Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brandschutz im Kunststoff

21.12.2001


Partikel aus Melaminharz mit rund 20 Mikrometern Durchmesser. Der darin eingeschlossene rote Phosphor besitzt das Potenzial, problematische halogenierte Flammschutzmittel in Kunststoffen zu ersetzen.

Copyright © 2002 Fraunhofer-Gesellschaft


So erfolgreich sich die verschiedensten Kunststoffe auch etabliert haben mögen - wenn es brennt, zeigen die meisten dieser vielseitigen Werkstoffe ein anderes Gesicht: Sie schmelzen und nähren das Feuer wie Erdöl, aus dem sie letztlich hergestellt wurden. Um dies zu verhindern, werden ihnen verschiedene Flammschutzmittel zugesetzt. Doch führt dies zu einigen Nachteilen: So verschlechtern sich häufig die mechanischen Eigenschaften und die elektrische Isolierwirkung der Kunststoffe. Insbesondere bromierte und chlorierte Zusatzstoffe wandern durch das Material und können dann metallische und elektronische Bauteile schädigen. Zudem sind sie gesundheitlich bedenklich und stören beim Recycling. Aus Sicherheitsgründen kann jedoch auf Flammschutzmittel nicht verzichtet werden. Kunststoffe, die von sich aus schwer entflammbar und selbstverlöschend sind, entwickelt das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP. Für ihre neuen Ansätze und Werkstoffe erhielten Wissenschaftler der Arbeitsgruppe um Dr. Gerald Rafler im vergangenen November den mit 30 000 Mark dotierten Friedrichspreis für neue Technologien, der vom Unternehmen Stöbich Brandschutz GmbH gestiftetet wurde. Verliehen wird er von der Arbeitsgemeinschaft AiF »Otto von Guericke«. Die Markteinführung der neuen Werkstoffe prüft und bereitet das österreichische Unternehmen Agrolinz Melamin GmbH bereits vor.

»Die Mikroverkapselung von Flammschutzmitteln ist eine von drei Strategien, die wir verfolgen«, erklärt Rafler. »Die Hüllen der mikroskopisch winzigen Kügelchen bestehen aus nichtschmelz- und schwer entflammbaren Melaminharzen wie man sie von Pfannengriffen oder Steckdosen kennt. Die Flammschutzmittel bleiben im Inneren und werden nur noch im Brandfall freigesetzt. Auch Substanzen, die sich mit dem umgebenden Kunststoff sonst nicht vertragen, werden eingekapselt verwendbar. Beispiele hierfür sind Stickstoff, Kohlendioxid und Verbindungen, die erst bei Hitzeeinwirkung Löschgase entwickeln.« Gasgefüllte Mikrokapseln sind druckstabil und sie überstehen Prozesse der Kunststoffverarbeitung wie Extrudieren, Granulieren oder Spritzgießen ohne zu platzen.

Zwei weitere Konzepte der IAP-Wissenschaftler: Mit schmelzgesponnenen Melaminfasern stellen sie faserverstärkte Polymere her. Diese Verbundwerkstoffe sind einfacher zu verarbeiten und zu recyceln als ihre glasfaserverstärkten Konkurrenten. Und schließlich produzieren sie aus Melaminharzen hochfeste Schäume, die sich erst bei Temperaturen oberhalb von 360 °C langsam zersetzen

Dr. habil. Gerald Rafler | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Brandschutz Flammschutzmittel Kunststoff Melaminharz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Beschichtung lässt Muscheln abrutschen
18.08.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht PKW-Verglasung aus Plastik?
15.08.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik