.uni-erlangen.de

Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum
07.12.2016 | Technische Universität Graz

nachricht Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate
06.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie